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Großenhainer Kabarettnacht strapaziert die Lachmuskeln

Nach der Premiere im Vorjahr schlägt auch die Wiederholung gut ein. 120 Zuschauer erleben einen amüsanten Abend mit vielen Gags im Kulturschloss.

Marion Bach, Heike Rönniger und ihr Pianist von der Magdeburger Zwickmühle sorgten für wahre Lachsalven.
Marion Bach, Heike Rönniger und ihr Pianist von der Magdeburger Zwickmühle sorgten für wahre Lachsalven. © Norbert Millauer

Großenhain. Wenn Sie vor die Wahl gestellt werden: Kabaretttickets oder Scheidungspapiere? Dann wählen Sie natürlich erstere. Gastgeber Martin Sierp ist sich sicher, dass die meisten Männer natürlich freiwillig ins Kulturschloss zur zweiten Großenhainer Kabarettnacht gekommen sind. Denn es hat sich herumgesprochen, dass schon die Erstauflage im Vorjahr ein Abend war, den man nicht verpasst haben sollte.

Das Humorbüro vom Schwielowsee als Veranstalter stellte ein weiteres Mal einen höchst amüsanten Ensembleabend zusammen, der diesmal sachsen-anhaltinische Breitseite aufwies: Sowohl das Kabarett Zwickmühle als auch die Hengstmann-Brüder kommen aus Magdeburg. Sie garantierten Lachsalven von Anfang an. Die beiden Darstellerinnen und Sängerinnen der Zwickmühle spielen scheinbar eine öffentliche Probe mit Publikum, mit dem sie durch Corona eigentlich noch gar nicht gerechnet haben. Ihre flotte Verfolgungsgeschichte der beiden russischen Prostituierten Nina und Natascha ist nicht wirklich abgegriffen, sondern offenbart einige witzige Hintergedanken und aktuelle Bezüge. Immerhin wissen die Magdeburger, was uns bei Corona bei 1-G bevorsteht: einfach nur noch genehmigt. Szenenapplaus gibt es für die Feststellung, welcher der ultimative Corona-Song ist: Atemlos durch die Nacht. Manchmal muss Humor eben wehtun.

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Lachmuskeltraining erleben die 120 Zuschauer - mehr geht unter Pandemie-Auflagen gar nicht - auch nach der Pause. Conférencier Martin Sierp hatte schon zu Anfang mit seinem Sofamonolog das Publikum in Stimmung gebracht. Nun lässt er es mit einer Udo-Lindenberg-Parodie erst recht krachen. Der studierte Musiker brilliert an Klavier und zum Schluss auch an der Gitarre: Er versteht es, die Zuschauer mitzunehmen und unterhält kurzweilig auf hohem Niveau. Sein "Date in der Oper" ist einfach nur zum Quieken.

Mit ihrer aktuell-politischen Comedy schließen die Hengstmann-Brüder nahtlos an diese Messlatte an. Sie heißen Sebastian und Tobias, erfährt man, und haben schon 22 Duoprogramme aufgeführt. Seit 2005 machen sie Kabarett und stammen aus einer Magdeburger Humor-Dynastie. In griffiger Manier durchforsten sie das aktuelle Tagesgeschehen und erinnern an die Zeit vor Corona, als wir noch Probleme wie die Kassenbonpflicht hatten. Witzig spritzig werfen sie sich im Dialog die Stichworte zu und kommentieren den brandaktuellen Rücktritt des Österreichers Sebastian Kurz: "Da ist doch jetzt ein Kanzlerposten frei - vielleicht werden wir den Laschet so los..."

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