merken
PLUS Großenhain

Die Zürnerstube wird wieder auferstehen

Zu Himmelfahrt startet eine Spendensammlung für die Kirche Skassa: Hier soll an den bekannten Pfarrer und Landvermesser erinnert werden.

Pfarrer Dietmar Pohl (r.) und Museumsleiter Dr. Jens Schulze-Forster in der Zürnerstube der Skassaer Kirche.
Pfarrer Dietmar Pohl (r.) und Museumsleiter Dr. Jens Schulze-Forster in der Zürnerstube der Skassaer Kirche. © Kristin Richter

Skassa. Großenhains Pfarrer Dietmar Pohl macht in seinem letzten Dienstjahr eine klare Ansage: "Ich will diesen Zustand der Vermüllung in der Patronatsloge nicht mehr dulden." Gemeint ist die ehemalige Zürnerstube, quasi der letzte Bauabschnitt der Kirchensanierung in Skassa. In der nach dem ehemaligen hiesigen Pfarrer und Landvermesser Adam Friedrich Zürner benannten Loge soll wieder an den berühmten Mann des 18. Jahrhunderts erinnert werden. 2004 war zu Ehren von Zürners 325. Geburtstag eine Ausstellung zu seinem Leben und Werk eröffnet worden. Seit 2011 ist sie wieder geschlossen.

Grund war u.a. der schlechte Zustand der Räume. Der besteht bis heute, obwohl die Außensanierung des Gotteshauses vor zwei Jahren abgeschlossen wurde. Und die historischen Bleiglasfenster schon restauriert sind. Dietmar Pohl will, bevor er in den Vorruhestand geht, nun auch noch die ehemalige Patronatsloge restaurieren lassen. Nach einem Kontakt mit der Denkmalpflege hat Restaurator Gunter Preuß aus Naustadt ein Angebot unterbreitet. Rund 10.000 Euro würden die Arbeiten kosten. 5.000 Euro hat die Untere Denkmalpflege jetzt überwiesen. Und eine denkmalrechtliche Genehmigung erteilt. Die andere Hälfte der Gelder will die Kirche als Eigenanteil über Spenden erwirtschaften.

Anzeige
Heuschnupfen? Das kann helfen
Heuschnupfen? Das kann helfen

Die Symptome sind lästig und vielfältig. Doch mit der richtigen Beratung kann die Pollenzeit problemlos überstanden werden.

Schöne florale Elemente aus dem 18. Jahrhundert prägen die Skassaer Patronatsloge.
Schöne florale Elemente aus dem 18. Jahrhundert prägen die Skassaer Patronatsloge. © Kristin Richter
Doch der Bedarf an Restaurierung ist nicht mehr zu übersehen.
Doch der Bedarf an Restaurierung ist nicht mehr zu übersehen. © Kristin Richter

Magister Adam Friedrich Zürner ist am Dresdner Hof Augusts des Starken hoch geachtet gewesen — in Skassa war er es nicht. Immer wieder warf man ihm hier zwischen 1705 und 1721 vor, das Pfarreramt für seine Landvermessung und das Kartographieren zu vernachlässigen. Dass er aber dadurch der Nachwelt ein gewaltiges Werk hinterließ, hat den Großenhainer Ortsteil inzwischen mit ihm versöhnt. Deshalb hatte die Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen mit der AG Zürner des Museum-Fördervereins 2004 die dauerhafte Ausstellung zu Leben und Schaffen Zürners eröffnet. Karten, Fotos, Medaillen und Modelle der Postmeilensäulen erinnerten an Zürner. Zu dem gibt es mit einer Schautafel an der Kirche, einer Dreiarmsäule und dem Viertelmeilenstein seit 2005 ein kleines Zürnerzentrum in Skassa - und obendrein die Zürnerstraße.

Doch in der Zürnerstube blättert der Putz von den Wänden. Der vom Altarraum aus zugängliche Raum macht einen verwahrlosten Eindruck. Und gleicht einer Abstellkammer. Nur der Grabstein von Zürners früh verstorbenen Kindern nimmt einen würdevollen Platz ein. Pfarrer Pohl will, dass sich hier künftig Menschen begegnen können. "Wenn die Restaurierung mit neuen Lampen, Fußboden, Deko und Verschattung abgeschlossen ist, soll es ein offenes Angebot geben", so Dietmar Pohl. Das Andenken an den Landvermesser will der Pfarrer mit dem Effekt der Pilgerherberge verbinden, die im Pfarrhaus besteht. "Man könnte eine Landkarte von Sachsen aufhängen, an der die Pilger mit Stecknadeln ihre Herkunftsorte kennzeichnen können", nennt Pohl eine spannende Idee.

Die Patronatsloge wird damit genau 300 Jahre nach dem Wegzug Zürners nach Dresden wieder hergerichtet. Pohl und der Großenhainer Museumsleiter Schulze-Forster wollen dafür sorgen, dass wieder Ausstellungsstücke der AG Zürner in die Räume kommen. Die Schau war just 2011 abgebaut worden - 300 Jahre nachdem der damalige Skassaer Pfarrer 1711 seine erste Karte Großenhains an August den Starken schickte und damit zum Kartografen und königlichen Landvermesser wurde. 2011 war die Decke der beheizbaren Winterkirche baufällig, es entstand ein Sicherheitsproblem. Zum anderen diente die Patronatsloge damals schon als Abstellraum für den Oase-Gottesdienst. Ausstellungsstücke wurden zum Teil verrückt, die Doppelnutzung beeinträchtigte die öffentliche Präsentation. Auch stand der Skassaer Frieder Sauer als Ansprechpartner für Führungen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Ein ortsansässiger Nachfolger hatte sich nicht gefunden.

Weiterführende Artikel

Himmelfahrts-Gottesdienst in Skassa

Himmelfahrts-Gottesdienst in Skassa

Am Donnerstag beginnt der Gottesdienst um 10.30 Uhr an oder in der Kirche. Eine besondere Spendenaktion wird gestartet.

Die Bauarbeiten sind fertig

Die Bauarbeiten sind fertig

Mit dem Erntedank am Sonntag wird auch der Abschluss der Arbeiten an der Kirche gefeiert.

Zum Himmelfahrts-Gottesdienst will Pfarrer Pohl seine Spendenaktion für die Zürnerstube starten. Interessenten können sich gern bei ihm melden. Mail: [email protected]

Bankverbindung: Kassenverwaltung Dresden, Bank für Kirche und Diakonie eG,

IBAN: DE59 3506 0190 1667 2090 44, Zweck: Zürnerstube RT 1686

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain