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Einst Randerscheinung, heute Sozial-Gigant

Die Diakonie wird 30 - Christa Jänke erinnert sich. Sie war einige Jahre Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, unterschrieb wichtige Verträge.

Christa Jänke aus Großenhain war von 2001 bis 2005 Vorstandsvorsitzende der Diakonie Großenhain. Sie hat wichtige Jahre der kirchlichen Einrichtung mitbestimmt.
Christa Jänke aus Großenhain war von 2001 bis 2005 Vorstandsvorsitzende der Diakonie Großenhain. Sie hat wichtige Jahre der kirchlichen Einrichtung mitbestimmt. © Norbert Millauer

Großenhain. Als die Großenhainer Diakonie am 21. Juni 30 Jahre alt wurde, gingen Christa Jänkes Gedanken zurück. Zurück ins Jahr 2001. "Damals wurde ich bei einem Saft gefragt, ob ich nicht den Vorstand des Trägervereins der Diakonie Großenhain übernehmen würde", erinnert sie sich. "Viele Männer haben sich in der Stadt nach der Wende um die Diakonie verdient gemacht: Friedrich Krellner, Detlef Claus, Matthias Spindler, Siegfried Behla - da wollte ich auch meinen Teil beitragen", sagt sie. Die heute 70-Jährige wusste wohl, welche ehrenamtliche Verantwortung sie damit übernimmt. Die Diakonie hatte sich schon aus der Inneren Mission nach der Wende in neue Rechtsformen gewandelt. Aus einer Randerscheinung zu DDR-Zeiten waren kontinuierlich anwachsende Sozialvereine geworden.

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Christa Jänke und ihr Trägerverein Diakonisches Werk im Kirchenbezirk Großenhain e.V. waren damals Arbeitgeber. "Ich unterschrieb Millionenverträge", blickt Christa Jänke mit einigem Stolz zurück. Zahlreiche Einrichtungen mit vielen Mitarbeitern hatten sich etabliert. Etwa 400 waren es zu der Zeit, heute sind es an die 700. Die diakonischen Werkstätten wurden neu eingerichtet. Die Förderschule, die sich heute in Skäßchen befindet, gehört seitdem zur Diakonie. Beratungsstellen, das Aussiedlerwohnheim Kmehlen, die Frühförderstelle oder die Erwerbslosenarbeit waren aufgebaut. Die Behindertenhilfe übernahm das Pflegeheim. "Wir sind den Gründungsmitgliedern, den damals handelten Personen – Vorständen und Akteuren – noch heute für deren Engagement von Herzen dankbar", blickt auch Hans-Georg Müller, der heutige Geschäftsführer, zurück.

"Für mich als Christin war das wichtig, denn nach und nach konnten wir die kirchliche Sozialarbeit in Großenhain immer mehr stärken", sagt Christa Jänke. Nach der Wende saß das Geld auch locker, das Landratsamt hat fürs Sozialwesen viel ausgegeben. Das Eckhardt-Haus als Sitz der Diakonie wurde umgebaut und als Geschäftsstelle neu eröffnet. Sozialprojekte wie "Brücke" und "Arche" halfen so manchem, fit für den ersten Arbeitsmarkt zu werden. "Ich erinnere an Roswitha Golchert, die mal Leiterin unserer Nähwerkstatt war und nun schon lange selbstständig ist", sagt Christa Jänke.

Die Möbelbörse in Medessen und die "Tafel" in der Auenstraße entstanden. "Helfende Hände", dieses Symbol und Credo der Diakonie, war 2002 auch der Titel einer Broschüre zum 125. Jubiläum der Inneren Mission, die seit 1877 in Großenhain wirkte. Veränderungen und Strukturentscheidungen gab es zu allen Zeiten. "In meiner Zeit war es die sich anbahnende Zusammenlegung mit Riesa parallel zur Kreisreform", erinnert sich Christa Jänke. 2005 wurde die Diakonie Riesa-Großenhain gGmbH gegründet. Der bisherige Trägerverein wurde nun Förderverein. Christa Jänke gab die Verantwortung wieder ab, ein Kaufmann, Hans-Georg Müller, wurde hauptamtlicher Geschäftsführer. "Es war eine schöne Zeit, ich konnte viel mitgestalten", sagt Christa Jänke heute. Man hatte sie als ehrenamtliche Vorsitzende gewählt, weil sie damals neutral war als Angestellte vom Großenhainer Krankenhaus. Bis 2012 ist sie 30 Jahre dort im Labor tätig gewesen.

Hand in Hand mit der Kirchgemeinde zu agieren, das erschien Christa Jänke in ihrer aktiven Diakonie-Zeit wichtig. "In Großenhain waren beide immer verflochten, aber das ist nicht überall so", sagt sie. Hier wurde laut Christa Jänke eine Mitgliedschaft in der Kirche zwar nicht zur Pflicht für eine Mitarbeit in der Diakonie gemacht. "Aber die Angestellten sollten immer eine soziale Ader mitbringen, das ist wünschenswert."

