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Günstige Mieten, aber zu viel Leerstand

Die Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft Großenhain und Umgebung müssen erstmals schriftlich abstimmen.

An der Weßnitzer Straße baut die Genossenschaft zwei neue Wohngebäude. Sie sind schon fast vollständig vermietet.
An der Weßnitzer Straße baut die Genossenschaft zwei neue Wohngebäude. Sie sind schon fast vollständig vermietet. © Kristin Richter

Großenhain. Die 1.353 Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft in Großenhain, Kalkreuth und Priestewitz müssen abstimmen, aber diesmal schriftlich. Ihre Jahreshauptversammlung kann Corona-bedingt nicht stattfinden. Die SZ sprach mit  den Vorständen Thomas Schippmann und Kathrin Philipp über die aktuelle Situation. 

Herr Schippmann, Sie wollten Ihre Mitglieder schon im Juni einladen, dann am 9. November. Nun ist klar: Das wird dieses Jahr nichts mehr. Die schriftliche Variante ist ziemlich aufwendig.

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Ja, wir hatten sogar schon einen Raum, der die Abstandsbestimmungen gewährleistet hätte. Aber nun hat sich ja alles nochmal zugespitzt. Bis 14. Dezember bitten wir unsere Mitglieder nun um schriftliche Beschlüsse zu Geschäftsbericht und Bericht des Aufsichtsrates. Wir suchen auch Stimmauszähler für die Auswertung. 

Ihre Mitgliederentwicklung ist positiv, bis Jahresende 2019 bekamen sie mehr neue Mieter als das Jahr zuvor. Aber die Zahl der vergebenen Wohnungen ist rückläufig. Wie sehen Sie den Stand der Vermietung?  

Wir hatten 81 Zugänge und damit etwas weniger als im Vorjahr, aber dafür mit 55 auch sehr viel weniger Abgänge zu verzeichnen. Alle Mieter bei uns sind ja auch Genossenschaftsmitglieder. Der Aufwärtstrend hält erfreulicherweise an. Allerdings standen zu Jahresende 2019 aber 159 Wohnungen von insgesamt 1.349 leer. Das ist eine Quote von zwölf Prozent. Wir als Verwaltung und unser Aufsichtsrat sind damit nicht zufrieden. Das bleibt also weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt. 

Sie sagen: Genossenschaftliches Wohnen ist sicher wie Eigentum und flexibel wie Miete. Warum stehen dann trotzdem noch Wohnungen leer? 

Der größte Teil der freien Einheiten ist im Plattenbau-Wohngebiet Waldsiedlung, aktuell 125 von 161 leeren Einheiten. Wohnungssuchende stellen heute zum Teil hohe Ansprüche an eine zeitgemäß ausgestattete Wohnung. Und wir sind ja nicht der einzige Anbieter. Ein Drittel der 70 Kündigungen im Vorjahr waren allein Sterbefälle bzw. Umzüge ins Pflegeheim. 

Wir bekommen damit sehr viele Wohnungen in unseren Bestand zurück, in denen zum Teil noch der Zustand der Erstbelegung zu finden ist. Vor einer Neuvermietung müssen die dem heutigen Stand angepasst werden. Konkret betraf das 19 Wohnungen mit einem Kostenaufwand von 330.000 Euro. Das sind Kosten pro Wohnung von 10.000 bis 20.000 Euro, im Altbau sogar noch darüber. Das liegt an erhöhten Preisen für Baumaterial und -leistungen.

Den durch Leerstand geschmälerten Einnahmen stehen also hohe Investitionen gegenüber. Wo genau wurde in jüngster Vergangenheit investiert?     

Eingerechnet die schon genannten Kosten für eine Komplettsanierung vor Neuvermietung, haben wir über eine Million Euro in Instandhaltung und Modernisierung gesteckt. Eine der größten Baumaßnahmen war die Trockenlegung der Gustav-Schuberth-Straße 2-12 in Mülbitz. Das Gebäude ist mit Baujahr 1920 eines der Ältesten der Genossenschaft. 

Es gab Feuchtigkeitsschäden durch abflusslose Bestandsklärgruben, die sich direkt unter dem Gebäude befanden. Das Haus erhielt auch einen neuen Fassadenanstrich, genau wie die Dresdner Straße 41-43 und die Großraschützer Straße 2. In der Merschwitzer Straße 36 sind die Abwasseranschlüsse 2019 erneuert worden. Treppenhäuser wurden in der Preuskerstraße 25-29 und 31-35 bzw. in der Dresdner Straße 45-47 saniert. 

Betrifft das nur Malerarbeiten?

Nein, es wurden auch neue Wohnungseingangstüren, die den heutigen Sicherheitsbestimmungen entsprechen, sowie Brandschutztüren zu den Böden und Kellern eingebaut. Ebenso wurden die Elektroleitungen und die alten Schächte in den Treppenhäusern erneuert. Das hat alles in allem fast 127.000 Euro gekostet. Es ist sehr ärgerlich, wenn schon nach kurzer Zeit Beschädigungen oder Verschmutzungen auftreten. 

Trotz dieser hohen Kosten ist Wohnen in der Genossenschaft zu moderaten Preisen möglich. Die Kaltmiete liegt bei Ihnen laut Bericht im Durchschnitt bei 4,28 Euro pro Quadratmeter. Und trotzdem gibt es noch Mietschuldner.

Die Forderungen aus rückständigen Mieten gehen zurück. Sie betrugen 2018 noch über 5.000 Euro, zu Vorjahresende nur noch rund 4.000 Euro. Die Hälfte sind längerfristige Schulden, die entweder über Ratenzahlung oder unser Auseinandersetzungs-Guthaben ausgeglichen werden. Leider müssen wir auch immer mal unseren Rechtsanwalt einschalten und offene Beträge gerichtlich einklagen.

Oftmals haben wir dann zwar einen pfändbaren Titel, aber es ist keine pfändbare Habe vorhanden. Seit 2000 sind uns dadurch circa 124.900 Euro verlorengegangen. Deutlich gestiegen ist auch die Anzahl der Wohnungen, deren Mieter verstorben sind, und wo keine Angehörigen mehr da sind oder diese das Erbe ausschlagen. In diesen Fällen räumen wir die Wohnung, was zu Lasten der Genossenschaft geht.

Die Gustav-Schuberth-Straße gehört zu den ältesten Gebäuden der Genossenschaft und wurde jetzt gründlich modernisiert.
Die Gustav-Schuberth-Straße gehört zu den ältesten Gebäuden der Genossenschaft und wurde jetzt gründlich modernisiert. © Kristin Richter

Zum Schluss wieder etwas Positives: Für die kommenden Jahre wird Ihnen von den Prüfstellen eine positive Entwicklung bestätigt. Die Genossenschaft baut auch neu in der Weßnitzer Straße.  

Die beiden Mehrfamilienhäuser mit 29 Wohnungen liegen im Zeitplan, die ersten Wohnungen sind bereits abgenommen. Bis auf eine sind alle Einheiten vermietet. Wir liegen auch kostenmäßig im Plan. Und können aller Voraussicht nach die Wohnungen sogar zwei Monate eher an die Nutzer übergeben. 

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