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Als Gunter Augsten umgebracht wurde

In der Nacht zum 19. Februar 2009 brannte das Haus des Waldaers ab. Jetzt erst wird das Verfahren am Landgericht Dresden eröffnet.

Musiker Gunter Augsten bei der Produktion von Weihnachts-CDs im Tonstudio des Großenhainer Kunstvereins.
Musiker Gunter Augsten bei der Produktion von Weihnachts-CDs im Tonstudio des Großenhainer Kunstvereins. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Walda. In der Nacht zum 19. Februar 2009 schreckte ein Knall die Waldaer auf. In der Baudaer Straße brannte nach einer Explosion das kommunale Haus, in dem Künstler Gunter Augsten wohnte. Der 49-Jährige war mitten im Feuer, doch zuvor ist er wohl getötet worden. Die Anklage lautet: von David K. (damals 26), einem ehemaligen Heimkind. Die Flammen des Hauses hatten meterhoch geschlagen. Fünf Tage später fanden Spürhunde in den Trümmern die verkohlte Leiche des Malers und Musikers. Die Kripo tappte lange im Dunkeln, suchte mit Flugblättern nach Hinweisen. Sogar eine Belohnung von 5.000 Euro wurde ausgesetzt. Rund 1.000 Personen sind routinemäßig überprüft worden.

Jetzt, kurz nach dem 12. Jahrestag des Verbrechens, wird endlich ein Prozess am Landgericht Dresden gegen David K. geführt. Bereits 2013 lag die Anklageschrift vor, sagt Sprecher Thomas Ziegler. Doch da David K. seit 2010 bereits wegen einer anderen Sache in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht war, war das Verfahren "keine Haftsache" und duldete somit Aufschub. Die Belastung des Landgerichtes, unter anderem durch einen dreijährigen Prozess gegen einen Tschetschenen, sei ebenfalls ausschlaggebend für den Zeitverzug, so der Gerichtssprecher.

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Am 26. Februar wird nun erstmalig auf der Lothringer Straße in Dresden gegen David K. verhandelt. Zwei weitere Termine am 3. und 19. März sind angesetzt. Interessant ist dabei, dass der heute 38-jährige mutmaßliche Täter schon vor zwei Jahren nach einem entlastenden Gutachten aus dem Maßregelvollzug entlassen wurde. "Er lebt seit 1. April 2019 im betreuten Wohnen in Freital", sagt Thomas Ziegler. Das Gutachten haben ihm bescheinigt, dass er nicht mehr gefährlich sei.

Prozessrelevant ist nach Zieglers Aussage auch ein anonymes Schreiben, das der SZ-Redaktion vorliegt. Auf alter Schreibmaschine und mit vielen Fehlern erstellt, behauptet das Schriftstück, dass David K., der sich auch "David IV." nannte, gar nicht der Mörder von Augsten war. "Die Leute sind verunsichert, weil der wirkliche Täter noch unter uns wohnt", behauptet der anonyme Briefschreiber.

Was tatsächlich in der Nacht zum 19. Februar in Walda geschah, wird bei der Verhandlung vorm Landgericht eine Rolle spielen. Interessant dürfte vor allem das Motiv des Täters sein. "David K. behauptete, von Gott den Auftrag erhalten zu haben", sagt Thomas Ziegler. Warum aber hat sich Gunter Augsten nicht wehren können, als er vermutlich von dem gewalttätigen David K. erschlagen wurde?

Der Mordkommission machte die "Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten" zu schaffen. Zwei Gutachten sind schon vor seiner Entlassung aus der Geschlossenen über David K. erstellt worden. Viele, vor allem die Mutter des Opfers, haben schon lange auf die Verurteilung gewartet. In der Psychiatrie saß David K. bereits wegen einer anderen Tat. Er hatte im Januar 2010 drei Zugbegleiter in der S-Bahn mit einem Holztischbein angegriffen und schwer verletzt, weil ihm das Ticket zu teuer erschien. David K. sah sich als "die Hand Gottes", die nur die Aufträge von Gott erfülle.

Der Waldaer Augsten-Brunnen. Gemeinsam mit dem Baudaer Keramiker Gert Mehnert hatte Gunter Augsten ihn gestaltet.
Der Waldaer Augsten-Brunnen. Gemeinsam mit dem Baudaer Keramiker Gert Mehnert hatte Gunter Augsten ihn gestaltet. © Kristin Richter

David K. hatte bei Gunter Augsten Gitarrenunterricht bekommen. Der eigenwillige, freundliche Gunter verdiente sein Geld mit Musik und Zeichnen, im Sommer tingelte er auf Ibiza als Straßenmusikant herum. Er hat den Waldaer Brunnen entworfen und für die Kirchgemeinde viele Auftritte organisiert. Er zeichnete am liebsten Bäume im Waldaer Park und nahm im Großenhainer Kunstverein mit Kindern Musik-CDs auf. Viele seiner Bilder verbrannten in der Feuersbrunst.

Doch warum zündete der Täter nach seiner Tat das Haus an der Röder mit Benzin an? Von Russenbenzin vom Großenhainer Flugplatz ist in dem anonymen Schreiben die Rede. Die Explosion haben die Waldaer mitbekommen. Die ganze Dachkonstruktion des Hauses stürzte bei der Explosion ein. Wände, Möbel, Habseligkeiten - alles Schutt und Asche. Die Brandermittler hatten Zentimeter für Zentimeter die meterhohen Schuttberge durchsieben müssen. Mit Löffeln und Pinseln wurden die Überreste von Gunter Augsten freigelegt.

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Die Fallanalytiker des Landeskriminalamtes hatten den Ermittlern den entscheidenden Tipp zu David K. gegeben. Der S-Bahn-Täter passte genau ins Raster des Profils. Die Ermittler hatten ihn als ehemaliges Waldaer Heimkind schon vorher als möglichen Täter auf ihrer Liste.

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Brandermittler mit Spürhund im Einsatz in der Waldaer Brandruine.
Brandermittler mit Spürhund im Einsatz in der Waldaer Brandruine. © Brühl/Archiv

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