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Großenhain hofft auf viel Storch-Nachwuchs

Mehr als 40 Horste sind besetzt. Wie viele Jungtiere am Ende ausfliegen, ist aber noch ungewiss – wie das Beispiel Görzig zeigt.

Ein junger Storch wird bei einer Beringung vermessen. Was in manchen Dörfern mit einem Fest verbunden wird, muss wegen Corona auch 2021 kleiner ausfallen.
Ein junger Storch wird bei einer Beringung vermessen. Was in manchen Dörfern mit einem Fest verbunden wird, muss wegen Corona auch 2021 kleiner ausfallen. © Sebastian Schultz

Görzig. Der Riesaer Storchenbeauftragte Olaf Gambke frohlockt bereits wegen der hohen Zahl an Brutpaaren – und auch im Großenhainer Raum gibt es Anzeichen dafür, dass das Storchenjahr recht ordentlich werden könnte. Nach ersten Zählungen sind 42 Horste besetzt, genauso viele wie im vorigen Jahr. Wie viele Paare davon erfolgreich brüten und wie viele Jungstörche ausfliegen, lässt sich aber momentan schwer abschätzen.

In den meisten Horsten sind zwei bis drei Junge geschlüpft – das liegt im langjährigen Mittel. Bei Matthias Marth in Görzig zum Beispiel sitzen drei Storchenkinder im Nest. „Aber eins davon ist nur halb so groß wie die anderen beiden“, schildert er. „Jedes Mal, wenn die Eltern mit Nahrung kommen, wird es von seinen Geschwistern beiseite geschubst.“ Marth rechnet damit, dass der Kleine nicht überleben wird. Das Görziger Storchenpaar ist schon seit sechs Jahren zusammen und eigentlich sehr erfahren bei der Jungenaufzucht. Das Männchen stammt sogar von hier: Es ist 2008 auf dem Marthschen Horst geschlüpft und wurde hier auch beringt.

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„Storchenparty“ muss wohl ausfallen

​Normalerweise ist das Dörfchen für seine Storchenpartys bekannt, die hier Ende Juni/Anfang Juli stattfinden. Da kommen Gäste aus der ganzen Region, um den Naturschützern beim Vermessen, Wiegen und Beringen der Jungstörche zuzusehen. Das wird dieses Jahr, wie auch schon 2020, coronabedingt nicht möglich sein. „Vielleicht machen wir nur eine kleine Veranstaltung für die Kinder im Dorf“, sagt Matthias Marth.

Ob der Ministorch dann noch dabei sein wird, ist eher fraglich. Warum der Kleine in einem so schlechten Zustand ist, darüber kann der Görziger „Storchenvater“ nur rätseln. Die Wiesen rund um seinen Heimatort seien schon seit längerer Zeit abgemäht. Vielleicht fänden ja die Altstörche nicht mehr genug Nahrung, um drei Jungtiere durchzubringen, vermutet Matthias Marth.

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