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Der Weihnachtsmann lässt das Fest nie ausfallen

Bernd Richter macht den Guten Alten in Lampertswalde seit mehr als 40 Jahren. Corona hält ihn nicht davon ab, auch dieses Jahr die Kinder zu beschenken.

Weihnachtsmann Bernd Richter überrascht die zweijährige Hanna mit Papa Marcus Grille.
Weihnachtsmann Bernd Richter überrascht die zweijährige Hanna mit Papa Marcus Grille. © Kristin Richter

Am vierten Advent wäre eigentlich 25. Weihnachtsmarkt gewesen in Lampertswalde. Er wurde wegen Corona abgesagt. Doch der Weihnachtsmann selbst fällt nie aus. Mit einem John Deere und einer angehangenen Steinschütte mit einem Sofa darauf, mit Beleuchtung und Weihnachtsbaum und einer großen 25, fuhren Bernd Richter und sein Oberwichtel Toni durch alle Straßen des Ortes und verbreiteten Weihnachtsstimmung.

In vier Runden, zwei Mal pro Woche, ist der Gute Alte schon vorher im Advent zu den 86 Kindern im Dorf aufgebrochen. Dann hatte er sein kleines Wägelchen mit Katzenauge dabei und viele Schokoladen-Weihnachtsmänner. Mit tiefer Bass-Stimme "Bald nun ist Weihnachtszeit" singend, zog er zu Fuß durch die Straßen und ließ seine Bimmel erklingen. "Die Kinder wissen das", sagte er. Und tatsächlich kamen sie von überallher zu ihm gelaufen.

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Nicht immer wollen die Kleinen ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen. "Weil jetzt in den Schulen und Kitas vorm Fest viel weniger gesungen werden konnte, geht das zurück", bedauert der Weihnachtsmann. Doch seine Liebe zum Nachwuchs schmälert das nicht. Der dreifache Opa, mittlerweile schon fast 60, genießt seinen Ruf als Lampertswalder Autorität. So halten selbst die Autos an und lassen die Scheibe runter. Andere hupen zum Gruß, als er durch die Straßen zieht. Die kleine Jette wartet am Hofeingang auf ihn, und Oma Heike Gebhardt hat das Läuten vernommen und kommt mit Enkelin Klara im Kinderwagen. Die Kleine bekommt ganz große Augen. "Für sie bist du der erste Weihnachtsmann ihres Lebens", scherzt Oma Heike.

Heike Gebhardt kam mit Enkeltochter Klara im Kinderwagen an die Hauptstraße, weil sie die Weihnachtsmannglocke klingeln hörte.
Heike Gebhardt kam mit Enkeltochter Klara im Kinderwagen an die Hauptstraße, weil sie die Weihnachtsmannglocke klingeln hörte. © Kristin Richter
Sogar Autos halten wegen des Guten Alten auf der Straße an. Die nachfolgenden Fahrzeuge warten ohne zu hupen.
Sogar Autos halten wegen des Guten Alten auf der Straße an. Die nachfolgenden Fahrzeuge warten ohne zu hupen. © Kristin Richter
Täglich 18 Uhr wird dieser Kasten geleert und enthält dann etwa 20 Zuschriften.
Täglich 18 Uhr wird dieser Kasten geleert und enthält dann etwa 20 Zuschriften. © Kristin Richter
So zog Bernd Richter schon vor dem Fest durch seinen Heimatort.
So zog Bernd Richter schon vor dem Fest durch seinen Heimatort. © Kristin Richter
Der Lampertswalder vor seinem Weihnachtshaus mit dem Wunschzettelbriefkasten.
Der Lampertswalder vor seinem Weihnachtshaus mit dem Wunschzettelbriefkasten. © Kristin Richter

Auch an der nächsten Straßenecke wird der Gute Alte schon erwartet. "Weil die das wissen, wie schön das hier läuft", freut sich Bernd Richter. Marcus Grille, Franziska Gurk und ihre zweijährige Hannah stehen am Gartenzaun und fotografieren, während der Weihnachtsmann das Kind anspricht. "Ich find das super, dass er kommt, gerade in diesen Zeiten", sagt Mutter Franziska lächelnd. "Dafür ist Lampertswalde berühmt, dass hier jedes Jahr der Weihnachtsmann da ist." Bernd Richter schreibt dafür Betriebe an und bittet um Spenden, um den Kindern eine Freude bereiten zu können.

Er erzählt mit Stolz und einem Kissen unter seinem dicken Weihnachtsmann-Mantel, dass sogar Busse wegen ihm anhalten und die Straße blockieren. Doch die nachfolgenden Autos warten geduldig. Vielleicht ist mancher hinterm Steuer dort dabei, der selbst schon vor 25 Jahren als Kind seinen Wunschzettel in den schönen Briefkasten an der Ernst-Thälmann-Straße warf. Der Weihnachtsmann hat alle aufgehoben und wollte zum Jubiläumsweihnachtsmarkt die rund 100 Briefe mit Wäscheklammern an einer Leine ausstellen. "Das wird nun im nächsten Jahr nachgeholt", verspricht er. Jeder Wunschzettel, der einen Absender hat, werde auch beantwortet. Dafür sorgt Weihnachtsfrau Ellen Richter. Die weiteste Antwort ging bisher nach Fredersdorf bei Stendhal. Dort wohnt ein Junge mit Verwandtschaft in Lampertswalde.

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Das Weihnachtshaus von Bernd Richter ist weithin bekannt. Die große Pyramide und die Weihnachtsmannfigur im Vorgarten, der Briefkasten, ein großes bemaltes Schild an der Hausfassade und der Adventsstern geben jetzt ein schönes Bild ab. "Ich hab schon erlebt, dass Kinder vor der Pyramide stehengeblieben sind und ein Weihnachtslied sagen", sagt Richter gerührt. Auch beim täglichen Leeren des Wunschzettel-Briefkastens hat er manchmal kleine Zuschauer. Dann murmelt er fröhlich etwas in seinen Rauschebart und lässt seine Bimmel erklingen. Keine Frage: Bernd Richter braucht dieses zu Herzen gehende Doppelleben. Und die Lampertswalder lieben ihn dafür.

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