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Unerfreulicher Vorfall im Ortrander Rathaus

Bei der Stadtverordnetenversammlung gerieten Nico Gebel und sein Vater aneinander. Der eine ist CDU-Bürgermeister, der andere AfD-Stadtrat.

Dieses Foto von Ortrands Bürgermeister und der Pfarrerin sowie Gebels Kommentar dazu lösten einen Streit aus.
Dieses Foto von Ortrands Bürgermeister und der Pfarrerin sowie Gebels Kommentar dazu lösten einen Streit aus. © privat

Ortrand. Es waren nicht die Straßenausbaubeiträge, und auch nicht ein noch in der Ferne liegendes Investprojekt, die den Eklat in der südbrandenburgischen Pulsnitzstadt auslösten. Wie die Lausitzer Rundschau (LR) berichtet, gab es im Parlament am 6. Oktober einen Streit zwischen AfD-Stadtrat Hagen Gebel und seinem Sohn, dem CDU-Bürgermeister und CDU-Kreischef in OSL, Nico Gebel. Der Stadtchef hatte laut LR seinen Vater wiederholt als "Rechtsradikalen"  bezeichnet, was den Wutausbruch des Seniors veranlasste. Die Streitigkeiten sollen auf dem Parkplatz vor der Halle noch weitergegangen sein, Nico Gebel wurde demnach von seinem Vater bedroht. Gebel Junior hat daraufhin polizeiliche Ermittlungen in Gang gebracht. Er stellte Strafanzeige.   

Wie Nico Gebel der SZ sagte, ging es ursächlich um seinen Kommentar auf Facebook zu einer AfD-Kundgebung am 4. September. Darin schreibt der Bürgermeister, dass er die Versammlungs- und Meinungsfreiheit als hohes Gut in der Gesellschaft achtet. Doch das Banner, das die Alternativen über dem Marktplatz aufgehangen hatten, verurteile er. Dort war von "Volkstod" durch den Migrationspakt die Rede.

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 "Mit Andreas Kalbitz, Karsten Hilse und Christoph Berndt haben sich in unserer Stadt Radikale aus der AfD versammelt. Das Banner über dem Marktplatz ist menschenverachtend", so Gebel. Die AfD sei keine Alternative für Deutschland. Hass, Hetze und Rassismus sei ihr inhaltlicher Kern. Kalbitz und Co. passen laut Nico Gebel "weder zu unseren christlichen Werten, noch zu unserer freiheitlichen Verfassung". 

Daraufhin verlangte sein Vater, der AfD-Stadtrat, in der Ratssitzung, dass sein Sohn, zu dem seit einem Jahrzehnt kein Kontakt besteht, diesen Kommentar zurücknimmt. Was allerdings nicht passierte. Vielmehr wollte Bürgermeister Gebel  "sichergehen, dass die meisten schlechten Worte und Ideologien am nächsten Morgen aus unserer Stadt verschwunden sind." Dazu hatte er am nächsten Morgen nach der Kundgebung spontan mit der örtlichen Pastorin vor dem Rathaus den Platz gefegt. 

Die Straßenausbaubeiträge, die in jener Sitzung in der Pulsnitzhalle zur Sprache kamen, heizten nur die Stimmung weiter auf. Die AfD-Ratsfraktion stellte den Antrag, dass Bürger sie nicht bezahlen müssen. Rein rechtlich, so Nico Gebel, müssten die Beiträge aber umgelegt werden. Denn erst ab 2019 wurde die entsprechende Satzung abgeschafft, die betroffene Baumaßnahme wurde vorher umgesetzt. 

Der große Bürgerzuspruch zu der Sitzung in der Pulsnitzhalle hatte mit diesem Thema zu tun, eine vorherige Ratssitzung im Ratssaal musste ausfallen, weil zu viele Menschen in den Saal wollten, was wegen der Corona-Abstandsregeln nicht möglich war. 

Die AfD-Kundgebung auf dem Ortrander Markt hatten auch zahlreiche Sachsen aus den benachbarten Gemeinden Schönfeld, Lampertswalde oder Ebersbach besucht. Lampertswalde, das früher als NPD-Hochburg galt, war die einzige Kommune im Kreis, in der jetzt bei der Meißner Landratswahl AfD-Kandidat Thomas Kirste die meisten Stimmen bekam.

Unterdessen gab es nun eine Fäkalien-Attacke in Ortrand. Eine unappetitliche Post ist am Donnerstag laut Lausitzer Rundschau in den Bürgerbriefkasten der Stadt gesteckt worden. Was es mit dem mit Jauche abgefüllten Brief auf sich hat, ermittelte jetzt die Kriminalpolizei.  

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