merken
PLUS Großenhain

Entdeckungen in der alten KfL-Kantine

Schönfeld will die ehemalige Speisehalle des Kreisbetriebes zum Vereinsraum umbauen. Erstaunlich, was hier noch alles im Keller lagert.

Bürgermeister Hans-Joachim Weigel mit den früheren KfL-Mitarbeiterinnen Evelyn Ekelmann und Brunhilde Wagner (v.l.) in der ehemaligen Speisehalle des Kreisbetriebes für Landtechnik Schönfeld.
Bürgermeister Hans-Joachim Weigel mit den früheren KfL-Mitarbeiterinnen Evelyn Ekelmann und Brunhilde Wagner (v.l.) in der ehemaligen Speisehalle des Kreisbetriebes für Landtechnik Schönfeld. © Kristin Richter

Schönfeld. Das Dutzend Fenster ist schon neu. Mit der Kleinprojektförderung des Dresdner Heidebogens hat die Gemeinde hier 15.000 Euro investieren können. Damit der Anblick nach draußen wieder ansprechend ist, so Bürgermeister Hans-Joachim Weigel. Mit der ehemaligen Speisehalle des Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL), gleich neben der Gemeindeverwaltung, hat die Kommune noch Großes vor. Spätestens 2022 soll der Saal zum neuen Schönfelder Dorfgemeinschaftsraum modernisiert werden.

Der heutige Abstellraum, der auch mal als Asylunterkunft im Gespräch war, beköstigte bis zur Auflösung Ende Januar 1992 etwa 100 KfL-Mitarbeiter. Anfang der 50er Jahre war der Betrieb als Maschinenausleihstation hier an der Straße der MTS entstanden. Drei Köchinnen versorgten die Mitarbeiter, weiß die frühere Lohnbuchhalterin Iris Pochert. Sie hießen Krause, Richter und Opitz, sind aber alle drei schon verstorben. Ebenso die langjährige Chefin Elvira Graf.

Anzeige
Fakten statt Fake News
Fakten statt Fake News

Fragen und Antworten zur Corona-Krise am Beispiel des Dreiländerecks

Brunhilde Wagner arbeitete in der Verwaltung und war für das Küchenpersonal, die Reinigungskräfte und den Ferienaustausch verantwortlich. "Ab 1975 bis zum Schluss war ich im Betrieb", erzählt die Schönfelderin, die der Einladung von Bürgermeister Weigel zu einer kleinen Besichtigung gefolgt ist. Seit der Abwicklung vor fast 30 Jahren war sie nicht mehr hier drin. Aber Evelyn Ekelmann, die nur bis 1984 fürs KfL tätig gewesen ist und dann in die Gemeindeverwaltung wechselte. "Ich habe im Betrieb Buchhalterin gelernt und war dann als Wirtschaftskauffrau tätig", erzählt sie.

Als die Drei durch den Raum gehen, sehen sie, dass der Fußboden herausgerissen ist. "Hier lag Parkett, aber das ist durch einen Frostschaden hochgekommen, als nicht mehr geheizt wurde", weiß Hans-Joachim Weigel. Mit Hilfe von Laminathersteller Kronospan soll ein neuer Belag gelegt werden. Vor zehn Jahren sollte die ehemalige Speisehalle schon mal Vereinshaus werden. Damals war die Finanzierung aber nicht gesichert. Dass die Jugendfeuerwehr hier aber mit hineingehört, sei da schon beschlossen gewesen.

