merken
PLUS Großenhain

Erinnerungen an einen Schriftsteller

Kurt Türke aus Tauscha kannten in der DDR viele Leser. In seinem Heimatort denkt man an ihn zu seinem 100. Geburtstag. Später lebte er in Radebeul.

Dieter Türke aus Tauscha zeigt die Werke seines Cousins Kurt Türke. Der wäre jetzt 100 Jahre alt geworden.
Dieter Türke aus Tauscha zeigt die Werke seines Cousins Kurt Türke. Der wäre jetzt 100 Jahre alt geworden. © Klaus-Dieter Brühl

Tauscha. Dieter Türke muss nicht lange kramen, um die Werke seines Cousins, des Schriftstellers Kurt Türke hervorzuholen. "Feuerstoß auf einen Totenkopf", "Gefährliche Freundschaft" oder "Das Hobby des Herrn R." Und natürlich das Bekannteste: "Widerschein der Jahre" von 1954. Mit Krimis und Jugendbüchern machte sich der aus Tauscha stammende Autor einen Namen. "Am 19. Dezember wäre er 100 Jahre alt geworden", erinnert sich sein Cousin. Die Mutter vom Tauschaer Altbürgermeister Dietmar Blatzky ging sogar mit Kurt Türke in die Schule.

Kurz vor Weihnachten im Nachkriegsjahr 1920 wurde der Schriftsteller in bitterarmen Verhältnissen geboren. Er war das uneheliche Kind einer Dienstmagd auf dem Rittergut Tauscha. "Sie gab ihn früh zu ihren Eltern in die Pflege", weiß sein Cousin Dieter. Die Großeltern erkannten die Wissbegierde des Jungen, waren aber selbst arm und konnten ihm nur die Dorfschule ermöglichen. Türke war dann Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft, Steineklopfer beim Straßenbau und Zeitschriftenwerber. 1939 musste er, nachdem er erste Prosaarbeiten verfasst hatte, in den Krieg.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

In "Widerschein der Jahre" hatte Kurt Türke 1954 autobiografisch das Leben auf dem Lande bei Radeburg zwischen den Weltkriegen beschrieben. Auf der Rückseite eines Buches steht, was seine Großmutter dem Tauschaer mit auf den Weg gab: "Du gehst mit Hacke und Schaufel, Junge, wie wir alle!" "Seine Großmutter hat er sehr verehrt", erinnert sich Dieter Türke. Jedes Jahr sei er an ihrem Sterbetag auf den Tauschaer Friedhof gekommen.

1949 brachte der Autor seine ersten beiden Romane heraus. "Wolfszeit" über die Liebe eines Wehrmachtsdeserteurs und "Elendsspuren". Dann folgte "Tor der Hoffnung" über das Schicksal von Heimatvertriebenen. Seit 1950 wohnte der Autor im Radebeuler Lößnitzgrund. Während seiner Militärzeit im Zweiten Weltkrieg, aus dem er schwer verletzt zurückkam, hatte er mit dem Schreiben von Kriegserzählungen begonnen. Er sei desertiert und habe sich in den letzten Kriegsmonaten zu Hause versteckt, weiß man in Tauscha. Doch den Bezug zu seinem Heimatdorf verlor er nicht. "Wenn sein Schulfreund, der Fleischer Helmut Klotzsche, Schlachtfest machte, war er da", erinnert sich Cousin Dieter Türke.

Schriftsteller Kurt Türke wurde am 19. Dezember 1920 in Tauscha geboren und starb am 22. Januar im Krankenhaus Radeberg.
Schriftsteller Kurt Türke wurde am 19. Dezember 1920 in Tauscha geboren und starb am 22. Januar im Krankenhaus Radeberg. © SZ-Archiv

Weiterführende Artikel

Der Schriftsteller, der gern zum Schlachtfest kam

Der Schriftsteller, der gern zum Schlachtfest kam

Kurt Türke wurde mit Krimis und Jugendbüchern in der DDR bekannt. Weniger bekannt ist sein Geburtsort. Sein Cousin lebt heute noch in Tauscha.

Mit dem Lößnitzdackel sei er von der Radebeuler Meierei bis nach Radeburg gekommen, dann über Zschorna nach Tauscha gelaufen. Oder per Fahrrad gefahren. Altbürgermeister Blatzky weiß auch, dass der freischaffende Erzähler später sehr modern geworden war: "Er kam mit dem Auto, war schick angezogen." Kurt Türke war in den Schriftstellerverband der DDR aufgenommen worden und damals verheiratet mit Ingeborg. Er hatte zwei Kinder: Volkmar und Alexandra.

Doch der berufliche Erfolg ging nicht mit persönlichem Glück einher. Türkes erster Kriminalroman "Schweigegeld" von 1957 war überaus erfolgreich und erlebte hohe Auflagen. Jedoch wurde Kurt Türkes Ehe 1975 geschieden. Er sei durch seinen Erfolg etwas überheblich geworden, sagt man in Tauscha. Sowohl Cousin Dieter als auch Altbürgermeister Blatzky erinnern sich, dass der Schriftsteller nach der Scheidung schwermütig geworden war. In seiner Vita steht: "... lebte die letzten Jahre bis zu seinem Tode im Januar 1984 zurückgezogen in Radebeul." Dietmar Blatzky glaubt, sich zu erinnern, dass sich der Schriftsteller umbringen wollte. "Das stimmt auch", sagt sein Sohn Volkmar in Weinböhla. Türke war in psychiatrischer Behandlung im Fachkrankenhaus Arnsdorf, wollte sich dort verbrennen. Gestorben ist er am 22. Januar vor 37 Jahren im Krankenhaus Radeberg. Er steht im DDR-Schriftstellerlexikon und im aktuellen Stadtlexikon von Radebeul.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain