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Chauffeur ohne Führerschein

Ein Gröditzer durchbricht eine Polizeikontrolle und kommt nach einer Verfolgungsjagd durch Großenhain vor Gericht trotzdem glimpflich davon.

Daniel R. lieferte sich eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei in Großenhain.
Daniel R. lieferte sich eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei in Großenhain. © Symbolfoto: SZ-Archiv

Großenhain/Riesa. Handschellen, Fußfesseln – wie ein Schwerverbrecher wird Daniel R. von drei Justizbeamten in den Verhandlungssaal des Riesaer Amtsgerichts geführt. Dabei geht es eigentlich nur um kleinere Straftaten: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Beleidigung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Aber der 33-Jährige hat seit Jahren keinen festen Wohnsitz. 

Meist logiert er abwechselnd bei verschiedenen Freunden im Raum Gröditz. Deshalb konnten die Delikte, die fast alle im Jahr 2016 begangenen wurden, auch noch nicht geahndet werden. Seit dieser Zeit liegt ein Haftbefehl des Riesaer Amtsgerichts vor, der erst vor fünf Wochen vollstreckt werden konnte. Seitdem hat Daniel in der Zeithainer Justizvollzugsanstalt eingesessen.

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Der Staatsanwalt verliest gleich drei Anklageschriften mit mehr als einem halben Dutzend Straftaten. Die Schwerste davon spielte sich im Februar 2016 auf der Elsterwerdaer Straße in Großenhain ab. Dort führte die Polizei stadtauswärts eine Geschwindigkeitskontrolle durch, und das Radar zeigte bei dem Auto, das Daniel steuerte, 21 Kilometer pro Stunde zu viel an. 

Ein Beamter stellte sich mit erhobener Haltekelle an den Straßenrand und wollte das Fahrzeug stoppen. Aber Daniel trat aufs Gaspedal und rauschte vorbei. Der Polizist musste sich mit einem Sprung auf den Fußweg retten. Beim Vorbeifahren meinte er, gesehen zu haben, dass der Mann hinterm Steuer ihm zynisch zulächelte.

Die Polizeibeamten vom Großenhainer Revier nahmen sofort die Verfolgung auf. Sie sahen den Renault Clio bei Skaup abbiegen und in Richtung Uebigau düsen. Dort fanden sie das Auto ohne die beiden Insassen. Die Nachsuche führte sie in eine Gartenhütte, wo hinter einer Plastiktonne zwei Füße hervorlugten. Daniels Füße. Wie sich bei der Vernehmung herausstellte, hatte der Gröditzer einen Kumpel von der Arbeit abgeholt.

Das Auto gehörte diesem Bekannten, der wegen einer Trunkenheitsfahrt seinen Führerschein eingebüßt hatte. Deshalb, erklärt Daniel R., habe er des Öfteren zwischen Gröditz und Großenhain den Chauffeur gespielt. Das Dumme dabei: Der junge Mann hat nie selbst eine Fahrerlaubnis besessen.

Versucht habe er es schon, sagt er vor Gericht, sei aber nicht über den theoretischen Unterricht hinausgekommen. Und um das Maß vollzumachen, wurde nach der Verfolgungsjagd auch noch Alkohol- und Drogeneinfluss festgestellt.

Der Vorfall auf der Elsterwerdaer Straße ist auch nicht der Einzige, bei dem Daniel ohne Führerschein von der Polizei erwischt wurde. Nachdem ihn eine Bekannte verpfiffen hatte, stellten ihn die Beamten gleich noch einmal. Wieder in Großenhain. Wieder auf der Elsterwerdaer Straße. Außerdem wird ihm zur Last gelegt, in Gröditz nach einer Auseinandersetzung mit einer Bekannten die herbeigerufenen Polizeibeamten beleidigt zu haben. Dabei fielen Worte wie „Dreckspolizisten“.

Wozu verurteilt man einen Menschen, der keine Arbeit, keine Wohnung, nicht mal eine Krankenversicherung hat? Und der, weil seine vielen kleinen Vorstrafen inzwischen aus dem Zentralregister gelöscht wurden, quasi als unbescholten gilt? Zu einer Geldstrafe eher nicht. Die wäre ohne Einkünfte nicht abzugelten und würde Daniel stracks in den Knast bringen. 

Eine Gefängnisstrafe wäre angesichts der mildernden Umstände – der Delinquent war aussagewillig, und die Taten liegen lange zurück – zu hart. Richterin Ingeborg Schäfer bleibt dazwischen und verurteilt den Chauffeur ohne Führerschein zu neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Das sei ein enormer Rabatt auf die vier seit den Taten vergangenen Jahre, sagt die Richterin. Noch einmal ohne Führerschein fahren, und er könne für längere Zeit in Zeithain einchecken. Daniel K. verlässt den Gerichtssaal als freier Mann.

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