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Die Bundestagswahl zieht in Großenhain immer

Wahlleiter Silvio Ihle steht mit seinem 132-köpfigen Team bereits in den Startlöchern. Und verzeichnet ein so noch nie da gewesenes Interesse an der Briefwahl.

Gut vorbereitet: Großenhains Wahlleiter Silvio Ihle (stehend) schult hier die Wahlhelfer Lisa Apitz , Annika Winkler, Anke Brekow, Alexander Erke und Annett Purl.
Gut vorbereitet: Großenhains Wahlleiter Silvio Ihle (stehend) schult hier die Wahlhelfer Lisa Apitz , Annika Winkler, Anke Brekow, Alexander Erke und Annett Purl. © Kristin Richter

Großenhain. Silvio Ihle kann sie alle aufzählen. Helmut Kohl, Gerhard Schröder und all die Kandidaten, welche in den vergangenen Jahren das politische Rennen auf dem Stimmzettel gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgenommen haben. Immerhin: Seit Oktober 1994 tut der inzwischen 50-Jährige das, was eine Wahl jeglicher Art erst möglich macht, zunächst in der hinteren Reihe Seite an Seite mit Karla Thiel und seit 2019 an vorderster Front. Vorbereiten, Protokollieren, Auswerten - kurzum, die Fäden zusammenhalten, die es für derlei demokratischen Akt braucht.

Einer, der mit der nahenden Bundestagswahl am 26. September nicht der erste ist und keineswegs eines besonderen Herzklopfens bedarf. Abgesehen von der Routine und der professionellen Herangehensweise, die sich bei Silvio Ihle und seinem 132-köpfigen Team im Laufe der Wahljahre eingestellt hat, sei man schließlich unter den besonderen Corona-Bedingungen bereits am Start gewesen. Als im vergangenen Jahr die Bewohner des Großenhainer Landes zur Wahl für den neuen Meißner Landrat aufgerufen waren, habe man dies wesentlich aufgeregter begleitet als jetzt. "Damals gab es ja noch keine Impfung und die Situation an sich mit all den Hygienemaßnahmen war noch völlig neu", gibt Silvio Ihle zu bedenken.

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Wie er betont, sei eine Bundestagswahl ohnehin nicht etwa die Königsdisziplin der Organisation. Viel mehr Aufwand gebe es hingegen mit einer kommunalen Wahl, bei der in den insgesamt 18 Wahllokalen zuweilen nicht nur über das Stadtoberhaupt, sondern auch den Stadtrat und die immerhin zwölf Ortschaftsräte entschieden werde. Da dürften schon mal - im kommenden Jahr wird wieder ein Oberbürgermeister gewählt - bei allen Wahlhelfern im Vorfeld die Alarmglocken leise klingeln.

Auch für diesen Sonntag wären die 22 Wahlvorstände nicht zuletzt dank einer aufgefrischten Schulung gut gerüstet. Dass allein vier davon der Briefwahl zugeordnet sind, habe sich schon jetzt als ausgezeichnete Entscheidung erwiesen. "Wir haben am 16. August mit der Versendung der Wahlunterlagen begonnen und bekommen seitdem jeden Tag Hunderte von Anträgen auf Briefwahl", verrät Silvio Ihle. Von den insgesamt gut 15.000 Wahlberechtigten in Großenhain und den Ortsteilen seien bis zum Dienstagmorgen 3.052 Anträge eingegangen. Auch wenn noch bis zum Freitag um 18 Uhr die Beantragung der Briefwahlunterlagen und die Stimmabgabe dann bis Sonntag, 18 Uhr, möglich sind, stehe bereits jetzt fest, dass der bisherige Rekord gebrochen worden ist. "Bei der Bundestagswahl 2017 lag die Wahlbeteiligung letztlich auch bei 73 Prozent, sie zieht in Großenhain immer. Damals gaben 2.171 Großenhainer ihr Votum per Briefwahl ab", weiß Silvio Ihle.

Eine Möglichkeit, die nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie momentan gern genutzt werde. Jedoch müsse niemand Angst haben, keinen Zutritt zu einem der aufs ganze Stadtgebiet verteilten Wahllokale - barrierefrei sind neuerdings auch die in der Grundschule Franz-Schubert-Allee, der ersten Oberschule am Kupferberg und im Jugendclub Skäßchen - zu haben. Selbst wer in der Eile des Aufbruchs seine eigene Maske, ohne die es tatsächlich nicht in die Wahlkabine gehen dürfe, vergessen habe, bekäme eine bereitgestellt. Schön wäre zudem ein eigener Stift. Darüber hinaus seien Desinfektionsmittel verfügbar, damit sich jede Person vor dem Betreten des Wahllokals die Hände desinfizieren könne. Regelmäßiges Lüften und Desinfizieren der Oberflächen wären natürlich auch in die Abläufe mit eingeplant. "Abgesehen davon, dass wir natürlich wie überall die erforderlichen Abstände zwischen den Wartenden einhalten müssen, gibt es keine weiteren Anordnungen. Auch Kontakte müssen nach dem jetzigen Stand der Dinge nicht erfasst werden", erklärt Silvio Ihle.

Großenhains Wahlleiter macht keinen Hehl daraus, dass der Mehraufwand sich für die diesjährige Wahl in Grenzen halte. Mit gut tausend Euro für beispielsweise Desinfektionsmittel und Masken zu Buche schlagend - diese erstatte der Bund - und dem einen oder anderen wachsamen Blick mehr, sei der Ablauf am Sonntag sicherlich gut zu meistern. Wann letztlich feststehe, von wem sich die Röderstädter in den nächsten vier Jahren im Bundestag gut vertreten fühlen und wer künftig Deutschland als Kanzlerin oder Kanzler führen solle, kann Silvio Ihle freilich noch nicht sagen. Ausgezählt werde so lange, bis Soll und Haben übereinstimmen. Und das könne manchmal doch ein wenig dauern.

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