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Fürs Arbeiten aus Dresden in den Park Zabeltitz

Jens Fischer von der Kreativfirma K.U.L.T.Objekt kann man mit Laptop auf der Elisabeth-Insel treffen. Hier kommen ihm Ideen auch für den Großenhainer Handel.

Jens Fischer und seine Frau Birgit von K.U.L.T.Objekt Dresden diesmal mit Hund Oskar im Barockpark Zabeltitz. Oskar gehört zum "Personal" der Firma und hat als Zuständiger fürs Securitainment (Sicherheit) sogar eine eigene Emailadresse.
Jens Fischer und seine Frau Birgit von K.U.L.T.Objekt Dresden diesmal mit Hund Oskar im Barockpark Zabeltitz. Oskar gehört zum "Personal" der Firma und hat als Zuständiger fürs Securitainment (Sicherheit) sogar eine eigene Emailadresse. © Kristin Richter

Zabeltitz. Jens Fischer arbeitet für starke Marken wie Douglas und Karstadt, das Radebeuler Karl-May-Museum oder den Dresdner Fernsehturmverein. Seit 2000 betreibt der umtriebige Dresdner auf der dortigen Großenhainer Straße eine deutschlandweit angesehene Planungs- und Projektagentur. Wenn er als kreativer Kopf mal wieder Gedankenfreiheit braucht, schnappt er seinen Laptop, setzt sich ins Auto und fährt in den Barockgarten Zabeltitz. Nein, nicht nach Pillnitz oder Moritzburg, was vielleicht näherliegend wäre. "Im Zabeltitzer Schlosspark finde ich eine Mischung aus Ruhe, Natur, Kultur und eine besondere freie Arbeitsatmosphäre", begründet der 60-Jährige zufrieden. Hier sei er geschützt, sei vielleicht gedanklich in Hamburg, und doch ganz da.

Wie kommt ein Dresdner zu solchen Arbeitsbesuchen? Was hat Zabeltitz, was andere nicht haben? Für Jens Fischer liegt die Antwort nahe: "Auf der Elisabeth-Insel unterm Pavillon finde ich einen 360-Grad-Rundumblick ins Grüne vor." Hier kann er sich ungestört in seine Aufgaben reindenken. Außerdem sei er von Dresden aus "in nur ein paar Minuten da". Zabeltitz sei für Großenhain, was die Albrechtsburg für Meißen ist: Ein Zugpferd, das die Großenhainer noch stärker für ihren Einzelhandel nutzen könnten.

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Was hat das nun wieder miteinander zu tun? Der Dresdner erzählt von einer Veranstaltung, die er kürzlich gedanklich im Zabeltitzer Park vorbereitete: einen Cross Innovation Talk zum Thema Verkaufskultur. "Diese Gesprächsrunde beschäftigte sich damit, wie es für unsere Innenstädte und Handelsstrukturen nach Corona weitergehen kann", erzählt Jens Fischer. "Die jetzt immer deutlich sichtbarer werdenden Lücken im stationären Handel sind besorgniserregend", sinniert der Digitalexperte. Doch es gibt etwas, das als Trumpf gerade die kleinen Städte schaffen könnten: Es kommt darauf an, die Menschen für etwas zu begeistern, ihren Einkauf zum Erlebnis zu machen. Kleine Städte könnten schneller Synergien nutzen. Der Barockpark sei für Großenhain ein Geschenk.

Wenn der findige Dresdner seine Gedanken durch den Barockgarten fliegen lässt, stellt er sich vor, wonach Menschen jetzt nach Corona wohl besonders suchen: "nach sozialen Kontakten, echten Einkaufserlebnissen, Gastronomie, Kultur- und Kunstmomenten." Wenn Fischer mit seiner Frau Birgit nach Zabeltitz fährt, dann machen sie einen Stopp in Großenhain zum Einkaufen. "Ich suche hier Heimat, und das geht doch vielen Dresdnern so", findet der 60-Jährige. Im Umland haben die Großstädter die Chance, in ein anderes Umfeld einzutauchen. Andere Architektur und andere Landschaft. Hier könnten sie sich in ihrem eigenen Ich wiederfinden. Deshalb arbeitet Fischer an Konzepten, wie man auf andere Art verkaufen lernt.

Wer sich das mal anschauen will, sollte demnächst in die neue Whiskeymanufaktur am historischen Dresdner Hafen fahren. Die hat Fischers Büro K.U.L.T.Objekt konzeptionell erdacht. "Es braucht Unternehmer, die mit ihrem Gespür für Chancen, mit Kreativität und Selbstvertrauen Neues erschaffen", sagt Jens Fischer. Er glaubt nicht nur an die Zukunft lebenswerter Innenstädte. Er arbeitet daran. "Klar werden auch künftig viele Menschen weiter im Internet einkaufen. Aber sie werden Studien zufolge auch zu 70 Prozent stationär einkaufen - und zwar nach Erlebniswert", sagt der Dresdner. In kleinen Städten wie Meißen, Pirna oder Großenhain sei der Kunde keine Nummer. Hier vermittelt man ihm ein gutes Gefühl und Wertschätzung - und als Bonus nach dem Einkauf noch einen wundervollen Park. Der Kreativ-Direktor hat die Welt gesehen, hat international gearbeitet. Jetzt begeistert ihn Zabeltitz. Denn er hat die Entwicklung des Parks mitverfolgt: vom runtergekommenen Grünflecken zum Areal, das heute vom Schlösserland Sachsen vermarktet wird.

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Jens Fischers Idee, die er auf Vermittlung von Daniel Erhardt vom Lionsclub bald auch bei "Großenhain aktiv" vorstellen will, heißt City Store: Ein Laden, ein Café, eine Galerie, ein Treffpunkt von Stadt und Region. Ein lokales Einkaufserlebnis, ein begehbarer Marktplatz. Ein Showroom für regionale Produkte, Dienstleistungen und Sehenswürdigkeiten - die Visitenkarte einer lebendigen Stadt. Genau genommen hat Großenhain schon viel davon: die Veranstaltungen der Fördergemeinschaft wie die Einkaufsnacht am 17. Juli gehen in die Richtung. Jens Fischer sieht aber nicht nur die Einzelaktionen, sondern schlägt einen permanenten Zustand vor: Destination Shopping. Garnisonsstadt Shopping. Jedem Dresdner müsste es ein Bedürfnis werden, wenigstens einmal in Großenhain auf Einkaufstour gewesen zu sein. Im grünen Zabeltitzer Barockpark hat Fischers Idee konzeptionelle Gestalt bekommen. Hier könnte auch die Vollendung bei einem Kaffee vorm Palais, wenn dann die Kundenströme kommen, stattfinden.

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