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Führerschein weg - Job weg

Ein Kurierfahrer schickt einen Pkw im Gegenverkehr ins Maisfeld, macht sich einfach davon und hofft dennoch, von einem Fahrverbot verschont zu bleiben.

Nur ein Maisfeld rettete dem Unfallopfer eines rücksichtslosen Kurierfahrers vermutlich das Leben.
Nur ein Maisfeld rettete dem Unfallopfer eines rücksichtslosen Kurierfahrers vermutlich das Leben. © Brühl/Archiv

Lampertswalde. Er gebe ja alles zu, sagt Oreste B. vor dem Riesaer Amtsgericht. Aber wenn er seinen Führerschein abgeben müsse, sei er seinen Job los. Das ist nachzuvollziehen, denn der 54-Jährige arbeitet als Kurierfahrer. Allerdings sitzt er nicht nur wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs auf der Anklagebank, sondern auch wegen Fahrerflucht - und das ist kein Pappenstiel. Was war passiert an jenem sonnigen Maitag im vorigen Jahr?

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Oreste B. befuhr mit seinem VW Touran die Straße zwischen Lampertswalde und Schönborn. Vor ihm ein schwarzer Pkw und ein Tanklastzug. Obwohl das Terrain wegen einer Kurve und einer Steigung völlig unübersichtlich war, setzte das schwarze Auto zum Überholen an. Oreste B. hängte sich mit seinem Touran hintendran – blind darauf vertrauend, dass schon kein Gegenverkehr kommen werde. Es kam aber jemand entgegen – ein Ingenieur, der mit seinem Dienstauto plötzlich einem Frontalzusammenstoß entgegensteuerte.

Der schwarze Pkw hatte zwar gerade noch auf die rechte Seite herüberziehen können, aber der Touran befand sich genau neben dem Tankfahrzeug auf der Gegenfahrbahn. Geistesgegenwärtig riss der Ingenieur das Lenkrad herum und steuerte sein Auto nach rechts in ein Maisfeld. Da beide Fahrzeuge mit Tempo 100 unterwegs waren, rettete das den Fahrern wahrscheinlich das Leben. Glücklicherweise bremsten die Maispflanzen das Auto des Geschädigten so ab, dass er keine Verletzungen davontrug. Der Schreck aber setzte seiner Psyche so schwer zu, dass er sich in Behandlung begeben musste.

Könnte man das lebensgefährliche Überholmanöver noch als einmaligen Aussetzer betrachten, geschah nun etwas Unentschuldbares. Obwohl Oreste B. sah, dass sein Gegenüber ins Maisfeld rauschte, fuhr er einfach weiter. Wie übrigens auch der schwarze Pkw und der Tanklastzug. Er habe es eilig gehabt, erklärt der gebürtige Neapolitaner. Und weil das Auto vor ihm nicht anhielt, habe er das eben auch nicht gemacht. Er sei ja auch nicht allein an der Sache schuld. Es könne ja auch sein, dass der Geschädigte wegen des schwarzen Pkw ins Maisfeld gefahren sei.

Als der Ingenieur in den Zeugenstand gerufen wird, bestreitet er das allerdings. Er habe zunächst gebremst, und erst, als sich der schwarze Pkw wieder rechts einordnete, drohte der Zusammenstoß mit dem nachfolgenden Touran. Dumm für den Angeklagten, dass hinter den Unfallbeteiligten noch ein Auto unterwegs war, das eine sogenannte Dashcam an der Frontscheibe hatte. Deren Aufnahmen bestätigten die Aussagen des Ingenieurs.

Dennoch keine leichte Aufgabe für das Gericht, das richtige Strafmaß zu finden. Der temperamentvolle Italiener ist mit keiner Vorstrafe belastet und hat sich außer einer kleineren Geschwindigkeitsübertretung bisher keines Verkehrsdeliktes schuldig gemacht. Bringt man so einen Mann um seinen Job? Selbst der Staatsanwalt ringt mit sich. Aber da ist neben dem lebensgefährlichen Leichtsinn eben auch noch die Fahrerflucht.

Deshalb fordert die Anklage neben einer saftigen Geldstrafe ein Vierteljahr Fahrverbot. Richterin Ingeborg Schäfer kommt dem Angeklagten zwar noch etwas entgegen und setzt den Fahrerlaubnisentzug auf zwei Monate herunter. Aber zu einem Fahrverbot, das man im Urlaub absitzen kann, mag auch sie sich nicht herablassen. Es gehe nicht an, sich bei Regelverstößen im Straßenverkehr auf Eile und Stress zu berufen, erklärt sie. Um das zu verhindern, seien die Vorschriften ja gerade gemacht. Wahrscheinlich ist Oreste B. seinen Job nun los und muss obendrein noch 2.100 Euro Geldstrafe sowie die Verfahrenskosten berappen. Hätte er mal besser sein Auto gestoppt, um dem Geschädigten zu Hilfe zu kommen.

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