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Der Simson-Opa

Konrad Dachsel schraubt seit 70 Jahren in seiner Werkstatt, die bei jungen Leuten sehr bekannt ist. Zum Jubiläum gratulieren auch seine Sangesbrüder.

Zum 70-jährigen Arbeitsjubiläum von Konrad Dachsel (l.) in Ebersbach gratulieren ihm auch Sänger seines Männergesangsvereins, die extra auf alten Simsons und Motor-Fahrrädern gekommen sind.
Zum 70-jährigen Arbeitsjubiläum von Konrad Dachsel (l.) in Ebersbach gratulieren ihm auch Sänger seines Männergesangsvereins, die extra auf alten Simsons und Motor-Fahrrädern gekommen sind. © Norbert Millauer

Ebersbach. Konrad Dachsel ist ein hagerer 84-Jähriger mit schütterem Haar. Doch man nennt ihn den Ebersbacher Giganten. Denn der Fahrzeugschlosser ist eine Institution nicht nur im Ort, sondern weit darüber hinaus. Für den Ebersbacher Zweiradservice gibt es ein geflügeltes Wort: "Geh zu Konrad!" Will heißen: Hast du Probleme mit deinem Simson, deinem Fahrrad oder E-Bike, kann Konrad Dachsel dir ganz bestimmt helfen. 

Der 84-Jährige führt das Geschäft freilich nicht mehr, sondern seit fast 20 Jahren sein Sohn Thomas. Doch der Senior steht noch jeden Tag in der Werkstatt und schraubt mit. Dass ihm nun schon 70 Jahre Abgase und der Geruch von Öl und Schmiere um die Nase wehen, hält Konrad Dachsel nicht davon ab, noch mitzuhelfen. Manchmal trällert er innerlich ein Liedchen dabei, gibt er jetzt zur Feier seines Arbeitsjubiläums zu. Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm mit seinem Rentenspruch hätte seine Freude an dem Ebersbacher, heißt es. Der "Gigant" ist noch rüstig, und das hat seine Gründe.       

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Vater, Mutter und Kinder
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Konrad Dachsel singt zu seinem eigenen Ständchen mit und bietet auch noch solo die "Sächsische Lorelei dar". Das Singen ist für den Senior ein wahrer Jungbrunnen.
Konrad Dachsel singt zu seinem eigenen Ständchen mit und bietet auch noch solo die "Sächsische Lorelei dar". Das Singen ist für den Senior ein wahrer Jungbrunnen. © Norbert Millauer

Was da in den schönen Männerchor-Liedern gesungen wird, hat sich der Ebersbacher immer zu Herzen genommen. "Eintracht und Frieden halten uns zusammen" schmettert er mit seinem Ebersbacher Gesangverein zur eigenen und zur Freude aller Anwesenden. "Da steckt Lebenserfahrung drin", begründet er, warum die Musik sein Lebenselixier ist. Ein Stück mag er besonders: "Wer des morgens drei Mal schmunzelt, mittags nie die Stirne runzelt, abends singt, das alles schallt, der wird 100 Jahre alt." Inbrünstig intoniert der Senior das Lied: Natürlich will er das beste Beispiel dafür sein. 

Er war 14, als er im September 1950 bei seinem Vater Lehrling wurde. Seitdem hatte er "tagtäglich dreckige Hände". Die Familie betrieb Landwirtschaft, das Gasthaus "Zur goldenen Sonne" und eine Schlosserei. "Ich musste Landmaschinen mit reparieren, zum Beispiel die Messerbalken erneuern", erinnert sich Dachsel. Auch Fahrräder wurden wieder in Schuss gebracht. "Damals gab's noch Benzin- und Lebensmittelmarken", sagt der Ebersbacher. 1960 war es nach einer Meisterprüfung an ihm, das Gewerbe zu übernehmen.   

Dieses Ölkännchen und eine "goldene Zündspule" bekam Konrad Dachsel von seinem Männergesangverein zum Jubiläum.
Dieses Ölkännchen und eine "goldene Zündspule" bekam Konrad Dachsel von seinem Männergesangverein zum Jubiläum. © Norbert Millauer

Nach der Wende kam zum Zweiradservice der Handel mit Fahrrädern und Moped-Ersatzteilen hinzu. Simsons wurden nicht mehr produziert - umso wichtiger wurde die Beschaffung von Teilen. "Sie sind die Einzigen weit und breit, die Simsons reparieren können", sagt Andre Bennewitz, der Männerchor-Vorsitzende. Er habe sein Moped schon bei Dachsels reparieren lassen, und bald würden es auch seine Söhne tun. Dass Konrad Dachsel eine treue Fangemeinde hat, zeigt die kleine Abordnung auf historischen Mopeds zu seinem Jubiläum am Sonntag. Siegfried Lau fährt sogar eine Wanderer von 1938. Günter Trentzsch sitzt auf einer Simson von 1986. Auch eine SR2 ist dabei. 

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Der Ebersbacher dankt an diesem Tag seiner Ehefrau Erna. "Sie hat mich immer sehr unterstützt, war meine mithelfende Ehefrau", ist der 84-Jährige stolz. Nächstes Jahr haben die Beiden Diamantene Hochzeit. Sein Chorjubiläum liegt nun schon hinter ihm: Im Vorjahr blickte er auf 60 Jahre in seinem Männergesangverein zurück. Als "Rattenfänger" präsentierte der Schlosser zum legendären Mühlenspiel sogar ein Solo. Auch auch jetzt zeigt er mit der "Sächsischen Lorelei", dass er noch immer viele Stücke aus dem Stand singen kann. "Das schafft nicht jeder", lobt Hans Hennig vom Männerchor. Sogar der örtliche Akkordeonverein bringt sein Ständchen. Welches? Natürlich "Ja, wir sind mit'm Radl da".

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