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Der Hirschfelder Osterhase wird 70!

Auch in Corona-Zeiten lässt sich Dieter Melzer aus Südbrandenburg seinen felligen Einsatz nicht verbieten - erst recht nicht zum Jubiläum.

Zum Jubiläum hat Dieter Melzer diese Postkarte herausgegeben.
Zum Jubiläum hat Dieter Melzer diese Postkarte herausgegeben. © privat

Region. Er ist eine Legende im Schradenland und in Nordsachsen: der Hirschfelder Osterhase. Dieter Melzer steckt in dem Kostüm zum jährlichen Frühlingsfest und hält damit eine 70-jährige Tradition in Hirschfeld am Leben. Begonnen hat sie schon 1951 mit dem ersten fahrenden Osterhasen Artur Schulze, geboren am Nikolaustag des Jahres 1895. Er fuhr im Alter von 55 Jahren mit dem Fahrrad seine erste Runde durch das Dorf.

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Um bei den Kindern unerkannt zu bleiben, verschwand er nach der Beendigung seiner Tour im Wald, weiß Dieter Melzer. Dort zog er wieder seine normale Kleidung an, die er in der Huckekiepe verstaut hatte. Er versteckte darin das Osterhasenkostüm und radelte nach Hause. In der Abenddämmerung holte er sich seine Huckekiepe mit allen Utensilien aus dem Wald nach Hause zurück.

Heinz Krause fuhr 1955 mit dem Vorkriegs-Motorrad RT 125 „Reichstyp“ Baujahr 1939 durch den Ort. In den Folgejahren waren es 1959 Heinz Wiedemann und Fritz Wiedemann mit der AWO, 1961 Heinz Wiedemann und Peter Richter mit einer 175er Jawa, 1963 Herbert Schulze und Werner Ziegenbalg mit der AWO.

Seit 1968 führt Dieter Melzer die Tradition des Hirschfelder Osterhasen fort. "Das erste Mal ging es auf Tour mit einer 350er Jawa und es folgten darauf die ES, Schwalbe, 125er RT, S 51, Duo und der Berliner Roller Baujahr 1959 mit dem Campi-Anhänger Baujahr 1961", erzählt der Hirschfelder Handwerksmeister stolz. Er findet es interessant, welche Fahrzeuge aus DDR-Zeiten zum Einsatz kamen und wie sich auch das Aussehen des Osterhasen in all den Jahren verändert hat.

Dieter Melzer und seine Tochter Karina als Hirschfelder Osterhasenpaar auf dem Berliner Motorroller.
Dieter Melzer und seine Tochter Karina als Hirschfelder Osterhasenpaar auf dem Berliner Motorroller. © Brühl/Archiv

Zwar haben im Laufe der Jahre auch die Männer unter den Kostümen gewechselt, doch die Freude für Groß und Klein zum Osterfest blieb. Und Generationen haben diese schöne Überraschung alljährlich miterlebt. Seit 2003 fährt der Osterhase nun mit seinem Schmuckstück, dem Berliner Roller, und mit dem dazugehörigen Campi-Anhänger übers Land. Seine Begleiterin über die vielen Jahre ist Tochter Karina, seit 1989 als Osterhasenfrau dabei. Und seit 2013 sind der kleiner Hase Stups - Enkel Lukas - sowie seit 2016 Enkel Laurens im Amt.

Wie Dieter Melzer 1968 zum Osterhasen wurde? "Das war der Überredungskünste der Oma Martha Melzer zu verdanken und meinen eigenen faszinierenden Kindheitserlebnissen", erinnert sich Dieter Melzer. Seine Oma erzählte damals davon, dass ihre Freundin, die Frau des ersten Osterhasen, alle Gegenstände für den Osterhasen auf ihrem Dachboden lagerte. Alle diensthabenden Osterhasen hatten sich diese seit 1955 bei ihr ausgeliehen. Nach Absprache der beiden Frauen kam es also dazu, dass sich der heutige Osterhase das erste Mal mit dem ausgeliehenen Outfit und seiner 350er Jawa auf Tour begab.

Diese Tour führte von Hirschfeld über Gröden, Merzdorf, Großthiemig und danach erstmals über die Landesgrenze Brandenburgs hinaus nach Sachsen in die Orte Brößnitz, Blochwitz, Lampertswalde, Weißig a. R., Oelsnitz und Strauch. Um die Osterzeit wurden außerdem Kindergärten und Schulen aufgesucht. Dieter Melzer: "Im Laufe der Zeit kamen dann noch Autohäuser, Einkaufs-Centren, Altersheime, Krankenhäuser und Osterfeuer in der Umgebung hinzu." Zu den emotionalsten Einsätzen des Osterhasen zählt seit einigen Jahren der Besuch der Kinderkrebsstationen in der Klinik Cottbus bzw. Dresden. "Es ist schön, dass durch die Begegnung mit dem Osterhasen die kleinen Patienten für einige Augenblicke den Krankenhausalltag vergessen können", sagt Melzer gerührt. "Die Freude und Dankbarkeit der Kinder und Eltern, die ich bei diesen Besuchen erfahre, sind ein unbeschreibliches Gefühl."

Alle Jahre findet das traditionelle Treffen mit dem Osterhasen auf dem Sportplatz der Waldbühne Hirschfeld am Ostersonntag statt. In den Anfangsjahren mit den beliebten Ponykutschfahrten und dem Spielmannszug, in der heutigen Zeit mit der kleinen Feuerwehr und der K&K-Bahn aus Großenhain. Das diesjährige 70-jährige Jubiläum des Hirschfelder Osterhasen wird demzufolge ein besonderes Fest aller Generationen sein. Hirschfeld im Schradenland hat laut Dieter Melzer den dienstältesten Osterhasen Deutschlands, der selbst schon 53 Jahre sein Amt ausübt und damit zu einer der schönsten Traditionen im Schradenland gehört.

Ein altes Brauchtum aus der Geschichte des Schradenlandes sind die seit 2007 wieder ins Leben gerufenen „Kleinen Ostern“ - am Sonntag nach Ostern auf dem "Spitzen Berg" in Hirschfeld. Dort findet das beliebte Ostereierkullern mit dem Osterhasen für Groß und Klein statt. Das Schmücken des Osterbrunnens zusammen mit dem Osterhasen, dem Heimatverein und den Kindergartenkindern eine Woche vor Ostern, ist seit 2012 zu einer schönen Tradition in Hirschfeld geworden.

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Dieter Melzer weiß, das dass diesjährige Jubiläum des Hirschfelder Osterhasen aufgrund der Einschränkungen durch Corona nicht wie geplant auf der Waldbühne gefeiert werden kann. "Der Osterhase wird sich aber am Ostersonntag beim Osterspaziergang ab 16 Uhr am Spitzen Berg zeigen", sagt er. Des Weiteren findet am 27. März in der Kirche Hirschfeld um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst statt, bei dem das Osterwasser für die Kinder gesegnet wird. (SZ/krü)

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