Nun hat die Diakonie schon ihre nächste Zusammenlegung hinter sich: die Vereinigung mit Meißen im Vorjahr. Der ehemalige MdL Sebastian Fischer ist jetzt Vorsitzender des Fördervereins Großenhain, Großenhains Stadtsprecherin Diana Schulze seine Stellvertreterin. Pfarrer Konrad Adolph ist Schriftführer. Christa Jänke wird natürlich am 29. August dabei sein, wenn zum Diakonie-Sonntag für die Mitarbeitenden ein zentraler Gottesdienst in der Marienkirche sowie ein kulturelles Mittagsangebot rund um die Orangerie stattfinden wird. Und wenn zur Mitgliederversammlung am 15. September an die neue 30-jährige Geschichte der "helfenden Hände" erinnert wird. Der Jugendchor, den ihr Sohn Stefan leitet, wird dieses Treffen im Großenhainer Gotteshaus bereichern.

Aus der Chronik:

  • 5. Juni 1877: Gründung des Großenhainer Kreisvereins für Innere Mission, erster Vorsitzender wird Regierungsassessor von Witzleben.
  • 1. Dezember 1884: Übergabe der Herberge zur Heimat im Alleegäßchen Großenhain.
  • Am 4. Januar 1897 wird die Gemeindepflege durch Schwester Diakonisse Helene Schmieder in Großenhain gegründet.
  • 1. Juli 1909: Der Großenhainer Kreisverein für die Innere Mission kauft das Hausgrundstück Naundorfer Str. 9 von Major z. D. Eckhardt (Eckhardt-Haus).
  • Das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland wird 1945 ins Leben gerufen. Es wird den Zweigstellen für Innere Mission angeschlossen, diese nennen sich deshalb „Zweigstelle für I.M. und Hilfswerk".
  • 3. Januar 1949: Übertragung des Vermögens des zwangsaufgelösten Großenhainer Kreisvereins für Innere Mission an das Landeskirchliche Amt in Radebeul.
  • 1971: Auflösung der Schwesternstation (Diakonissen) im Eckhardt-Haus.
  • 1974: Die Kreissynoden bilden die Diakonieausschüsse.
  • Am 21. Juni 1991 Neugründung unter den Namen „Diakonisches Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Kreisverein Großenhain e.V.". Am gleichen Tage gründete sich ein zweiter Verein der Diakonie in Großenhain, die „Behindertenhilfe der Diakonie Großenhain e.V.".
  • 1992: Das erste Aussiedler-Übergangswohnheim wird in Kmehlen eingerichtet und von Mitarbeitern der Diakonie Großenhain betreut. Weitere vier Heime folgen.
  • 1993 geht das Grundstück Eckhardt-Haus laut Schenkung in das Eigentum des Diakonischen Werkes, Kreisverein Großenhain e.V. über; danach Beginn der umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten im Grundstück.
  • 1995: Übernahme des Seniorenzentrums Helene Schmieder.
  • 1996: Inbetriebnahme des Familienzentrums am 25. August in der rekonstruierten ehemaligen alten Gärtnerei im Grundstück Eckhardt-Haus.
  • 1997: Beginn des Ambulant betreuten Wohnens für geistig behinderte Menschen,
  • 1. Juli 1998: Eröffnung der Großenhainer Tafel in der Auenstraße, später Umzug in die Preuskerstraße und dann wieder zurück. Inbetriebnahme des Neubaus der Hauptwerkstatt der Diakonischen Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) im Gewerbegebiet Zschieschen.
  • 30. August 2002: Feierliche Einweihung der Tagespflege im Diakonie-Seniorenzentrum Helene Schmieder.
  • 2003: Übernahme des Montessori-Kinderhauses in Ponickau.
  • 2004: Eröffnung des Betreuten Wohnens im Seniorenzentrum Helene Schmieder.
  • 2007: Eröffnung der Sozialtherapeutischen Wohnstätte.
  • 2009: Übernahme der Kindertagesstätten „Kleine Strolche“ Wildenhain und „Igelkinder“ Walda sowie des Horts „Entdeckerland“ Walda.
  • 2010: Übernahme der Kindertagesstätten „Zwergenland“ Skäßchen und „Zum Mäusestübchen“ Strauch.
  • 2014: Inbetriebnahme des Neubaus der WfbM für geistig behinderte Menschen im Gewerbegebiet Zschieschen.
  • 2015: Eröffnung der Sozialstation „Altes Amtsgericht“ mit den Bereichen Tagespflege und ambulant betreutes Wohnen, Eröffnung der Informations- und Kommunikationszentrum in der Marktgasse 14, Übernahme der Kerzenzieherei Jonas auf der Auenstraße als Schülerfirma der Schule Skäßchen.

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