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PLUS Großenhain

Visionen für mindestens zehn Jahre

Der Großenhainer Stadtrat hat ein Leitbild bis 2030 gebilligt. Es ist kein Maßnahmenkatalog, doch manche Projekte lassen aufhorchen.

Zukunftsweisend, generationsübergreifend waren auch in der Vergangenheit schon viele Projekte in Großenhain - erst jüngst wurde der umgestaltete Spielplatz "Faunhöhe" neu eröffnet. Mit dem Leitbild hat sich die Stadt jetzt langfristige Ziele gestellt
Zukunftsweisend, generationsübergreifend waren auch in der Vergangenheit schon viele Projekte in Großenhain - erst jüngst wurde der umgestaltete Spielplatz "Faunhöhe" neu eröffnet. Mit dem Leitbild hat sich die Stadt jetzt langfristige Ziele gestellt © Norbert Millauer

Großenhain. Es ist vollbracht: Die Röderstadt hat ein beschlossenes Leitbild "Großenhain 2030". Nach gut zweijähriger Vorbereitungs- und Projektphase hat der Stadtrat das 25-seitige Papier jetzt einstimmig gebilligt. Rathaussprecherin Diana Schulze, die sich seitens der Verwaltung maßgeblich in die Erarbeitung und Koordinierung eingebracht hat, freut sich. Mit der Zustimmung der Räte lägen nun die Ergebnisse eines mehr als zweijährigen Prozesses mit intensiver Bürgerbeteiligung und unvorhersehbaren Corona-Erschwernissen vor.

"Das große Plus des Leitbildes besteht meiner Ansicht nach darin, dass es nicht an einem Schreitisch irgendwo in der Verwaltung entstanden ist, sondern die Meinungen, Wünsche und Anregungen ganz vieler Großenhainerinnen und Großenhainer darin gesammelt und damit Bürgerbeteiligung im besten Sinne des Wortes umgesetzt wurden", so Diana Schulze. Die wichtigsten Zukunftsthemen seien deutlich gemacht worden. "Dazu gehören vor allem die Demografie, die Digitalisierung und eine nachhaltige Stadt- und Infrastrukturentwicklung", sagt die Sprecherin. Ein Ergebnis nimmt sie vorweg: "Ohne Frage werden in den kommenden Jahren vor allem der Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel eine noch höhere Priorität bei kommunalen Entscheidungen von uns verlangen."

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Zehn Handlungsfelder sind im Leitbild beleuchtet worden. In den Expertengesprächen, Ideenwerkstätten und Workshops waren dazu Stärken und Schwächen der Stadt benannt und daraus Schwerpunkte, Wege und Ziele entwickelt worden. Weit mehr als 1.000 Großenhainer - aus der Kernstadt wie auch den Ortsteilen - nahmen die Gelegenheit zur Beteiligung wahr. Und so manches Resultat, das sich nunmehr im Leitbild wiederfindet, überrascht auch ein wenig.

Das Stadtleitbild sei kein Maßnahmenkatalog, so Oberbürgermeister Sven Mißbach. "Es ist vielmehr ein Orientierungsrahmen für die Stadtgesellschaft, die Wirtschaft, die kommunalpolitischen Entscheidungsträger und die Verwaltung für die kommenden zehn Jahre und liefert uns Antworten auf Zukunftsfragen", fügt der Rathauschef im Vorwort hinzu.

Und doch sind schon jetzt einzelne Projekte mit hoher Priorität festgehalten worden. Für den Bereich Bildung und Kultur wird zum Beispiel eine "Großenhain-App" für die jüngere Generation als Pendant zum Amtsblatt angeregt. Unter dem Stichwort "Soziales" stehen die Errichtung einer medizinischen Notfallambulanz, die Absicherung der medizinischen Nahversorgung im ländlichen Raum - zum Beispiel im Alten Schloss Zabeltitz - sowie das Angebot von Telemedizin auf der Wunschliste. Bezüglich Wirtschaft und Gewerbe soll die Kleinteiligkeit erhalten werden, ansässige Unternehmen gestärkt werden. Doch langfristig hoffen die Bürger auch auf eine nachhaltige Entwicklung des Industriegebietes Großenhain-Nord.

Breiten Raum nehmen Projekte für die Innenstadt und den Einzelhandel ein. Ein Thema, das gerade unter dem Eindruck der Corona-Pandemie eine besondere Bedeutung hat. Da steht die Suche nach mehr Möglichkeiten, um den Innenstadteinkauf und Entspannung zu kombinieren. Mehr Werbung für die Stadt, ein neues Parkraumkonzept, ein "Wir-Hier-Gefühl" werden angestrebt. Inklusive der Fortführung von Leerstandsanalyse und -management, die ja schon seit geraumer Zeit von städtischer Wirtschaftsförderung und Citymanager betrieben werden.

Breit ist ebenso die Palette, wenn es um Infrastruktur und Mobilität geht. Eine vereinfachte Verkehrsführung, die Förderung der S-Bahn-Anbindung für Großenhain und Zabeltitz sowie die Schaffung fehlender Radwege zwischen Schulen und Ortsteilen genießen hohe Priorität. Hinsichtlich Umwelt, Natur und Klima wiederum will Großenhain dem Slogan "freundliche Stadt im Grünen" weiterhin gerecht werden - und hat dafür im Leitbild einen umfangreichen Themenkatalog festgezurrt.

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Die mit dem Leitbild beauftragte Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) hat letztlich auch analysiert, ob Großenhain künftig eher "Smart City" oder "Cittaslow" werden kann. Die Antwort darauf fiel in den einzelnen Projektphasen wie erwartet nicht eindeutig aus. Der Stadtrat hat in seinem Beschluss immerhin die Verwaltung beauftragt, eine Bewerbung der Stadt in das europäische Netzwerk der "Cittaslow"-Städte zu prüfen und einen Beitritt anzustreben.

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