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"Lehrer werden in der Praxis gemacht"

Thomas Jacobi ist seit August Leiter der Förderschule auf dem Großenhainer Remonteplatz. Mit Ansprüchen, Hoffnungen und Visionen.

Thomas Jacobi ist seit August Leiter der Großenhainer Förderschule auf dem Remonteplatz.
Thomas Jacobi ist seit August Leiter der Großenhainer Förderschule auf dem Remonteplatz. © Kristin Richter

Großenhain. Das Gefühl, dass alles noch immer ein bisschen nach frischer Farbe riecht, wird man beim Betreten der Großenhainer Förderschule (L) auf dem Remonteplatz nicht los. Auch oder gerade nicht, weil Herbstferien sind. Scheinbar. Doch der Schulleiter ist im Hause. Thomas Jacobi sitzt in seinem Zimmer, der Laptop ist eingeschaltet. "In den Ferien wird doch der Grundstein für das Schulleben gelegt", verteidigt er seine Anwesenheit. 

Seit 1. August ist er Schulleiter hier, konnte kurz darauf das umfassend sanierte Haus auch für die Schüler eröffnen. "Die Schüler sind angekommen. Alle sind sehr angetan, auch wenn noch ein paar Restarbeiten zu erledigen sind", sagt Thomas Jacobi. Nach den Oktoberferien, so sein Wunsch, werde dann der "Wohlfühleffekt" endgültig erreicht.

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Mit 37 Jahren ist der gebürtige Dresdner in sein neues Amt gekommen - und damit bis auf zwei Referendare der Jüngste in der Lehrerschaft der Förderschule. Allerdings nicht ohne Erfahrung. Seit 2016 ist er Lehrer in der Einrichtung, hat nach seinem 1. Staatsexamen einen kurzen Abstecher als Personalreferent in die freie Wirtschaft gemacht und sich dann nach dem Vorbereitungsdienst an einem Dresdner Gymnasium für den Weg zum Lehrer in der Förderschule entschieden. Dass er sich in Großenhain bewarb, war ein logischer Schritt - denn seine Frau stammt aus der Region. In den letzten beiden Jahren schnupperte er dann schon einmal Luft als Führungskraft und wurde zum stellvertretenden Schulleiter berufen.

"Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Kollegen ein Problem mit mir als jungem Chef haben", sagt Thomas Jacobi. Hinzu sei gekommen, dass seine Vorgängerin Annelie Huntke ihn sehr unterstützt und aufgebaut habe. "Wir haben einen relativ guten Start hinbekommen", resümiert er die ersten Wochen. Und das unter keinesfalls optimalen Bedingungen. Denn auch seine Stellvertreterin Gaby Friese ist neu ins Amt gekommen. Erschwerend hinzu kam eine länger andauernde Erkrankung der Schulsekretärin. "Sowas ist gerade zum Schuljahresbeginn problematisch", sagt Thomas Jacobi.

Personelle Engpässe sind für den Schulleiter indes nicht neu. Zwar habe sich die Lehrermangel-Situation im Vergleich zu vergangenen Schuljahr leicht entspannt. Dafür aber seien die zwölf Klassen der Förderschule, insbesondere in den Klassenstufen 3 und 4, ziemlich stark belegt. Und Anlass zum Zurücklehnen sei die Situation sowieso nicht. Zwar gebe es Seiteneinsteiger und Abordnungen aus anderen Schulen, doch für den Bereich der Sonderpädagogik bedürfe es dabei sehr viel Sensibilität. "Ein Lehrer wird in der Praxis gemacht", so das Credo von Thomas Jacobi.

Als Fußball-Schiedsrichter hat es Thomas Jacobi bis in die Junioren-Bundesliga geschafft. Eine ganze Weile ist er zwar schon raus aus dem "Geschäft". Doch entgangen ist ihm nicht, dass sogar dort inzwischen längst der digitale Spielbericht Einzug gehalten hat. Ein Thema, das den 37-Jährigen natürlich beruflich nicht loslässt. 

Coronabedingt ist im Frühjahr auch an der Großenhainer Förderschule Homeschooling für Lehrer, Kinder und nicht zuletzt Eltern zu einem unverzichtbaren Bestandteil geworden. "Das war und ist in unserer Schulform nicht so einfach wie in Regelschulen", so Thomas Jacobi. Denn nicht jeder Haushalt verfüge über die nötigen technischen Voraussetzungen, nicht selten gibt es gar keinen Internetzugang. Im Frühjahr habe die Förderschule den "Unterricht" zunächst über die Homepage oder eine "Pendelbox" versucht, zu organisieren. 

Mit letzterer wurden Aufgaben schriftlich hinterlegt und konnten abgeholt werden. Was dem Schulleiter aber vor allem am Herzen lag und liegt, ist der Rücklauf, ob diese Form bei den Schülern auch einen Lernfortschritt bringt. So oder so: Der Anspruch ist, jedem Schüler ein Bildungsangebot zu machen. Die abzusehende Ausstattung der Schule stimmt zumindest optimistisch. 

Mit der Sanierung wurden Voraussetzungen geschaffen, über den Digitalpakt für die Schulen entsprechende Rechnertechnik und Tafeln in Betrieb zu nehmen. Vier solcher Digitaltafeln werden im Dezember 2020 in den Fachräumen installiert. Und auch, wenn es zunächst nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, freut sich Thomas Jacobi, dass über ein Förderprogramm auch 18 Leih-Rechner für das Homeschooling für die Schüler ins Haus kommen.

"Für mich die Kommunikation auf Augenhöhe wichtig", sagt der Schulleiter. Er zählt Partner auf, die dazu nötig sind: Ämter, Behörden, soziale Einrichtungen. Und die Eltern seiner Schüler. Denn alle würden gefragt und gebraucht werden, sollte es zu einem neuen Lockdown in Sachsen und damit auch den Bildungseinrichtungen kommen.

Und als Schulleiter hat Thomas Jacobi neben der Digitalisierung weitere Wünsche. Der Spielplatz im Innenhof müsse unbedingt erneuert werden. Schüler der Klassen eins bis vier und Hortkinder brauchen ihn, sagt er. Mit dem Großenhainer Rathaus gebe es auch dazu gute Gespräche. Und weil Thomas Jacobi als Schiedsrichter immer ein entscheidendes Wort hatte, wird er sich wohl auch hier Gehör verschaffen.

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