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Die Geschichte vom Kräuterweib Amalie aus Siebenlehn

Was ein Trunk für die Wanderung mit dem Landkreis Meißen und einer bemerkenswerten Frau zu tun hat.

Amalie auf dem Flachmann.
Amalie auf dem Flachmann. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Eine Kollegin und Freundin schenkte mir für einen Wanderurlaub einen Wilthener Gebirgskräuterlikör. Zur Stärkung, schrieb sie mir dazu. Tatsächlich hat der Flachmann gut getan und geschmeckt. Mich interessierte aber auch das Etikett des 0,2-Liter-Fläschchens. Darauf war eine schöne junge Frau mit langem Rock und rotem Kopftuch abgebildet, in der Hand ein Kräutersträußchen und ein solches Körbchen unterm Arm.

Als ich die Flasche umdrehte, las ich, dass die junge Frau wohl Amalie Dietrich sein soll. Das Kräuterweiblein aus Siebenlehn. "Basierend auf über 175 Jahren Tradition und Erfahrung der Wilthener Weinbrennerei, wird dieser erlesene Kräuterlikör nach Original Rezeptur hergestellt. Amalie Dietrich - weit über die Grenzen ihres Heimatlandes bekannt - hat viele Kräuter und Pflanzen der Allgemeinheit zugeführt", steht auf dem rückseitigen Flaschenetikett. Interessant, dachte ich, und mir fiel noch etwas ein.

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In Dresden hatte ich eine Zeit lang in der Nähe des Amalie-Dietrich-Platzes im Stadtteil Gorbitz gewohnt. Dass die Namensgeberin eine Kräuterfrau aus dem Landkreis Meißen war, wusste ich damals nicht. Doch wie konnte sie so bekannt werden, dass in Dresden ein Platz nach ihr benannt wird? Und in Wilthen ein Gebirgskräuterlikör? Ich begann zu recherchieren.

Als Biologin und Naturforscherin, ja als Pflanzenjägerin wird sie unter den "Berühmten Sachsen" und bei Wikipedia beschrieben. Sie wurde vor 200 Jahren, am 25. Mai 1821 in Siebenlehn geboren und starb am 8. August 1891 in Rendsburg in Schleswig-Holstein. In sehr ärmlichen Verhältnissen war sie in einer Heimarbeiterfamilie aufgewachsen. Amalie Concordia Nelle lautete ihr Geburtsname. Die Grundbegriffe der Botanik lernte sie von ihrem Mann, dem Apotheker Wilhelm Dietrich. Unter seiner Anleitung soll sie zu einer erfolgreichen Botanikerin und Sammlerin geworden sein. Bei Wikipedia steht, dass sie sich autodidaktisch weitergebildet habe.

Zehn Jahre in Australien

Amalie Dietrich - die Frau, die offenbar selten lachte.
Amalie Dietrich - die Frau, die offenbar selten lachte. © SZ Archiv

Doch die offenbar selbstbewusste Frau hält nichts in Siebenlehn. Nach der Geburt ihres Kindes trennt sie sich im Revolutionsjahr 1848 von Mann und Tochter. Infolge der materiellen Not kam es wohl zu Zerwürfnissen zwischen den Ehepartnern. Amalie zieht mit dem Handwagen durch die Salzburger Alpen, um Insekten und Pflanzen zu sammeln. Durch halb Europa sei sie mit dem Hundegespann gelaufen, um die Kräuter an Universitäten und Wissenschaftler zu verkaufen.

1863, also 42-jährig, reiste sie dann im Auftrag eines Hamburger Kaufmanns C. Godefrey, der ein Natur- und Völkerkundemuseum der Südsee einrichten will, sogar nach Australien. Zehn Jahre verbringt sie mit dem Sammeln und Bestimmen von Pflanzen und auch Tieren. "Sie präpariert 244 Arten von Vögeln und entdeckt fast 640 Pflanzenarten, von denen mehrere nach ihr benannt werden, z. B. die Algenart Sargassum Amaliae und die Wespenarten Nortonia Amaliae und Odynerus ietrichianus", steht in ihrem Wikipedia-Eintrag.

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Einer Frau gelang es im 19. Jahrhundert, in der Wissenschaft – einer Männer-Domäne – Anerkennung zu finden. Siebenlehn feiert Amalie Dietrichs 200. Geburtstag.

Nach Amalies Rückkehr 1873, zehn Jahre später, betreut sie die von ihr angelegte Sammlung und wird 1879 Kustodin des Botanischen Museums in Hamburg. In Siebenlehn gibt es ein kleines Museum im ehemaligen Rathaus am Markt. Zur Feier ihres 200. Geburtstages ist dort sogar ein 2021er Kalender herausgekommen. Den werde ich mir online bestellen und durchblättern bei einer Flasche Wilthener Gebirgskräuter.

Der Kalender ist für 5 Euro online unter www.bilderservice.fotostudio-krueger.de erhältlich.

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Dietmar Lippert ist einer der Organisatoren des Amalie-Dietrich-Jahres 2021 in Siebenlehn.
Dietmar Lippert ist einer der Organisatoren des Amalie-Dietrich-Jahres 2021 in Siebenlehn. © Claudia Hübschmann

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