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Dynamo verschwindet – und bleibt doch

Lampertswalder Grundschüler bemalen ihre Bushaltestelle neu. Sie wurde von Fußballfans besprüht. Die Meinungen dazu gehen bis jetzt auseinander.

Praktikantin Luisa Gawalski hilft Anna-Lena beim Aufsprühen der Farbe an der Bushaltestelle Lampertswalde. Hier wird Dynamo übermalt.
Praktikantin Luisa Gawalski hilft Anna-Lena beim Aufsprühen der Farbe an der Bushaltestelle Lampertswalde. Hier wird Dynamo übermalt. © Norbert Millauer

Lampertswalde. Marion Friedrich muss genau hinschauen. "Ach, da sind ja immer noch die drei Buchstaben SGD", sagt die Oma. Ihre Enkelin Hedi (9) aus Oelsnitz ist beteiligt an dem, was gerade an der Bushaltestelle vor der Grundschule Lampertswalde vor sich geht. Bis vor einer Woche war sie die Dynamo-Haltestelle schlechthin: Im Oktober vorigen Jahres hatten jugendliche Fußballfans sie in einer Nacht- und Nebelaktion in den Farben schwarz-gelb und mit der markanten Abkürzung für die Spielgemeinschaft Dresden bemalt.

Das hatte Diskussionen im Gemeinderat und unter der Einwohnerschaft ausgelöst. Während von einigen gefordert wurde, dass diese Sachbeschädigung umgehend verschwinden muss, sehen andere noch immer die Aktion der Grundschüler als unnötig an: "Schade, dass das schöne Dynamo jetzt weg ist", sollen viele Passanten letzte Woche gesagt haben.

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Doch Künstler und Projektleiter Sebastian Bieler machte aus dem Zwiespalt einen Kunstgriff: Durch die Einbeziehung und Neugestaltung der drei Buchstaben SGD ist die ursprüngliche Gestaltung transformiert erhalten geblieben. "Es gibt halt viele Fußballfans im Ort, und die Frage, ob die vorherige Bemalung schön war oder nicht, ist Ansichtssache", sagt Bieler. Er wollte die kontroverse Diskussion mit Sensibilität behandeln und beiden Ansprüchen gerecht werden.

Künstler Sebastian Bieler aus Großenhain hatte die Idee, die vorhandenen SGD-Buchstaben neu zu gestalten.
Künstler Sebastian Bieler aus Großenhain hatte die Idee, die vorhandenen SGD-Buchstaben neu zu gestalten. © Norbert Millauer

Das ist augenscheinlich gelungen. Denn Viertklässler und ehemalige Grundschüler haben auf die gelb-schwarze Haltestelle in der Vorwoche neue Wandfarbe gerollt, eigene Motive entwickelt und sie per Schablonen-Graffiti auf die Mauer gebracht. "Was vorher war, fand ich schlimm. Jetzt sieht es super aus", sagt Omi Marion Fischer. Auch die beteiligte Lehrerin Fanny Simon findet, dass sich das Bild verbessert hat. "Ich sehe eine eindeutige Verschönerung, die Schüler haben ihre Ideen kreativ umgesetzt", sagt sie.

Circa 40 Schüler waren beteiligt. Sie hatten noch in der letzten Woche des alten Schuljahres Entwürfe gefertigt, die nun aufgesprüht wurden: Tiere, Schule und Kirche, die Feuerwehr und andere Fahrzeuge. Richard und Alessio widmeten sich auf der Rückseite einem Lkw, Minou malte eine Mühle, denn sie wohnt im Weißiger Mühlengrundstück. So ist die Neugestaltung kindgerecht umgesetzt worden.

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Den Kindern gefällt ihr Projekt und sie finden die Bushaltestelle vor ihrer Grundschule nun sehr gelungen. Auch wenn nicht alle Motivvorschläge tatsächlich umgesetzt werden konnten. Doch das ist nun eine Auftragsgestaltung der Gemeinde. Die Dynamo-Bemalung der Jugendlichen im vorigen Oktober war hingegen eindeutig Sachbeschädigung.

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