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Corona lässt Puppen fast lebendig werden

Regina Eichler verkleidet Figuren und stellt damit biblische Geschichten nach. Auf Originaltreue kommt es ihr an. Dafür lernte sie sogar die Flachsherstellung.

Regina Eichler aus Colmnitz stellte während der Coronazeit biblische Szenen mit Puppen für die Kinder ihrer Glaubensgemeinschaft nach. Das fand großen Anklang.
Regina Eichler aus Colmnitz stellte während der Coronazeit biblische Szenen mit Puppen für die Kinder ihrer Glaubensgemeinschaft nach. Das fand großen Anklang. © Kristin Richter

Colmnitz. Die Bibelgeschichte von Rahab und den Kundschaftern aus dem Alten Testament hat schon viel Pikantes. Rahab ist eine Prostituierte, und die beiden bärtigen Männer, die sie versteckt und denen sie zur Flucht verhilft, sind Israeliten und damit Feinde. "Im Buch Josua ist diese Geschichte zu finden", erklärt die 70-jährige Regina Eichler und holt ein buntes Heft für die Kinder ihrer Gemeinde hervor. Dort ist die Handlung aus dem verheißenen Land Kanaan nacherzählt. Doch für die Colmnitzerin war das zu wenig. Sie nutzte die Corona-Zwangspause, um mit Puppen zu "spielen".

Regina Eichler war Schneiderin und hat selbst keine Enkel. "Ich finde, dass die Kinder in der Gemeinde den Bibelstoff viel besser verstehen, wenn er veranschaulicht wird", sagt sie. Deshalb machte sie sich im Sommer daran, die Dachbodenszene mit Rahab und den Männern unter den Flachsbündeln nachzustellen. Vorher hatte sie sich schon Flachssamen besorgt, sie im April gesät und im Juni die Blüten geerntet. "Ich wollte es authentisch machen, deshalb hab ich mich auch damit beschäftigt, wie lange der Flachs ins Wasser kommt, damit der Bast verrottet", erzählt sie. Dann wurde der getrocknete Flachs gebrochen. Jeden Schritt hat die Hobbyfotografin festgehalten.

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So entstand die Szene mit den historisch gekleideten Kinderpuppen, die sie auf ihrer Anrichte aufbaute. Parallel dazu hat die fantasievolle Colmnitzerin eine große Pappe zum Turm werden lassen. Aus einem Fenster lässt Rahab die Kundschafter symbolisch an einem roten Seil nach unten und sie können flüchten. "Ich hatte Zeit und Muße, auch diese Situation nachzugestalten", erzählt Regina Eichler. Und Spaß machte es ihr auch. Wieder hat sie Fotos dieser Szenen hergestellt und an die Kinder ihrer Glaubensgemeinschaft verschickt. Zu Hause sollten sie den biblischen Hintergrund nachlesen. "Ich finde, Rahab war eine kluge Frau, sie war eigenständig und hat sich aus dem Flachs ihre Leinenkleider angefertigt", so die Colmnitzerin bewundernd. Den Kundschaftern nahm sie den Eid ab, sie und ihre Familie zu verschonen, wenn es zur Erstürmung von Jericho kommt. So passierte es auch, erzählt das Alte Testament.

Im Winter stellte Regina Eichler die Tempelsegnung von Jesus nach. Authentizität war ihr dabei sehr wichtig.
Im Winter stellte Regina Eichler die Tempelsegnung von Jesus nach. Authentizität war ihr dabei sehr wichtig. © Kristin Richter
"Rahab hilft den Kundschaftern" heißt dieses Bild. Die Herren versteckten sich dabei im Flachs.
"Rahab hilft den Kundschaftern" heißt dieses Bild. Die Herren versteckten sich dabei im Flachs. © Kristin Richter
Eine Pappwand wurde zum Turm, aus dem die Kundschafter Jerichos per Seil wieder verschwinden.
Eine Pappwand wurde zum Turm, aus dem die Kundschafter Jerichos per Seil wieder verschwinden. © Kristin Richter

In der Weihnachtszeit entstand in Colmnitz eine weitere Szene. Sie zeigt die Segnung des Jesuskindes 40 Tage nach seiner Geburt im Tempel. "Das steht in der Bibel bei Lukas, und man muss wissen, dass der Retter der Welt eigentlich im Oktober geboren ist", so Regina Eichler. Maria und Joseph mussten im Tempel ein Opfer für ihr Kind bringen, doch weil sie arm waren, hatten sie nur zwei Turteltauben. "Es hat mir besonders gefallen, diese kleinen Täubchen in einem Körbchen zu basteln", schmunzelt die 70-Jährige. Maria und Joseph sind zwei dunkelhäutige DDR-Puppen. "Die können nämlich ihre Arme bewegen. Heutige Puppen sind oft steif, da muss ich mit einer Angelschnur nachhelfen", lässt die Puppenspielerin in ihre Arbeit blicken.

Die Säulen des Tempeleingangs waren mal Abwasserrohre, die sie bronzefarben angestrichen hat. Auch Goldstoff wurde verwendet. Die Simeon-Figur bekam einen weißen Bart. "14 Tage habe ich daran gearbeitet, es war eine schöne Beschäftigung, und ich konnte Corona dabei vergessen", erzählt Regina Eichler. Mit den Fotos dieser Inszenierung regte sie Kinder an, mit Puppen die Szene nachzuspielen. "Einige Kinder haben mich hier zu Hause besuchen können", freut sich die Colmnitzerin.

Sie ist auf den Geschmack gekommen und denkt sich schon eine neue Gestaltung aus. Mit ihren Puppen als Hauptdarsteller. Kinder und Erwachsene können die Geschichte erraten. Regina Eichler hilft bei ihrer Umsetzung, dass die Szenen in der Bibel meist ganz genau beschrieben sind. Bis hin zu den Details der Kleidung - für die Schneiderin eine gute Vorlage.

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