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Großenhainer Kloster endlich erforscht

Sachsens Geschichtskenner arbeiten an einem großen Klosterbuch. Das frühere Hayn ist darin prominent vertreten, weil bisher kaum beschrieben.

Das ehemalige Kloster an der Heinrich-Heine-Straße, von der Promenade aus gesehen.
Das ehemalige Kloster an der Heinrich-Heine-Straße, von der Promenade aus gesehen. © Archiv SZ

Großenhain. Ein  Magdalenerinnen-Kloster wurde in Hayn schon im 13. Jahrhundert gegründet. Es bestand fast drei Jahrhunderte - bis zur Reformation 1539. Der Klostergarten der Bücherei und der Gewölbesaal im ehemaligen Gesellschaftshaus künden noch heute davon. Dieses Kloster wurde bisher allerdings weder landes- noch ortsgeschichtlich tiefer erforscht. Das ändert sich gerade mit der Vorarbeit zu Sachsens großem Klosterbuch. 

Im Gebiet des heutigen Freistaates bestanden im Mittelalter 76 Klöster, Stifte und Komtureien an 79 Standorten. Sie werden in diesem Standartwerk von Geschichtsforschern genauer beleuchtet. Neben dem Großenhainer Nonnenkloster an der jetzigen Bücherei, das vorher Propstei war, geht es auch um das Mönchskloster, das es an der heutigen Heinrich-Heine-Straße gab. Das Klosterbuch ist ein Projekt des Instituts für sächsische Geschichte und Volkskunde Dresden bzw. des Lehrstuhls für Sächsische und Vergleichende Landesgeschichte der Universität Leipzig. 

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Klöster und Stifte stellten als geistliche Gemeinschaften tragende und prägende Strukturen der vormodernen Verfassung, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur dar. Ihre Bedeutung und ihr Einfluss reichten ab dem 13. Jahrhundert weit über den kirchlichen Bereich hinaus. Neben dem flächendeckenden Netz der Pfarreien waren die Klöster und Stifte die breiteste Schnittstelle von Kirche und Welt. 

Zum Magdalenerinnen-Kloster hat  Autor Jörg Voigt circa 70 fast 800 Jahre alte Urkunden im sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden gefunden. Die Anfänge des Klosters reichen in den Zeitraum 1235/40 zurück. Wir erinnern uns: 1205 bzw. 1207 wurde der Hayner Scheffel erstmalig genannt, was die Basis für die 800-Jahrfeier war. 1220 bzw. 1238 wird Hayn als Stadt urkundlich ersterwähnt. Schon vor dem Kloster bestand vor 1226 der säkulare Stift St. Georg des Meißner Bischofs Bruno II. am Neumarkt, der höchsten Stelle der Innenstadt. Eine Pfarrkirche wird schon 1212/15 genannt. 

Das Kloster an der heutigen Bibliothek am Neumarkt, vom Musikerring aus gesehen.
Das Kloster an der heutigen Bibliothek am Neumarkt, vom Musikerring aus gesehen. © Archiv SZ

Zuerst hatten im Frauenkloster offenkundig Männer das Sagen. Denn Priester Bertram wird als Prior schon 1240 erwähnt, Priorin Christina erst 1284. Beide waren Vorsteher des Klosters, Bertram gehörte zu den Brüdern des Ordens der Büßer. Der Wettiner Heinrich der Erlauchte hat das Großenhainer Kloster den Forschungen nach stark gefördert.

Das Mönchskloster des Serviten Ordens entstand ab 1318 am damaligen südlichen Rand der Stadt, an der Stadtmauer, heute Heinrich-Heine-Straße. Es soll dem Heiligen Erasmus und Laurentius geweiht worden sein. 1486 werden 19 Ordensbrüder genannt. Der Konvent zählte in der "Provinz Allamanie" zu den mittelgroßen Ordenshäusern. 

Die Abfolge der Ordensgründungen und Reformbewegungen, Elemente einer überregionalen, europaweiten Vernetzung und Verflechtung, zeugen von einer Attraktivität religiöser Gemeinschaftsbildung im Mittelalter. Das Klosterbuch, das derzeit erarbeitet wird, ist als Nachschlagewerk für alle weiterreichenden und tiefergehenden Untersuchungen, nicht zuletzt in überregional vergleichender Perspektive, gedacht.  

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