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„Bis Silvester müssen wir durchhalten“

Teichwirt Tilo Groß setzt Ende Dezember zwei Drittel der Karpfenernte ab – und hofft, dass seine Mitarbeiter im Corona-Tohuwabohu gesund bleiben.

Karpfenverkauf mit verschärften Hygieneregeln: Firmenchef Tilo Groß an der Hälteranlage der Schönfelder Teichwirtschaft.
Karpfenverkauf mit verschärften Hygieneregeln: Firmenchef Tilo Groß an der Hälteranlage der Schönfelder Teichwirtschaft. © Manfred Müller

Schönfeld. Es ist weniger der verschärfte Lockdown, der Tilo Groß Sorgen macht. Seine Kundschaft darf ja nach wie vor an den Schönfelder Dammmühlenteich kommen und sich mit Silvesterkarpfen eindecken. Auch die Belieferung von Fischgeschäften und Supermärkten funktioniert. Aber die Corona-Einschläge kommen näher. „Bei uns mussten auch schon Mitarbeiter in häusliche Quarantäne gehen“, erklärt der Teichwirt. Und das sei in der Hauptsaison nur schwer zu verkraften. Besonders am 23. und 30. Dezember wird jede Hand gebraucht. Dann ist an der Dammmühle der Teufel los – bis zu 30 Tonnen Karpfen werden in den letzten zwei Dezemberwochen an den Mann gebracht.

Dieses Jahr muss das unter verschärften Hygienebedingungen passieren. Nur jeweils zwei Kunden dürfen gleichzeitig in den Fischladen der Teichwirtschaft, und das natürlich nur mit Mundschutz. Hinaus geht es durch die Hintertür, und bezahlt wird von draußen durchs Fenster. „Wir haben das schon zweimal geübt“, sagt Tilo Groß, „es müsste eigentlich auch bei stärkerem Andrang funktionieren.“ Er habe schon überlegt, eine zweite Verkaufsstrecke unter freiem Himmel aufzubauen, aber das hänge natürlich vom Wetter ab.

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Immerhin, die Kunden sind der Schönfelder Teichwirtschaft auch in der Corona-Krise treu geblieben. Die Belieferung der Gaststätten ist zwar größtenteils weggefallen, aber die Schönfelder haben den Eindruck, dass die Leute dafür mehr zu Hause kochen. In der Adventszeit gab es einen regelrechten Boom – offenbar nutzten viele Kunden die Gelegenheit, um einfach mal aus ihren vier Wänden herauszukommen. „Ich hoffe nur, dass sie die Karpfen nicht eingefrostet haben und bis Silvester aufheben“, sagt Tilo Groß.

Neben der ausgefallenen Gaststätten-Belieferung gab es Einbußen beim Imbissgeschäft – die Sitzgelegenheiten im Fischladen und im Außenbereich blieben wegen der Corona-Beschränkungen verwaist. Die Schönfelder bieten zwar Fischbrötchen, -gerichte und -suppen zum Mitnehmen an, aber ganz wohl fühlt sich Tilo Groß dabei nicht. Die vielen Styroporbehälter seien nicht gerade das, was er sich unter nachhaltigem Wirtschaften vorstelle. Er habe auch über einen Haus-Lieferservice nachgedacht, sagt der Teichwirt, aber das bekomme er mit seinen zwölf Leuten einfach nicht hin. Im Grunde sei er schon froh, wenn die Pandemie beim Personal keine weiteren Lücken reißt. Im Lebensmitteleinzelhandel gebe es feste Listungen, da müsse man den Fuß drin behalten. „Wer seinen Laden wegen Corona dicht machen muss“, sagt Tilo Groß, „ist draußen.“

Der Ertrag der Schönfelder Teichwirtschaft hat dieses Jahr im Plan gelegen, und auch die Wetterbedingungen waren einigermaßen günstig. Zumindest gab es nicht den katastrophalen Wassermangel wie 2018 und 2019. Der Grundwasserstand ist allerdings nach wie vor niedrig, so dass die Schönfelder Wasser in ihre Hälteranlagen pumpen müssen. Das verursacht zusätzliche Kosten – ein Grund mehr, warum Tilo Groß seine Karpfen bis zum Jahresende weitgehend verkauft haben möchte. Die schuppigen Gesellen sind bereits im Oktober abgefischt worden und haben die vergangenen Wochen Zwischenstation in den von klarem Wasser durchflossenen Hältern gemacht. Dadurch können sie geschmacklich topp an den Mann gebracht werden. Das schlammige Aroma, das man Karpfen oft nachsagt, ist in Schönfeld kein Thema.

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