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Frösche und Kröten verspäten sich

Die Amphibienwanderung will wegen niedriger Nachttemperaturen nicht richtig beginnen. Das ist nicht das einzige Problem der Lurche.

Erdkrötenpaare im Fangeimer: bürgerschaftliches Engagement während der Amphibienwanderung ist wegen des Bestandrückgangs eher selten geworden.
Erdkrötenpaare im Fangeimer: bürgerschaftliches Engagement während der Amphibienwanderung ist wegen des Bestandrückgangs eher selten geworden. © Nabu/Röder

Region. Kröten haben es nicht leicht. Noch vor Anbruch des Frühlings kriechen sie unter Steinen, Wurzeln oder aus verlassenen Mäusegängen hervor und machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Idealerweise passiert das in etwas wärmeren, feuchten Nächten bei etwa acht Grad Celsius. Kommt dann noch einmal ein richtiger Wintereinbruch, haben die Amphibien ein Problem. Die Teiche und Tümpel frieren zu, und oft findet man dann tote, im Eis eingeschlossene Frösche oder Kröten. So war es dieses Jahr vor allem im Westen Deutschlands, als es Anfang Februar Nachttemperaturen über zehn Grad gab, die dann von einer Kältewelle mit minus 20 Grad abgelöst wurden. Da hatten sich bereits Lurche auf den Weg gemacht, die es dann im wahrsten Sinne des Wortes kalt erwischte.

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In der Elbe-Röder-Region hingegen war es im Februar nicht so mild, sodass Fröschen, Kröten und Molchen ein solches Schicksal erspart blieb. Aber auch im März – eigentlich die Hochsaison der Laichwanderung – ist noch nicht viel passiert. Dass Tiefdruckgebiete viel Feuchtigkeit gebracht haben, kommt den Amphibien eigentlich entgegen. Aber es ist nachts eben noch zu kalt – am Osterwochenende geht es wieder in Richtung Frostgrenze. Deshalb wird sich die „Krötenwanderung“, wie sie im Volksmund heißt, wohl weiter verzögern. Dem wiederum steht der sogenannte Laichdruck entgegen, der dazu führt, dass die Tiere in größerer Zahl bei schlechten Bedingungen oder verstärkt tagsüber wandern.

Richtige Massenwanderungen sind im Elbland aber auch im April nicht zu erwarten. „Man sieht eigentlich nur noch einzelne Tiere“, sagt der Gröditzer Naturschützer Holger Lux. Das liege zum einen daran, dass die drei vergangenen Jahre zu trocken waren und dadurch viele Tümpel und kleine Teiche verschwanden. Zum anderen schrumpft der Lebensraum für Amphibien durch menschliche Aktivitäten schon seit vielen Jahrzehnten. Melioration, die Umwandlung von Grün- in Ackerland, Pestizideinsatz und der Straßenverkehr machen den sensiblen Feuchtgebietsbewohnern zu schaffen. Klaus Richter vom regionalen Naturschutzverein „pro natura“ hat noch eine andere Ursache ausgemacht: Raubfische.

Kröten müssen nicht mehr über die Straße getragen werden: Amphibiendurchlass und Leiteinrichtung an der Bundesstraße 98 bei Großenhain.
Kröten müssen nicht mehr über die Straße getragen werden: Amphibiendurchlass und Leiteinrichtung an der Bundesstraße 98 bei Großenhain. © Manfred Müller

In etliche Gävernitzer Tongruben zum Beispiel, die einst als Lurchparadies galten, wurden Zwergwelse ausgesetzt. Für diese machen der Laich und die Kaulquappen die Gewässer quasi zum Schlaraffenland. Mit der Folge, dass es dort überhaupt keinen Amphibiennachwuchs mehr gibt. So kommt es zur paradoxen Situation, dass die B 101 in der Gävernitzer Heide zwar von einer vorbildlichen stationären Leiteinrichtung mit etlichen Durchlässen gesäumt ist, die aber kaum noch von Fröschen, Kröten und Molchen frequentiert werden. Der Pro-natura-Verein hat deshalb in diesem Gebiet mit großem Aufwand ein Projekt zur Erhaltung der Kammmolch-Population gestartet.

Um das bürgerschaftliche Engagement, wie es noch vor Jahren praktiziert wurde, indem man Kröten an den Straßenrändern einsammelte und sie in Eimern über die Piste trug, ist es still geworden. In Lüttichau-Anbau zum Beispiel, wo sich beiderseits der Straße Teiche befinden, haben das Anwohner über viele Jahre gemacht. Jetzt aber findet man im Frühjahr dort kaum noch einen Lurch. An den Fernverkehrsstraßen wurden Durchlässe gebaut und Leiteinrichtungen, wie mobile oder stationäre Amphibienzäune. Neben der B 101 bei Gävernitz auch an der B 98 bei Sacka und bei Großenhain. Hier sollten Autofahrer wirklich den Fuß vom Gaspedal nehmen. Wenn eine auf der Straße hockende Kröte zwischen die Räder gerät, kann sie einen qualvollen Tod durch aerodynamische Druckeffekte sterben. Aus Sicht des Naturschutzbundes (Nabu) ist dennoch ein sachsenweiter Aktionsplan notwendig, um die Bestände der Amphibien vor weiteren Verlusten zu schützen.

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Übrigens: Wer dieser Tage auf der Fahrbahn Lurche in Kältestarre findet, sollte sie auf keinen Fall aufheben und ins Wasser setzen – in diesem Zustand ertrinken sie. Es genügt, die Kröten und Molche abseits der Straße in Laub oder Gras zu setzen, so dass die Tiere sich bei Sonneneinstrahlung aufwärmen und verkriechen können.

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