Auch Küchengeschirr steht noch in diesem Schrank im Keller.
Auch Küchengeschirr steht noch in diesem Schrank im Keller. © Kristin Richter
Akten, die Bürgermeister Weigel in alten Kisten fand. Sie gehörten zum DDR-Betrieb.
Akten, die Bürgermeister Weigel in alten Kisten fand. Sie gehörten zum DDR-Betrieb. © Kristin Richter
Entdeckungen im Keller des früheren Kreisbetriebes für Landtechnik.
Entdeckungen im Keller des früheren Kreisbetriebes für Landtechnik. © Kristin Richter
Alles wurde zu Ostzeiten aufgehoben, denn man konnte ja alles nochmal brauchen.
Alles wurde zu Ostzeiten aufgehoben, denn man konnte ja alles nochmal brauchen. © Kristin Richter
Brunhilde Wagner (rechts) und Evelyn Ekelmann in der ehemaligen Küche.
Brunhilde Wagner (rechts) und Evelyn Ekelmann in der ehemaligen Küche. © Kristin Richter
Die Schönfelder Schützen trainierten hier in der KfL-Speisehalle, bis die Schießanlage eröffnet wurde.
Die Schönfelder Schützen trainierten hier in der KfL-Speisehalle, bis die Schießanlage eröffnet wurde. © Kristin Richter
Die Küche war Raum Nummer 33.
Die Küche war Raum Nummer 33. © Kristin Richter
Versammlung oder Feierstunde in der Kantine.
Versammlung oder Feierstunde in der Kantine. © Gemeinde Schönfeld
Diese alte Aufnahme zeigt die Objekte von außen.
Diese alte Aufnahme zeigt die Objekte von außen. © Gemeinde Schönfeld
Eine der drei Köchinnen.
Eine der drei Köchinnen. © Gemeinde Schönfeld

Die Raumaufteilung wird auch bei der künftigen Nutzung so bleiben, denn es ist ein schöner großer Saal, meint Weigel. Hier könnten auch Ratssitzungen besser als in der Speisehalle am Schloss oder im Schlosscafé stattfinden. Denn nötige Unterlagen wären schneller aus der Gemeindeverwaltung nebenan herbeigeschafft. "2021 wird der Multifunktionsraum geplant, und 2022 wollen wir bauen", so der Bürgermeister. Hier seien auch pandemiebedingte Sicherheitsabstände besser einzuhalten, wenn das künftig noch oder wieder nötig sein sollte.

Wie aber wurde hier früher gearbeitet? "Die Küchenfrauen haben alles im Konsum selbst eingekauft, das Gemüse und die Kartoffeln selbst geschält", weiß Brunhilde Wagner. Und natürlich immer frisch gekocht. Auch Frühstück wurde den Landmaschinen- und Traktorenschlossern hier serviert. Die kleine Kantine für zwischendurch wurde von den Reinigungskräften mit betrieben. "Die waren ein eingespieltes Team", so Wagner. "Zu Essen gab es immer genug." Die Küche hatte extra Umkleideräume und die Zimmernummer 33. Das steht noch an einer Tür. Waschraum und WC der Küchenkräfte lagen separat.

Der Speiseraum mit den alten Lampen und der Saaldecke versprüht DDR-Charme. Die Wände sind wegen des Wasserschadens teilweise abgehackt. "Wir erwecken das jetzt aus dem Dornröschenschlaf", gibt sich Bürgermeister Weigel literarisch und überlegt schon, wo dann die ganzen alten Möbel hinkommen, die er hier für den Fall der Fälle zwischenlagert.

Weiterführende Artikel

Ortsgeschichte in alten Bildern

Ortsgeschichte in alten Bildern

Historische und neue Ansichten gaben den Auftakt für „Schönfeld 800“. Bei Fotos der 750-Jahrfeier war viel Heimatstolz zu spüren.

Hans-Joachim Weigel macht sich deshalb auf in den Keller und ist erstaunt. "Hier gibt es ja noch altes Geschirr und viele historische Dokumente", ist der Gemeindechef begeistert. Sorgsam packt er einige zum Fotografieren aus den Kisten. "Das soll sich Gemeinderat Gerald Bauer mal ansehen", meint Weigel. Der kenne sich als Kfz-Schlosser damit aus. "Hier muss dringend mal Inventur gemacht werden", sagt er, als er das Materiallager, alte Lohnlisten und Lehrgangsunterlagen findet. Auch der frühere Austausch mit Tschechien ist dokumentiert - wie für ein kleines Betriebsmuseum.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain