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Es war einmal eine K&K-Bahn

Nach 30 Jahren hat Wolfgang Krause sein Gewerbe für Großenhains originellste Fahrzeuge aufgegeben. Von sechs Bahnen bleiben nur zwei in der Stadt.

Wolfgang Krause (75) mit seiner Bahnen-Flotte. Die meisten Fahrzeuge werden leider verkauft.
Wolfgang Krause (75) mit seiner Bahnen-Flotte. Die meisten Fahrzeuge werden leider verkauft. © Klaus-Dieter Brühl Archiv

Großenhain. Es war ein Abschied mit Ansage. Seit mindestens fünf Jahren verkündete Wolfgang Krause, dass die K&K-Bahn 2020 zum letzten Mal fahren wird. Und genauso ist es am Montagabend auch gekommen. Mit der Familie, mit Freunden und Weggefährten drehte der 75-Jährige eine letzte große Runde durch die Stadt. Nun ist sein Gewerbe nach 30 Jahren abgemeldet. 

Zu Ende gegangen ist damit - und viele Großenhainer werden es noch gar nicht fassen - eine lange Tradition. Seit Juni 1990 konnte sich die Stadt mit ihrer Kleinbahn schmücken. Die K&K-Bahn war immer dabei, wenn was los war: Bei den großen Feierlichkeiten wie Tag der Sachsen oder der 800-Jahr-Feier. Oder zum Kneipenfest.  Zum Weihnachtsmarkt tuckerte sie am Wochenende hörbar durch die Innenstadt. Kindergärten und vor allem die Pflegeheime nutzten sie gern. "So kamen die alten Leute mal raus und konnten sehen, was es in der Stadt Neues gibt", meint Wolfgang Krause. 

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Fast täglich unterwegs

Liebevoll ist auch die Straßenbahn gestaltet, die 2002 nach der K&K-Bahn entstand. Unter der Karosse steckt ein alter Barkas-Transporter.
Liebevoll ist auch die Straßenbahn gestaltet, die 2002 nach der K&K-Bahn entstand. Unter der Karosse steckt ein alter Barkas-Transporter. © Klaus-Dieter Brühl

In seinem Bahner-Zimmer zu Hause blättert Wolfgang Krause noch einmal in seinen Bestellbüchern. Allein die Eisenbahn war im Vorjahr 150 Mal im Einsatz. Die ursprüngliche K&K-Bahn, wegen ihres Aufbaus auch Trabi-Bahn genannt, war gut 100 Mal auf der Straße. "Manche Woche bin ich fast täglich gefahren", erinnert sich Wolfgang Krause. Keine Frage: Die Bahnen gehörten zu Großenhain und wurden vor allem für Geburtstagsrunden, Vereinsfeiern oder anderen Jubiläen gern gebucht. 

Aus Altersgründen sei nun Schluss, sagt Krause. Die Gesundheit lasse es nicht mehr zu. Und einen Nachfolger habe er ja nicht gefunden. Es gab zwar Anwärter. Doch sei es auch nicht leicht, mit seinen selbstgebauten Gefährten umzugehen, meint ihr Besitzer. Man brauche viel technisches Verständnis, müsse langsam fahren und Erläuterungen geben können. Tüftler Krause hatte deshalb extra einen Stadtführer-Lehrgang besucht. Das alles konnte ihm offenbar keiner nachmachen. 

Die 2009 gebaute Mückenbahn, die auch von Thomas Krause von der Mückenschänke und seinem Hausmeister im Stadtpark gefahren wird, hatte zum Beispiel Anfang dieses Jahres einen Motor- und Getriebeschaden. "Ich war eigentlich froh, dass Corona kam, denn die Bahn musste repariert werden", sagt Wolfgang Krause. Dabei hat er sich Schulterprobleme zugezogen, die noch immer nicht auskuriert sind. "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach", kommentiert der 75-Jährige. Aus dieser Warte gesehen falle ihm der Abschied nicht gar so schwer.

In Erinnerungen schwelgen

Zu seinen sechs Fahrzeugen gehört auch die Kinderbahn, die vorm Tag der Sachsen 2014 entstand.
Zu seinen sechs Fahrzeugen gehört auch die Kinderbahn, die vorm Tag der Sachsen 2014 entstand. © Thomas Krause

Anlässlich seiner letzten Fahrt vor der gewerblichen Abmeldung als "Mietwagen im Ausflugsverkehr" schwelgte der Großenhainer aber nochmal in Erinnerungen. Dazu hat er sich Stefan Kunath (66) eingeladen, seinen früheren Werkstattleiter bei der Armee. Hier liegen die Wurzeln der ersten Bahn, die aus NVA-Kübelwagen geschweißt wurde. Kunath steht neben Krause für das zweite K in K&K-Bahn. Mit in der Erinnerungsrunde sitzt auch Peter Groll, der diese erste Trabi-Bahn geschweißt hat. Er war Gruppenführer in der NVA-Schmiede. Später schweißte Wolfgang Krause weitere Bahnen selbst.

Extra für die Landesgartenschau 2002 hatte er die Eisenbahn erschaffen. Im Pendelverkehr verbanden K&K-Bahn und Eisenbahn die beiden Haupteingänge des Gelände. Die Straßenbahn machte als Selleriebahn im großen Festumzug zur 800-Jahr-Feier 2005 Furore. Da war auch schon der schmucke Oldtimer gebaut, der als "Bürgermeisters neuer Dienstwagen" eingeführt wurde - was natürlich ein Scherz war. 

Nur der Oldtimer, die Kinderbahn und die Mückenbahn will Wolfgang Krause behalten. Die vier anderen Bahnen werden verkauft. Frank Weser vom Ortrander Kulturbahnhof will eine erwerben. Eine Weitere soll laut Krause in den Kleinen Spreewald nach Beutersitz bei Wahrenbrück gehen. Der K&K-Bahnchef will sich die monatliche Miete sparen, die er für das Einstellen der Fahrzeuge am Alberttreff bezahlen muss.  

Wolfgang Krause und Stefan Kunath (r.) blättern in alten Fotomappen und erinnern sich daran, wie sie zu den Namensgebern der K&K-Bahn wurden.
Wolfgang Krause und Stefan Kunath (r.) blättern in alten Fotomappen und erinnern sich daran, wie sie zu den Namensgebern der K&K-Bahn wurden. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

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Die Mücken- oder Parkbahn soll aber künftig im Sommer weiter Rundfahrten im Stadtpark ermöglichen - in Verantwortung der Mückenschänke. Immer sonntags fuhr sie auch bisher schon bei schönem Wetter jeweils eine halbe Stunde ab dem Stadtparkrestaurant. Die Kindereisenbahn bleibt im Familienbesitz. Ebenso das Hochzeitsauto. "Mit dem fahre ich mit meiner Familie zu Himmelfahrt gern durch den Landkreis", sagt Wolfgang Krause. 

Das Hochzeitsauto beim Tag der Sachsen-Umzug 2014.
Das Hochzeitsauto beim Tag der Sachsen-Umzug 2014. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

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