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Gegen Kiesabbau angewandert

Mehr als 100 Umweltinteressierte folgten einer Einladung der Würschnitzer Bürgerinitiative ins Tagebaugebiet nördlich von Dresden.

Insgesamt 120 Naturinteressierte wanderten am Sonntagnachmittag auf Einladung der örtlichen Bürgerinitiative zum Kiesabbaugebiet. Hier erläutert Matthias Schrack (r.) die Auswirkungen.
Insgesamt 120 Naturinteressierte wanderten am Sonntagnachmittag auf Einladung der örtlichen Bürgerinitiative zum Kiesabbaugebiet. Hier erläutert Matthias Schrack (r.) die Auswirkungen. © Norbert Millauer

Würschnitz. Es war nicht nur Corona geschuldet, dass zwei Gruppen gebildet werden mussten, die am Sonntagnachmittag vom Dörfchen Würschnitz aus zum Kiestagebau wanderten. Bei gut 120 Teilnehmern hätte wahrscheinlich auch das Stimmvolumen der Initiatoren von der Bürgerinitiative contra Kiesabbau nicht ausgereicht. Die wollten einer breiten Öffentlichkeit zeigen, wie nahe die bereits vorhandene und die westlich vom Dorf geplante Grube ihrem Dorf kommen und welche Auswirkungen das auf die Lebensqualität, aber auch auf die geschützte Natur im Umfeld der Tagebaue hat. 

Die Rechnung ging auf: Neben Naturfreunden und Umweltschützern kamen auch Landespolitiker und Bürgermeister sowie CDU-Landratskandidat Ralf Hänsel. „Wir müssen die Ängste der Leute hier anerkennen und verstehen“, sagte Hänsel nach der Veranstaltung. Das Oberbergamt Freiberg hingegen habe eine Gelegenheit vergeben, zuzuhören und sich zu äußern.

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Eigentlich hatten die Würschnitzer den verantwortlichen Mitarbeiter des Amtes für Würschnitz West mit eingeladen, und der hatte auch zugesagt. Dann aber musste ihre Infowanderung wegen Corona verschoben werden, und für den neuen Termin kam aus Freiberg eine Absage. Er glaube, dass die Beteiligten generell nicht genug miteinander gesprochen haben, sagt Ralf Hänsel. Im Falle seiner Wahl zum Landrat werde er alle an einen Tisch bringen und ein solches Gespräch moderieren. Hänsel ist in Umweltfragen nicht ganz unbeleckt – Anfang der Nullerjahre leitete er in Meißen die Untere Naturschutzbehörde. 

Die unterschiedlichen Standpunkte einander anzunähern, dürfte allerdings nicht einfach werden. Schon allein deshalb, weil der größte Teil der Kiesabbaugebiete gar nicht im Landkreis Meißen, sondern im benachbarten Bautzen liegt. Die Auswirkungen hingegen machen an der Kreisgrenze nicht halt. Im 250-Seelen- Dörfchen Würschnitz fällt seit Jahrzehnten der Grundwasserspiegel, viele Hausbrunnen sind bereits versiegt. Das führen die Mitglieder der Bürgerinitiative auf den großflächigen Kiesabbau zurück – was von den Betreibern und vom Oberbergamt bestritten wird.

Es war ein Protest-Spaziergang von Anwohnern gegen den Kiesabbau in der Umgebung von Würschnitz.
Es war ein Protest-Spaziergang von Anwohnern gegen den Kiesabbau in der Umgebung von Würschnitz. © Norbert Millauer

Naturschützer Matthias Schrack sieht vor allem die Schäden, die der neue Tagebau den Großdittmannsdorfer Niedermooren zufügen würde. Denen drohen durch die Abbaupläne des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla zwei Gefahren. Zum einen, so Schrack, werde durch die neun Meter tiefen Gruben der Grundwasserzufluss gestört, wodurch die Moore auszutrocknen drohen. Zum anderen ist geplant, den Tagebau anschließend mit Bauschutt zu verfüllen. Das aber würde viele unerwünschte Nährstoffe in die Moore eintragen, die ja gerade wegen ihrer Nährstoffarmut so wertvolle Biotope sind.

Schrack ist Leiter der Nabu-Fachgruppe Ornithologie  im benachbarten Großdittmannsdorf  und  in der Region als Naturschutzaktivist bekannt. Wenn man Erfolg haben wolle, sagt er, müsse man darauf aufmerksam machen, was der Kiesabbau für die umliegenden Schutzgebiete bedeutet. Tatsächlich liegen sage und schreibe sieben Flora-Fauna-Habitatgebiete und Vogelschutzgebiete im Einzugsbereich der geplanten Kiesgrube. Bei der Wanderung am Sonntagnachmittag forderte Schrack zum wiederholten Male ein unabhängiges hydrologisches Gutachten für das Abbaugebiet und seine Umgebung.

Die Würschnitzer Bürgerinitiative contra Kiesabbau erhofft neben Unterstützung durch die Naturschutzverbände auch, dass die Bevölkerung der Landeshauptstadt für das Problem sensibilisiert wird. „Hier beginnt die grüne Lunge Dresdens“, sagt BI-Sprecherin Isolde Rienecker. In Zeiten des Klimawandels sollte man schon überlegen, ob es die Kiesgewinnung wert ist, diese abholzen und wegzubaggern.

Kies-Abbaufeld in der Laußnitzer Heide. Ein weiterer Tagebau westlich des Dorfes Würschnitz ist bereits geplant.
Kies-Abbaufeld in der Laußnitzer Heide. Ein weiterer Tagebau westlich des Dorfes Würschnitz ist bereits geplant. © Manfred Müller

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