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Großenhain

Das Kinderheim Walda schaut zurück

Leiterin Petra Herrmann blickt auf ein Jahr, für das man sich eigentlich viel vorgenommen hatte. Doch nun werden die Tore wieder geschlossen.

Leiterin Petra Herrmann (Mi.) mit Andrea Schurig und Marie (r.) beim Schmücken vor Ostern.
Leiterin Petra Herrmann (Mi.) mit Andrea Schurig und Marie (r.) beim Schmücken vor Ostern. © Anne Hübschmann

"Eigentlich hatten wir uns für das Jahr jede Menge vorgenommen – mit Kind und Kegel nach Hamburg zum Musical König der Löwen, die Jugendweihe mit Felix, das Treffen der ehemaligen Bewohner und Kolleg/innen am Pfingstsamstag und viele weitere Angebote und Vorhaben. Dann kam der erste Lockdown dazwischen und mit ihm eine 24-Stundenbetreuung aller 16 Kinder und Jugendlichen mit Homeschooling, Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen.

Besonders mit dem Homeschooling mit 15 Schülern der Klasse eins bis acht aus unterschiedlichen Schulen geriet man an seine Grenzen. LernSax wurde manchmal zur Herausforderung. Auch ein Osterfest mit allen Kindern und Jugendlichen hatten wir in den letzten 30 Jahren noch nicht. Mit guter Organisation und motivierten Kolleg/innen war das zu schaffen, und der Blick in den Sommer versprach eine Besserung der Lage.

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Wir konnten zwar die Ferienlagerangebote nicht nutzen, aber unser Urlaub in Oberau oder die Fahrradtouren durch den Landkreis waren eine willkommene Abwechslung. Einen besonderen Höhepunkt bescherte uns im Oktober die Malerfirma Stelzl mit einem Besuch in Belantis. Alle Kinder und Kollegen konnten dort nach Herzenslust die Attraktionen ausprobieren und hatten einen erlebnisreichen Tag.

Jetzt stehen wir wieder vor einem Lockdown und damit vor den Fragen: Bleiben wir alle gesund? Können unsere Kinder zu Weihnachten in den Familien feiern? Für die Mädchen und Jungen ist es nicht einfach, mit der Situation umzugehen. Für sie bedeutet Corona – Einschränkungen, und davon gab es in der Vergangenheit jede Menge. Aktuell sind die ersten Kinder bereits zuhause, da in den Schulen Personal erkrankt ist. Am 14. Dezember schließen sich wieder unsere Tore für die nächsten anderthalb Wochen, in der Hoffnung, dass kein Kind oder Kolleg/in erkrankt und wir den 24. 12. alle zusammen im Kinderheim feiern müssen.

In dieser Situation sind aber nicht nur wir. Auch andere Einrichtungen der Jugendhilfe müssen sich auf die neuen Umstände einstellen, und ich glaube, ich spreche da für alle Betroffenen, dass es an den Nerven zerrt und die Belastungsgrenze schon ziemlich hoch ist. Das Jahr möchten wir aber noch mit einem Höhepunkt abschließen und gemeinsam mit unseren Kindern Weihnachten feiern. Auf liebgewonnene Traditionen müssen wir aber auch hier verzichten.

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Ich möchte die Gelegenheit nutzen, meinen Kolleg/innen für ihr Engagement, ihre Ideen und ihr Durchhaltevermögen zu danken. Da werden persönliche Dinge zurückgestellt, zusätzliche Dienste abgesichert, eingekauft, gewaschen, gekocht, und dass alles im eigenen persönlichen Weihnachtstrubel. Leider findet diese Arbeit in den Medien nur wenig Anerkennung, was ich sehr schade finde. Aber auch unseren Mädchen und Jungen möchte ich danken. Sie haben alle Einschränkungen klaglos hingenommen, Aufgaben zusätzlich übernommen, die Situation zwischen Familie, Kinderheim, Schule super gemeistert. Nicht selbstverständlich!

Ich wünsche allen Kindern und Kolleg/innen, unseren Sponsoren und Unterstützern ein schönes Weihnachtsfest, das alle auch diesen Lockdown gut meistern und gesund in das Jahr 2021 starten."

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Das Kinderheim Walda betreut Heranwachsende aus dem ganzen Landkreis. © Brühl/Archiv
Die Haare schön hieß es im Mai mit dem Zabeltitzer Friseur.
Die Haare schön hieß es im Mai mit dem Zabeltitzer Friseur. © Kristin Richter

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