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Landwirt fordert Augenmaß bei Solarparks

Andreas Kupke aus Wildenhain hat nichts gegen alternative Energie. Doch die Pläne in Größenordnungen wie für Nasseböhla machen ihm Sorgen.

Wie groß sollten Solaranlagen sein? In Großenhain soll das entsprechende Leitbild überarbeitet werden. Landwirte wollen da einbezogen werden - schließlich geht es um ihre Zukunft.
Wie groß sollten Solaranlagen sein? In Großenhain soll das entsprechende Leitbild überarbeitet werden. Landwirte wollen da einbezogen werden - schließlich geht es um ihre Zukunft. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Acht Jahre ist es her, dass sich die Stadt eine Leitlinie in Bezug auf die Ansiedlung großflächiger Freilandfotovoltaikanlagen gab. Jetzt soll sie überarbeitet werden. Doch die Auffassungen dazu sind offenbar sehr differenziert. Im Stadtrat Mitte März konnte man sich noch nicht einmal prinzipiell auf die Überarbeitung einigen.

Dass am gleichen Tag die Kronos Solar aus München ihr geplantes Vorhaben für eine riesige Solaranlage nahe Nasseböhla/Walda vorstellte, trug dazu offenbar seinen Teil bei. Auf 90 Hektar derzeitigem Ackerland will das Unternehmen Fotovoltaikanlagen installieren. Bisher vorrangig von der Agrargenossenschaft Bauda eG und gut 15 weiteren Eigentümern intensiv genutztes Land. Praktisch gebe es die Bereitschaft aller Landeigentümer, das Vorhaben zu unterstützen, hieß es in der Präsentation von Kronos Solar.

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Andreas Kupke ist skeptisch. Der Wildenhainer ist privater Landwirt im Haupterwerb und von dem Projekt "zwar weniger betroffen". Doch der 36-Jährige macht aus seinen Bedenken kein Geheimnis. Wenn das so genehmigt werde, mache er sich große Sorgen, dass weitere und eventuell noch größere landwirtschaftliche Flächen der Solarenergie zum Opfer fallen. "Ich habe nichts gegen Erneuerbare Energie", sagt Andreas Kupke. Und wenn es bei diesem einen Solarpark bleiben würde, sei das sicherlich in Ordnung. Doch er fürchtet, dass die Landwirtschaft darunter leiden würde. Zudem fehle es ihm bisher an einer ausreichenden Prüfung der Notwendigkeit solch großer Solarparks.

Die von ihm bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen befinden sich überwiegend auf Wildenhainer Flur. Mit der Produktion von Getreide und Hülsenfrüchten verdient er sein Geld. "Ich bin 36 und mache sehr gern Landwirtschaft", sagt er. Dass die Kronos Solar für ihr Vorhaben unter anderem als Beweggrund vergleichsweise schlechte Bodenwerte anführt, kann er nicht nachvollziehen. "So schlecht ist das Land nicht", ist sich der Landwirt sicher. Auch wenn es unter den geplanten 90 Hektar sicherlich Einzelflächen gebe, die landwirtschaftlich nicht zu bewirtschaften sind. Dennoch: Andere Areale, beispielsweise auf der "Flugplatzseite" der B 101 seien sicherlich besser für Fotovoltaikanlagen geeignet.

Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach war schon in der Stadtratssitzung und auch wenige Wochen danach eher zurückhaltend zu den Plänen nahe Nasseböhla. Er könne durchaus nachvollziehen, dass die dortigen Landwirte, die angesichts der heißen Sommer mit trockenen Böden und niedrigen Erträgen kämpfen müssen, mit der Abgabe ihrer Flächen auf eine dauerhafte Einnahmequelle hoffen. Doch Mißbach gibt auch zu bedenken, welche Einschnitte solch riesengroße Anlagen auf das Landschaftsbild haben würden.

Bevor Entscheidungen fallen, sind eh noch sehr viele Hürden zu nehmen. Auch Andreas Kupke aus Wildenhain ist dafür, die erwähnte Leitlinie zu überarbeiten. Aber das sollte so geschehen, dass die Landwirte der Region mit ihren Anliegen berücksichtigt werden.

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