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Junge Leute in Rostig suchen ein Domizil

Ein ausrangierter Bauwagen könnte schon bald eine neue Bestimmung finden. Raimo Siegert von der Mobilen Jugendarbeit freut sich.

Raimo Siegert von der Mobilen Jugendarbeit Großenhain & Priestewitz will den Rostigern mit Rat und Tat helfen.
Raimo Siegert von der Mobilen Jugendarbeit Großenhain & Priestewitz will den Rostigern mit Rat und Tat helfen. © Manfred Müller

Großenhain. Ein kleines Zelt am Dorfrand neben dem Sportplatz. Zehn junge, entschlossene und erwartungsfrohe Leute zwischen zwölf und 21 Jahren aus Rostig und Umgebung treffen sich an einem frischen Sonnabendnachmittag. Wind und Temperaturen, die sie bei ihren Treffs gewöhnt sind. Denn der Pavillon steht sonst nicht hier, den hat Raimo Siegert mitgebracht. Er ist zuständig für die Mobile Jugendarbeit Großenhain & Priestewitz. Die jungen Leute haben ein hehres Ziel: "Wir wollen einen Jugendtreff hier in Rostig", sagt Leon Greulich (21). Ein neues Projekt in der Großenhainer Jugendbeteiligung.

Im Januar haben sich die jungen Leute mit ihrem Anliegen an den Ortschaftsrat und ans Rathaus gewandt und stoßen bei Raimo Siegert seitdem auf offene Ohren. "Hier gibt es eine Jugendgruppe, die ein Anliegen hat. Das ist wunderbar", sagt er. Denn Projekte, die von Jugendlichen selbst kommen, seien doch das Beste, was passieren könne. "Sie müssen das Gefühl bekommen, dass sie gehört werden und etwas erreichen können", fügt er hinzu.

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Das Problem ist hausgemacht. Die rund 20 Mitstreiter wollen sich abends mal treffen - auch in Corona-Zeiten. Aber: Da ist es oft empfindlich kalt. Andere Jugendeinrichtungen der Stadt schließen zeitig. "Wir würden aber gern auch mal etwas länger quatschen und wollen nicht so weit fahren", macht Leon Greulich klar. Deshalb also ein Jugendtreff in Rostig. Nicht pompös, sondern angemessen. Favorisiert wird momentan ein Bauwagen, den sich die jungen Leute selbst herrichten möchten. Der Wagen wurde früher vom Stadtbauhof genutzt und ist grundsätzlich nutzbar. "Innenbaumäßig müsste natürlich Einiges getan werden", so Raimo Siegert. Elektrik und Dämmung stehen da in der ersten Phase ganz oben auf der Tagesordnung. Unter den Jugendlichen gebe es da Einige, die dank ihrer Ausbildung mitarbeiten könnten. Für andere Arbeiten müsse Fachpersonal hinzugezogen werden.

Doch soweit ist es dann doch noch nicht. Denn vor den Jugendtreff hat der Gesetzgeber eine Hürde aufgestellt. Das Vereinsrecht zum Beispiel. Raimo Siegert: "Wir wollen die Leute nicht mit juristischen Dingen überfordern." Denn eine Vereinsgründung zieht viel Papierarbeit nach sich. Und deshalb hat es nun ein erstes Gespräch mit dem Ortsverein Edelweiß Weßnitz gegeben, um die Jugendgruppe eventuell unter dessen Vereins-Dach aufzunehmen. "Es gab eine wohlwollende Reaktion", so Raimo Siegert. Auch im Ortschaftsrat Weßnitz-Rostig wurde das Projekt bereits vorgestellt, und auch der habe sich "offen" gezeigt. Was später daraus wird, wird sich zeigen.

Für 2021 besteht nun das Nahziel, die Nutzbarkeit des Bauwagens herzustellen. Das wird nicht ohne Geld passieren können. Raimo Siegert rechnet mit einem "guten vierstelligen Betrag" und ist mit den Jugendlichen bereits dabei, Kostenangebote für nötige Arbeiten einzuholen, um Förderanträge formulieren zu können. Kreisjugendamt, die Stadtverwaltung und der Dresdner Heidebogen sind potenzielle Adressaten dafür. Die Rostiger Jugendlichen wollen überdies "in die Spur" gehen, um eventuelle Sponsoren für ihr Vorhaben zu begeistern. Einer ist schon an Bord.

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Aus Sicht von Raimo Siegert ist das Rostiger Projekt "klassische Mobile Jugendarbeit". Acht Einrichtungen betreut er, alle seien selbstverwaltet. "Das gibt es nur in Großenhain", hat der studierte Diplom-Sozialpädagoge ausgemacht. Damit das funktioniert, brauche man die Eigenverantwortlichkeit der Jugendlichen. "Und einen langen Atem", fügt er hinzu.

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