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Irgendwann ist Schluss mit lustig

Wer das Fahren ohne Führerschein als Sport betrachtet, landet am Ende im Gefängnis.

Autofahren ohne Führerschein ist kein Kavaliersdelikt. Das bekam nun auch ein Wülknitzer zu spüren.
Autofahren ohne Führerschein ist kein Kavaliersdelikt. Das bekam nun auch ein Wülknitzer zu spüren. © Symbolfoto: dpa/Peter Steffen

Landkreis. Wenn der Richter einem Angeklagten eindringlich ins Gewissen redet, sollte Letzterer die Ermahnung beherzigen. Manchmal gibt es ein Wiedersehen, und dann ist Justitia mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr so milde gestimmt. Diese Erfahrung muss ein Wülknitzer machen, der wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein auf der Anklagebank des Riesaer Amtsgerichts sitzt.

Der 42-Jährige hatte die Fahrerlaubnis abgeben müssen, weil sein Punktekonto in Flensburg überquoll. Die meisten davon hatte Dirk M. sich wegen notorisch überhöhter Geschwindigkeit eingehandelt. Aber auch ohne Führerschein saß er weiter unverdrossen hinterm Lenkrad und raste weiter, wobei er mehrfach erwischt wurde.

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Im Sommer 2019 wurde er deshalb schon einmal angeklagt, kam aber mit einer Bewährungsstrafe davon. Richterin Ingeborg Schäfer hatte damals extra die Mutter und den Bruder des Angeklagten einbestellt, mit deren Autos Dirk M. unterwegs gewesen war. Sie hatte beide ermahnt, solche Gesetzesverstöße nicht mehr zu begünstigen. Und sie hatte den Delinquenten deutlich gemacht, dass seine nächste Fahrt durchaus hinter die Mauern einer Justizvollzugsanstalt führen könnte.

Dennoch wurde Dirk M. wieder geblitzt. Diesmal im Opel eines ortsansässigen Handwerkers. Dieser sagt im Zeugenstand aus, er habe dem Angeklagten das Auto zur Reparatur gebracht. Das ist nicht ganz unwahrscheinlich, betrieb Dirk M. doch früher mal eine eigene Werkstatt. Wie sich herausstellt, konnte er aber acht Monate lang über das Auto verfügen. Angeblich, weil er nicht imstande war, den Defekt zu beheben.

Aber weil die Sachlage ja klar ist, hinterfragt das Gericht die Zeugenaussage nicht weiter. Es verurteilt den Wülknitzer zu vier Monaten Freiheitsentzug ohne Bewährung. Sie schicke nicht gern jemanden wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis ins Gefängnis, sagt Richterin Schäfer in der Urteilsbegründung. Aber dieser Fall sei über Jahre hinweg notorisch; der Angeklagte nehme die Sache einfach nicht ernst. Deshalb wird der Delinquent nun eine Zeit lang dort verbringen müssen, wo er garantiert nicht mehr auf einem Fahrersitz Platz nehmen kann.

Dass Fahren ohne Führerschein eine gewisse Suchtwirkung haben kann, zeigt ein anderer Fall, der am gleichen Tage verhandelt wird. Auch hier war der Angeklagte über Jahre hinweg illegal im Auto unterwegs, nachdem er die „Fleppen“ wegen des Fahrens unter Drogen eingebüßt hatte. Der 36-jährige Halberstädter wollte ganz clever sein und besorgte sich nach dem Fahrerlaubnisentzug einen polnischen Führerschein. Der hat natürlich, wenn man in Deutschland lebt, keine Gültigkeit. Schon gar nicht, wenn hier wegen mehrerer Verkehrsdelikte noch Sanktionen in Kraft sind.

Dennoch war der Werkstoffprüfer mit einem Firmenauto unterwegs und wurde auf der B 169 in Riesa geblitzt. Er sei auf dem Weg von einer Arbeitsstelle in Nünchritz nach Leipzig unterwegs gewesen, gesteht er ein. Als er damit konfrontiert wird, dass er überhaupt nicht am Lenkrad sitzen darf, stellt er sich erst einmal dumm und verweist auf das polnische Dokument. Dann will er den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft nicht richtig gelesen haben. Aber auch das zieht vor Gericht nicht wirklich. Immerhin kommt der Delinquent noch einmal mit einer Geldstrafe davon – 1.600 Euro sollen in diesem Fall Denkanstoß genug sein.

Ein Suchtdelikt im wahrsten Sinne des Wortes scheint das Fahrradfahren unter Alkoholeinfluss zu sein. Die Promillegrenze für Radler liegt in Deutschland bei 1,6. Wenn man sie überschreitet, kann es richtig Ärger geben. „Ich habe schon Leute ins Gefängnis gesteckt, die ständig besoffen mit dem Fahrrad unterwegs waren“, ermahnt Richterin Ingeborg Schäfer einen Gröditzer, der einer Polizeistreife in straßenübergreifenden Schlängellinien entgegen kam. Der 40-Jährige hatte 2,18 Promille auf der Lampe. Und er wurde schon etliche Male angetrunken auf dem Fahrrad erwischt. Dennoch lässt das Gericht – auch wegen einer leichten geistigen Behinderung des Alkoholsünders – noch einmal Milde walten. Er wird mit 650 Euro zur Kasse gebeten.

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