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Kaffeekenner auf der Anklagebank

Bei einem Großenhainer werden Marihuana-Tütchen und eine Feinwaage gefunden – dafür hat er vor Gericht eine interessante Erklärung.

Nach einer Hausdurchsuchung sitzt ein 41-Jähriger vor Gericht - unter anderem bringt ihn der Besitz einer Feinwaage (Symbolfoto) in Erklärungsnot.
Nach einer Hausdurchsuchung sitzt ein 41-Jähriger vor Gericht - unter anderem bringt ihn der Besitz einer Feinwaage (Symbolfoto) in Erklärungsnot. © Fotos: Sebastian Schultz, Montage: SZ

Großenhain/Riesa. Wenn die Polizei bei einem Drogenkonsumenten eine Feinwaage findet, wird die Justiz hellhörig. Ist das doch ein Indiz dafür, dass der Delinquent den Schritt vom Käufer zum Dealer gemacht hat. Aber eben nur ein Indiz mit geringer Beweiskraft. Deshalb warten die Angeklagten vor Gericht oft mit abenteuerlichen Geschichten auf, um die Anwesenheit der Feinwaage in ihrer Küche zu erklären. Der 41-Jährige, der auf der Anklagebank des Riesaer Amtsgerichts sitzt, stellt sich als Kaffeekenner dar. Er habe seine Bohnen selbst in der Backröhre geröstet und dann aufgebrüht. Dafür müsse er die Menge exakt abwiegen.

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Der Großenhainer ist auch klug genug, den Fangfragen von Richter Herbert Zapf auszuweichen. Wo er denn die ungerösteten Bohnen kaufe? In der Dresdner Neustadt, antwortet Roberto K., da gebe es ein Kaffee-Spezialgeschäft. Die Polizei hat bei einer Hausdurchsuchung natürlich nicht nur die Feinwaage gefunden, sondern auch eine Dose mit Tütchen voller Marihuana. Insgesamt 62 Gramm Gras stehen zu Buche, dazu noch eine geringe Menge Speed. Alles für den Eigenbedarf, sagt der Angeklagte.

Nun ist Roberto K. der Großenhainer Polizei durch einen seltsamen Zufall ins Netz gegangen. Ein Junkie hatte bei einer Taxifahrt damit geprahlt, gerade eine größere Menge Cannabis erworben zu haben. Die Polizei machte daraufhin den Dealer ausfindig, und dieser war des Öfteren zusammen mit Roberto K. an den Drogenhandelsplätzen der Röderstadt gesehen worden. Die Beamten führten daraufhin bei beiden eine Hausdurchsuchung durch. Bei K. fanden sie neben den Drogen und der Feinwaage ein Klappmesser und Klebeband am Küchentisch, was auf eine Portionierung des Stoffes hindeutete.

Andererseits gab es keine Spuren, die dafür sprechen, dass in der Wohnung Cannabis angebaut worden wäre. Auch die Telefonüberwachung brachte keine belastenden Momente. Und bei der Durchsuchung wurden keine größeren Geldmengen gefunden. Alles in allem reichen die Verdachtsmomente deshalb nicht für eine Verurteilung wegen Drogenhandels aus. Allerdings ist auch der Besitz von Betäubungsmitteln strafbar. Mit einem Freispruch kann Roberto K. deshalb nicht rechnen. Immerhin leugnet er nicht, dass das Marihuana ihm gehört. Das sei ein Gelegenheitskauf gewesen, erklärt der Angeklagte, ein Schnäppchen sozusagen, deshalb die größere Menge.

Das kann man als Geständnis werten. Außerdem ist der Großenhainer bisher noch nie ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Deshalb sieht selbst die Staatsanwältin davon ab, Freiheitsentzug zu fordern. Am Ende bekommt Roberto K. eine Geldstrafe von 1.500 Euro aufgebrummt. Mit etwas gutem Willen kann sich das Gericht vorstellen, dass der Delinquent das Gras tatsächlich nur für den Eigenbedarf in seiner Wohnung gelagert hat.

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