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Kleidercontainer werden zur Müllhalde

Obwohl der Entsorger Remondis die Einwurfschlitze gesperrt hat, werden in Großenhain fleißig Säcke davor abgestellt. Ein Problem, was andere ausbaden.

Obgleich große Absperrbänder darauf hinweisen: Auch am Standort Topfmarkt in Großenhain legen Unbelehrbare immer wieder Beutel in den Kleidercontainer des Entsorgers Remondis.
Obgleich große Absperrbänder darauf hinweisen: Auch am Standort Topfmarkt in Großenhain legen Unbelehrbare immer wieder Beutel in den Kleidercontainer des Entsorgers Remondis. © Kristin Richter

Großenhain. Ist es Dummheit oder sind die Leute nur faul, dreist oder vielleicht manchmal sogar alles in einem? Die Röderstädter Rentnerin, welche sich gleich am Montagmorgen auf den Weg zur Sächsischen Zeitung gemacht hat, kann ihren Zorn kaum zurückhalten. "Ich kann einfach nicht nachvollziehen, dass es sich die Menschen in diesen Zeiten auch noch gegenseitig schwerer machen müssen, als eigentlich notwendig! Jeder Großenhainer, der lesen kann, wird doch wohl verstehen, weshalb zurzeit keine Altkleider in die Kleidercontainer von Remondis geworfen werden können", schimpft die pensionierte Lehrerin und schüttelt den Kopf.

Seit Wochen beobachte sie, wie sich immer wieder Taschen und prall gefüllte Tüten beispielsweise am Topfmarkt stapeln. Nach ein paar Tagen seien diese dann auch wieder verschwunden. "Aber wohl nicht abgeholt von denjenigen, die doch mit einem Schild und dem roten Absperrband ausdrücklich darauf hinweisen, dass eine Sammlung wegen Corona nicht möglich ist", vermutet die 72-Jährige.

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Und: die aufgebrachte Frau hat recht damit. Bereits seit Anfang Juli ist es nicht mehr möglich, aussortierte Kleidung in die von Remondis dafür aufgestellten Container zu werfen. Ein bewusstes Vorgehen des Entsorgungsunternehmens mit Sitz in Quersa, welches mit unübersehbaren Bändern die Einwurfschlitze der Behälter rund um Großenhain und in der Region Riesa gesperrt hatte. Durch die Corona-Krise, so die Quersaer Betriebsleiterin Stephanie Wohmann, habe sich der Markt für Altkleider extrem verschlechtert. Das Unternehmen habe für all die Spenden, die sich letztlich an insgesamt 150 Standorten ansammeln, momentan keinerlei Möglichkeiten der weiteren Verwertung mehr. "Seit dem Frühjahr sind die Container immer übervoll gewesen und wir haben versucht, dem verstärkten Ansturm nachzukommen! Aber dann mussten wir eine Entscheidung treffen, da die Kapazitäten unserer Vertragspartner erschöpft sind", bat Stephanie Wohmann in der SZ um Verständnis. 

Nach wie vor Kleiderspenden entgegen nimmt die Humana GmbH aus Hoppegarten. Aufgrund des größeren Aufkommens präsentiert sich der Container auf der Großenhainer Auenstraße zugemüllt.
Nach wie vor Kleiderspenden entgegen nimmt die Humana GmbH aus Hoppegarten. Aufgrund des größeren Aufkommens präsentiert sich der Container auf der Großenhainer Auenstraße zugemüllt. © Foto: Kristin Richter

Ein Gespräch, in welchem die Betriebsleiterin damals noch die Hoffnung ausdrückte, dass man möglichst schnell wieder zur regulären Abholung aller 14 Tage zurückkehren könne. Nun - gut zwei Monate später - schaut die Sache keineswegs besser aus. Während die Humana Kleidersammlung GmbH aus Hoppegarten offenkundig noch Spenden entgegennimmt, die nach eigenem Bekunden aufgrund der Pandemie allerdings nicht immer in der gewohnten Schnelligkeit abgeholt werden könnten, ist bei Remondis alles beim Alten. Versiegelt sind die Container, vor denen sich allen Verboten zum Trotz zuweilen Berge von Kleidung, aber auch Müll türmen. Denn traurig, aber wahr: Gut 30 Prozent der scheinbar aussortierten Hosen, Pullover oder Schuhe entpuppen sich bei der Kontrolle auf dem Quersaer Betriebshof auch in coronafreien Zeiten ohnehin als teilweise stinkender Restmüll.

Gleich nun, um welche an den Containern abgelegten Abfälle es sich jetzt aber handelt: Abtransportiert werden müssen sie in jedem Fall. Und würden sie auch, wie Diana Schulze versichert. Wären am Anfang noch größere Ansammlungen beräumt worden, habe sich das leidige Thema indes langsam eingespielt. "Hinweise erhält der Bauhof von Großenhainern und dem städtischen Vollzugsdienst. Häufig beräumen die Kollegen vom Bauhof dann gleich auf ihren Kontrollfahrten solche Ansammlungen", verrät die Rathaussprecherin. Auch fielen glücklicherweise keine zusätzlichen Entsorgungskosten an, da die Sachen über den vom Landratsamt beziehungsweise dem Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) zur Verfügung gestellten Container auf dem Bauhof entsorgt werden könnten.

Ein Freibrief zum schonungslosen Ausmisten und anschließendem Abstellen am Container sei derlei Verfahrensweise freilich nicht. Laut städtischer Polizeiverordnung, Paragraph 13, wäre es unter anderem untersagt,  Abfälle, Wertstoffe oder andere Gegenstände auf oder neben die Wertstoffcontainer zu stellen. Wer dagegen verstoße, könne mit einem Verwarngeld von 35 Euro bestraft werden.

Eine Zahlung, die möglicherweise jenen erzieherischen Effekt auslöse, den sich die aufgebrachte Pädagogin in Rente am Montagmorgen so sehr wünscht. "Wenn diejenigen den ganzen Krempel, der von ihnen achtlos abgelegt wird, selbst wieder wegräumen müssten, würden sie sich das bestimmt dreimal überlegen!"   

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