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Briefe, Bücher, Biedermeier

Wie wird man 84 Jahre alt und bleibt rüstig? Wie wird man wohlhabend, obwohl man arm geboren ist? Ein Typ namens Karl-Benjamin Preusker erzählt.

Rentamtmann und Bibliotheksgründer Karl-Benjamin Preusker (1786 bis 1871) als Büste im Eingang der Großenhainer Bücherei.
Rentamtmann und Bibliotheksgründer Karl-Benjamin Preusker (1786 bis 1871) als Büste im Eingang der Großenhainer Bücherei. © Kristin Richter

Großenhain. Die Stadt, und nicht nur sie, erinnert an den 150. Todestag des berühmten Karl-Benjamin Preusker mit einem Festjahr. Vor 150 Jahren, am 15. April 1871, starb der Rentamtmann und Bibliotheksgründer in Großenhain. In Löbau, wo er geboren wurde, war schon am Todestag an ihn erinnert worden. Naheliegender Weise im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und deren Auswirkung auf das stillgelegte analoge Kulturleben: Die Internetseite Alles-Lausitz.de zitierte Preusker mit der immer noch aktuellen Warnung: „Der National-Wohlstand hängt innigst mit der geistigen und sittlichen Kultur zusammen, und seine Verminderung würde auch auf die letztere wegen Mangel an materiellen Mitteln einen nachtheiligen Einfluss äußern, und zugleich die politische Wichtigkeit des Staates beeinträchtigen.“

Preusker war ein kluger Kopf, wiewohl er aus einfachen Verhältnissen stammte und sich hocharbeiten musste. Bis zu seinem letzten Tag soll der 84-Jährige rüstig gewesen sein. Er ließ sich von seinen Töchtern vorlesen und verfasste Briefe. Den ärztlichen Rat, sich auszuruhen, quittierte er wenige Stunden vor seinem Tod mit der Bemerkung. "Dann ist ja aber dieser Tag verloren!" Auch dieser Ausspruch ist höchst aktuell und reizt zur Auseinandersetzung.

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Genau das will das Jubiläumsjahr "Preusker 2021" erreichen, das das Museum Alte Lateinschule Großenhain ausgerufen hat. Seine Nachlässe, die am Kirchplatz vorhanden sind, sollen öffentlich zugänglich gemacht und seine Welt aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts neu beleuchtet werden. Geistige Frische bis ins hohe Alter und die Anstrengung für materiellen Wohlstand werden sicher eine tragende Rolle spielen.

Die Ausstellung „Preuskers Welt“, die auch den Untertitel "Lerne und wirke!" trägt, begibt sich ab 12. September auf seine Großenhainer Spuren. Ab 1824 arbeitete Preusker in Großenhain als königlich-sächsischer Beamter in der Finanzabteilung der Verwaltung. Es gibt in der geplanten Sonderschau - zusätzlich zum Raum der Dauerausstellung - das biedermeierliche Großenhain mit seinen prägenden Orten und Personen zu entdecken. Archäologische Funde erlauben einen Blick hinter die Kulissen der Stadtschule, dem heutigen Museum Alte Lateinschule.

Hier „erfand“ Preusker 1828 die moderne Stadtbibliothek. Der Tag der Bibliotheken am 24. Oktober erinnert bis heute daran. In einem Digitalisierungsprojekt werden Preuskers Nachlässe im Museum Alte Lateinschule aufgearbeitet und auf der Plattform "Museum Digital" veröffentlicht. Geplant sind außerdem eine Preusker-Lesung sowie Bildungsangebote für Schulen.

Bücher aus dem Anfangsbestand von Preuskers erster deutscher Volksbibliothek von 1832 in der Bücherei.
Bücher aus dem Anfangsbestand von Preuskers erster deutscher Volksbibliothek von 1832 in der Bücherei. © Brühl/Archiv
Die Bibliothekarinnen Kathrin Schäfer (li.) und Anja Hofmann in der Lexikothek mit Timotheus (vorn) und Markus.
Die Bibliothekarinnen Kathrin Schäfer (li.) und Anja Hofmann in der Lexikothek mit Timotheus (vorn) und Markus. © Brühl/Archiv

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Auch die nach ihm benannte Karl-Preusker-Bibliothek möchte mit einem eigenen Programm auf das Erbe Preuskers aufmerksam machen. Am 22. September jährt sich sein Geburtstag zum 235. Mal. Durch die Corona-Maßnahmen haben sich laut Anja Hofmann und Kathrin Schäfer die Vorbereitungen zwar verschoben. Doch eine Förderung der Würdigung sei beantragt. Das Gedenkjahr diene als Auftakt für die Digitalisierung seiner Handschriften aus der Bücherei Großenhain im Landesdigitalisierungs-Programm. Im Herbst werde sich dann alles um den fleißigen Leser und vorbildlich Lernenden drehen. Hoffentlich sind dann auch tatsächlich wieder Lesungen möglich. Der Altbestand von Preuskers Biografie ist immerhin ein reicher Fundus auch als Ratgeberliteratur für heutige Interessenten.

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