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Innen- vor Außenentwicklung

30 Einwohner lauschen den Erläuterungen zum Großenhainer Flächennutzungsplan. Es gibt einige Überraschungen - die Diskussion ist vielfältig.

Die Meißner Straße 16 in Großenhain ist ein Beispiel für geplante Innenstadtsanierung, die Vorrang haben soll vorm Bauen auf der grünen Wiese.
Die Meißner Straße 16 in Großenhain ist ein Beispiel für geplante Innenstadtsanierung, die Vorrang haben soll vorm Bauen auf der grünen Wiese. © Kristin Richter

Großenhain. Wie viel Wohnbebauung auf der grünen Wiese ist künftig noch möglich? Was bedeutet der Großinvestor auf dem Flugplatz für die Stadtentwicklung? Was wird aus den Kleingärten? Viele Fragen bewegen die etwa 30 Einwohner inklusive Stadt- und Ortschaftsräte, die an diesem Dienstagabend in den Alberttreff gekommen sind. Hier wird in einer Einwohnerversammlung der Vorentwurf des Flächennutzungsplanes vorgestellt. Erarbeitet haben ihn Ellen Schwarz und Ansgar Kaup vom Büro Richter & Kaup aus Görlitz - dem Ingenieurbüro, das auch das Raumordnungsverfahren für den 230 Hektar großen Industriepark-Nord mit 150 Hektar bebaubarer Fläche vorbereitet.

Nach 15 Jahren ist ein neuer Flächennutzungsplan für die Gesamtstadt fällig. Denn die alten Pläne von Großenhain und Zabeltitz sind von 2006. Auch der neue Plan wird etwa zehn bis 15 Jahre Bestand haben. Bürgermeister Tilo Hönicke weist darauf hin, dass zwei Monate lang, vom 8. Juli bis 9. September Stellungnahmen und Hinweise eingereicht werden können. In dieser Zeit äußern sich auch die 48 Träger öffentlicher Belange. Hönicke zu den Einwohnern: "Kommen Sie ins Rathaus oder rufen Sie uns an, dann kommen wir auch zu Ihnen."

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Neue Eigenheime in den Ortsteilen sind möglich und erwünscht, aber nur zur Abrundung der Dorfstruktur.
Neue Eigenheime in den Ortsteilen sind möglich und erwünscht, aber nur zur Abrundung der Dorfstruktur. © Anne Hübschmann

Plan soll Spielraum lassen

Ansgar Kaup erläutert die Aufgaben und Inhalte des Planes, der im Maßstab 1:20.000 ausgehängt ist. Auf dem Beteiligungsportal im Internet und der Homepage der Stadt ist er für jeden genau einsehbar. "Er ist keine Satzung, lässt also Spielraum für wunschhaftes Arbeiten der Stadt", so Kaup. Zur Pflicht wird er nur bei der Anpassung an die höhere Raumplanung, zum Beispiel beim Hochwasserschutz. Vorgaben des Regionalplanes werden hier übernommen und sind dann gesetzt.

Großenhain verfügt mit dem integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) und den Planungen für das Industriegebiet Nord laut Kaup über zwei Besonderheiten. Daraus haben die Macher fünf Schwerpunkte für die Bodenplanung abgeleitet. Erstens: die Stärkung des Wohn- und Geschäftsstandortes Innenstadt. Zweitens: eine nachhaltige Wohnentwicklung auf der Basis der Bevölkerungsvorausberechnung bis 2035. Drittens: eine ökologische und Klimaentwicklung. Viertens: das Industriegebiet und fünftens: die Entwicklung der Ortsteile.

Innen- vor Außenentwicklung ist die erklärte Maxime für die Kernstadt. Bei 17 Prozent Leerstand und dem Baulückenkataster gibt es für die Stadtväter dazu keine Frage. Der Promenadenring wird weiter als eine den Stadtkern rahmende Grünfläche entwickelt. Bei neuen Wohnflächen aber hält man sich zurück. Es könnten 230 bis 250 neue Einheiten ausgewiesen werden, doch nur 180 Standorte hat die Stadt vorgesehen. Dazu gibt es eine Überraschung: die alte Hausmülldeponie, der spätere Kohlelagerplatz an der Straße Am Stadtpark, soll zu einem neuen Wohngebiet entwickelt werden. Hier gab es einen Eigentümerwechsel.

Die Brachfläche gegenüber der Albertmühle am Stadtpark, eine ehemalige Hausmülldeponie, soll ein kleines Wohngebiet werden.
Die Brachfläche gegenüber der Albertmühle am Stadtpark, eine ehemalige Hausmülldeponie, soll ein kleines Wohngebiet werden. © Norbert Millauer

Neubauten in Zschauitz, Stroga, Skäßchen

Ortsabrundungen durch einzelne Neubauten sind auch in Zschauitz, Stroga, im Preuskerviertel sowie in Skäßchen geplant. Bauda, Wildenhain und Strauch sind ebenfalls für Eigenheime mit Flächen vertreten. Dennoch will man das Bauland in den 19 Ortschaften künstlich verknappen, um zum Beispiel aufs Land drängende Dresdner lieber in alte Bestandsimmobilien zu bringen. Das ist im Vorfeld sehr intensiv mit den Ortschaftsräten diskutiert worden. Der Baudruck ist gerade groß, weiß Planer Kaup.

Großenhain will sich da weiter als freundliche Stadt im Grünen etablieren. Die Röderaue muss geschützt werden, Elligast- und Spitalbachaue werden als Biotopverbund gedacht. Die Planer sprechen von Strukturierung der Agrarlandschaft. Im Gegensatz dazu wird beim Industriegebiet Nord als Fläche des Freistaates die künftige Wirtschaft in den Fokus genommen. Hier arbeitet man laut Oberbürgermeister Mißbach und Planer Kaup gerade an der Anbindung an die Hauptstrecken in Sachen Verkehr, Strom und Wasser. Die Medienzuführung für die Großansiedlung schlägt sich allerdings kaum im Flächennutzungsplan nieder. Ansgar Kaup: Dafür läuft ein Raumordnungsverfahren für eine 110er-KV-Leitung. Alle Investorenanfragen hätten hohen Strombedarf signalisiert.

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In der Diskussion ging es um Windkraft, die Stadterhaltungssatzung, die Kleingärten, Wald und Erholung oder die Sportinfrastruktur. Zum Thema Gartensparten äußert Tilo Hönicke: "Wir werden einen Teufel tun, Fläche dafür zu opfern. Den Strauch-Ponickauer Höhenrücken wollen die Stadtväter eher noch ausweiten als einschränken. Ein Vorranggebiet Wind ist hier nicht geplant. Dafür steht eine Sportanlage am Schulstandort Schacht auf der Prioritätenliste. Für die Entwicklung der ersten Grundschule steht wahrscheinlich eine Überraschung bevor.

Einwände und Hinweise können vom 8. Juli bis 9. September im Rathaus oder im Internet abgegeben werden. Dort sind die Pläne auch im Detail einsehbar.

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