SZ + Großenhain
Merken

In Großenhain gibt es ausreichend Zahnärzte

Die Diplomstomatologin Regine Förster schließt ihre Praxis auf der Mozartallee. Die Versorgung sei trotzdem gewährleistet, sagt die Kassenzahnärztliche Vereinigung.

Von Thomas Riemer
 3 Min.
Teilen
Folgen
Ein Behandlungsplatz in einer Zahnarztpraxis: In Großenhain verabschiedet sich jetzt eine Ärztin in den Ruhestand.
Ein Behandlungsplatz in einer Zahnarztpraxis: In Großenhain verabschiedet sich jetzt eine Ärztin in den Ruhestand. © SAE Sächsische Zeitung

Großenhain. Still, heimlich und leise - zumindest aber ohne öffentliches Aufsehen - hat Regine Förster dieser Tage einen Schlussstrich gezogen. Die erfahrene Diplom-Stomatologin schließt in diesen Tagen ihre Zahnarztpraxis auf der Mozartallee in Großenhain. Mit 66 Jahren - und da fängt ja bekanntlich das Leben richtig an ... Tatsächlich: Die Zahnärztin verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand.

Regine Förster mag kein großes Aufsehen um die Schließung ihrer Praxis machen. Viele ihrer Patienten indes haben in den letzten Tagen der SZ und sächsische.de mitgeteilt, dass sie es schade finden. Viele von ihnen waren jahrelang in der Betreuung von Regine Förster, erhielten Hilfe, Schmerzbehandlung. Und ebenso viele machen sich Sorgen, dass die zahnärztliche Versorgung in und um Großenhain nun gefährdet sei.

Nein, sagt dazu die Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen (KZV). "Die zahnärztliche Versorgung in der Region Großenhain stellt sich momentan, auch nach der Schließung der Praxis von Frau Förster, noch sehr gut dar", so Sprecherin Beate Riehme auf Anfrage der SZ. Großenhain habe zurzeit rund 18.200 Einwohner, und nach Beendigung der Tätigkeit von Regine Förster stünden 13 Zahnärzte für deren Versorgung zur Verfügung. Zudem gebe es in Großenhain einen zugelassenen Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen mit zwei angestellten Zahnärzten. "Dies entspricht einem Versorgungsgrad von 148 Prozent", so Beate Riehme.

In überversorgten Bereichen hat die Kassenzahnärztliche Vereinigung nach ihrem Dafürhalten bei Praxisschließungen weder eine Verpflichtung noch die Möglichkeit, aktiv einzugreifen. Die vertragszahnärztliche Versorgung werde in Deutschland über niedergelassene Zahnärzte in freiberuflicher Tätigkeit realisiert. "Uns als Körperschaft stehen hier keine Handlungsspielräume bzw. Lenkungsmechanismen zur Verfügung", erklärt die Sprecherin.

Allerdings räumt sie ein, dass für die künftige Entwicklung in der Region beachtet werden muss, dass die Altersstruktur der Behandler ziemlich hoch ist. "Sechs Zahnärzte sind über 60 Jahre alt und werden innerhalb der nächsten zehn Jahre vermutlich aus Altersgründen die Tätigkeit beenden", so Beate Riehme. Assistenten, die eine Praxis übernehmen könnten, würden derzeit in den Praxen in Großenhain nicht ausgebildet.

Neben der Altersstruktur seien für eine zukünftige flächendeckende zahnärztliche Patientenversorgung viele weitere Faktoren ausschlaggebend. Erschwert würden die Bedingungen für Gründer bzw. Übernehmer einer Einzelpraxis "durch die politisch initiierten veränderten Rahmenbedingungen". Große zentrierte Praxisstrukturen würden vom Gesetzgeber befördert und fänden sich insbesondere in den Städten Dresden und Leipzig. "Die verfügbaren Zahnärzte werden dort in Anstellung beschäftigt und stehen damit für die Patientenversorgung in der Fläche und insbesondere im ländlichen Raum nicht zur Verfügung", kommentiert die Sprecherin die Entwicklung.

Für eine erfolgreiche Praxisnachfolge sei es auch bedeutsam, wie engagiert hier alle Institutionen vorgehen und wie attraktiv der Praxisstandort für einen jungen Zahnarzt sei: Das beginne bei Bemühungen der Rechtsnachfolger des Praxisinhabers, gehe über die Ausstattung der vorhandenen Praxis bis hin zur Infrastruktur vor Ort, welche von der regionalen Politik gestaltet und verantwortet wird.