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Karpfenverkauf kennt keine Coronaflaute

Der Schönfelder Teichwirt Tilo Groß sieht in der Pandemie einen Trend zum Kauf im Hofladen.

Von Manfred Müller
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Tilo Groß und Steffen Seidel (r.) in der Teichwirtschaft an der Schönfelder Dammmühle.
Tilo Groß und Steffen Seidel (r.) in der Teichwirtschaft an der Schönfelder Dammmühle. © Kristin Richter

Schönfeld. 30 Tonnen sollten es schon wieder werden. Das ist die Zielmarke für den Karpfenverkauf, die sich Tilo Groß jedes Jahr setzt. Der Schönfelder Teichwirt hat sie trotz der bereits geltenden Corona-Beschränkungen im vorigen Jahr erreicht, und auch diesmal sollen die frisch geschlachteten Fische wieder en masse über den Verkaufstresen gehen. Die Spitzenzeit fürs Besorgen des Weihnachts- oder Silvesterkarpfens liegt auf dem 23. und 24. sowie auf dem 30. und 31. Dezember. Da ist die schmale Straße, die von Schönfeld aus zum Dammmühlenteich führt, komplett zugeparkt.

Dort stehen dann Warnbaken mit der Aufschrift „Frei laufende Karpfenkäufer“, und vorm Hofladen der Teichwirtschaft bilden sich lange Warteschlangen. Wenn es das Wetter erlaubt, wird deshalb auch unter freiem Himmel verkauft. Den Fischladen selbst dürfen nur jeweils zwei Kunden gleichzeitig betreten, und das natürlich nur mit Maske. Hinaus geht es durch die Hintertür und bezahlt wird durchs Fenster. Das haben die Schönfelder schon voriges Jahr praktiziert, und es funktionierte recht gut. „Bei uns ist ja eigentlich zum Jahresende hin immer viel los“, sagt Tilo Groß. Seine Belegschaft sei ziemlich stresserprobt.

Die Kunden sind der Teichwirtschaft auch in der Coronakrise treu geblieben. Klar, die Gaststätten haben durch die Beschränkungen Probleme. Einige bieten immerhin einen Lieferservice an, der auch den Weihnachtskarpfen einschließt. Die Absatzlücke wird aber dadurch geschlossen, dass die Leute durch die Lockdownmaßnahmen wieder mehr zu Hause kochen. „Im vergangenen Winter haben wir die Karpfen noch bis weit in den März hinein verkauft“, erklärt Tilo Groß. Das sei sonst eher ungewöhnlich.

Und schon im September habe der Verkauf wieder angezogen. Das könne natürlich auch mit dem Wetter zusammenhängen – weil ein Karpfenschmaus eher etwas für kühle Tage sei. Und dieses Jahr gab es sowohl ein kühles Frühjahr als auch einen kühlen Herbst. Eine alte Binnenfischerregel besagt zudem, dass der Absatz in den Monaten mit einem „r“ im Namen am besten läuft. Aber offenbar kommen auch viele Kunden an den Dammmühlenteich, um einfach mal den eigenen vier Wänden zu entfliehen. Angesichts der hohen Infiziertenzahlen in Schönfeld und Umgebung findet ja sonst nichts statt.

Kleiner Spaß am Hofladen an der Dammmühle.
Kleiner Spaß am Hofladen an der Dammmühle. © Kristin Richter

Wenn er sich mit Berufskollegen unterhalte, sagt Tilo Groß, sei in der Pandemiezeit eindeutig ein Trend zum Kauf im Hofladen zu erkennen. Der Schönfelder will diesen Trend nutzen, um eine Lanze für den Karpfen zu brechen. Der schuppige Geselle habe es gegenüber dem Seefisch ohnehin schwer – mit Lachs zum Beispiel könne er nicht konkurrieren. „Dabei wird kein Fisch ökologischer herangezogen als der Karpfen“, sagt Groß. „Außerdem prägen die Teiche Sachsens Kulturlandschaft seit Jahrhunderten.“

Die Schönfelder Teichwirtschaft bewirtschaftet neben der Dammmühle noch ein gutes Dutzend andere Teiche zwischen Kalkreuth und Welxande – insgesamt um die 170 Hektar Wasserfläche. Je nach Wetterlage und Fischbesatz wird jährlich eine Ernte zwischen 30 und 80 Tonnen eingebracht. Neben Karpfen produziert der Binnenfischereibetrieb auch Hechte, Schleie, Forellen, Saiblinge und Lachsforellen.

Die Frage, ob man seinen Karpfen lieber zu Weihnachten oder zu Silvester in den Kräutersud legt, hat übrigens damit zu tun, wie stark das Lebensumfeld religiös geprägt ist. Für gläubige Christen ist der Karpfen ein Gericht, das am Heiligen Abend zubereitet wird. Die Adventszeit war Fastenzeit und Fisch als Fastenspeise erlaubt. Der Grund, weshalb der Silvesterkarpfen so beliebt ist, hat eher mit Aberglauben zu tun. Legt man sich eine Fischschuppe ins Portemonnaie, verspricht das Geldsegen im kommenden Jahr.