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Katastrophenhilfe bei Kronospan

Am Donnerstagabend rücken massiv Feuerwehr und Rettungsdienst beim Lampertswalder Laminathersteller ein. Was ist passiert?

Die Katastrophenschutz-Fahrzeuge aus Glaubitz waren auch am Einsatz beteiligt.
Die Katastrophenschutz-Fahrzeuge aus Glaubitz waren auch am Einsatz beteiligt. © Sebastian Schultz

Lampertswalde. Feuerwehr, Rettungsdienst, Krankenwagen - der ganze Katastrophenschutzzug des Landkreises machte sich am Donnerstagabend gegen 18 Uhr Richtung Kronospan Lampertswalde auf den Weg. Zu vermuten war, dass es einen Großeinsatz gibt. Was war im Betrieb vorgefallen? War eine Katastrophe eingetreten, die diesen Aufwand an Rettungskräften rechtfertigt?

Nicht nur per Lkw, sondern auch per Schiene wird der Laminathersteller beliefert. Trainiert wurde das vermeintliche Auslaufen von Bahnkesselwagen.
Nicht nur per Lkw, sondern auch per Schiene wird der Laminathersteller beliefert. Trainiert wurde das vermeintliche Auslaufen von Bahnkesselwagen. © Kristin Richter

Die Alarmierung erfolgte mit der Ansage, dass Bahnkesselwagen mit Methanol ausgelaufen waren. Zum Glück handelte es sich um eine geplante Großübung. Ein Mal jährlich hat der Laminathersteller als Betrieb mit Gefahrenpotenzial die Pflicht, so eine ABC-Übung durchzuführen. ABC ist der Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren. Kronospan muss solche fiktiven Einsätze mit seinem Sicherheitsbeauftragten Leisner selbst organisieren, so wie zum Beispiel auch der Chemieriese Wacker in Nünchritz. Alles top secret.

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Hierbei wird durch das Amt für Brand-, Katstrophenschutz und Rettungswesen der externe Notfallplan überprüft und bei Veränderungen angepasst. Alarmiert wurden die örtlich zuständigen Feuerwehren, die Gefahrgutzüge Meißen und Riesa, der ABC-Erkundungszug sowie Einheiten zur sanitätsdienstlichen Versorgung und Betreuung. Geübt wurde im Tanklager im Betriebsgelände. "Im Szenario erfolgte die Entladung eines Eisenbahnkesselwagens mit Methanol: Während der Entladearbeiten wird das Bodenventil beschädigt und es lief Methanol in großen Mengen aus. Die Methanol-Lache geriet in Brand. Zwei Mitarbeiter welche die Entladung durchgeführt haben wurden vermisst. Weiterhin drohten sich angrenzende Tanks sowie der Spänebunker zu entzünden", so das Landratsamt am Montag auf SZ-Nachfrage. Das Szenario wurde durch die Einsatzkräfte zügig abgearbeitet, sodass gegen 18.30 Uhr die Übung beendet werden konnte. Im Anschluss konnten sich die Einsatzkräfte bei einer warmen Mahlzeit stärken.

Die Einsatzkräfte wussten vorher nicht, dass es kein Ernstfall ist. Bei Eintritt eines Störfalls ist ein Meldewesen vorgeschrieben, welches Bestandteil des internen Alarm- und Gefahrenabwehrplanes der Kronospan GmbH ist. Das umfasst die Information von Feuerwehren, Behörden und Rettungsleitstellen, insbesondere die Betriebsfeuerwehr und den Werkskrisenstab, die Feuerwehr Lampertswalde, die integrierte Rettungsleitstelle Dresden, das Landratsamt Meißen mit dem Brand- und Katastrophenschutz, das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, das verantwortlich ist für Störfallanlagen. Außerdem die Landesdirektion Dresden.

In Lampertswalde war zur Auslösung des Alarms die Sirene drei Mal gegangen, so Bürgermeister René Venus. "Die Kameraden wussten vorher nicht Bescheid", sagt er und ergänzt, dass auch die Wehren von Schönborn und Quersa alarmiert waren. Für die Bevölkerung sei der Einsatz kein Thema gewesen, weil durch zahlreiche Fehlalarme regelmäßig die Sirene in Lampertswalde ertönt.

Bei Eintritt eines Störfalls wird laut Alarmplan umgehend die Sperrung der B 98 in Höhe der Formalin- und Leimanlage veranlasst. Die Warnung der Anlieger, insbesondere der betroffenen Bevölkerung, erfolgt dann durch den Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises als zuständige Behörde. Durch die unmittelbare Nähe der Wohnbebauung Quersa sowie Lampertswalde-Mitte wird bei akut drohender Gefahr die Warnung der Bevölkerung durch Kronospan selbst übernommen. Dies gilt ebenso für Personen, die sich im Gewerbegebiet bei Lidl, Kronoflooring Design Center etc. aufhalten.

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Kronospan gehört zu den Störfallbetrieben der "oberen Klasse" mit Inspektionsintervallen. Am 30. Oktober des Vorjahres wurde die letzte jährliche Inspektion durch die Behörden durchgeführt. Die Bevölkerung kann sich im Ernstfall schützen, indem sie sich sofort in geschlossene Räume begibt, Fenster und Türen schließt, Klima- und Lüftungsanlagen auch in Fahrzeugen ausschaltet, den Radiosender „MDR“ für Informationen einschaltet sowie auf weitere Durchsagen und Warnungen achtet. Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen sollte der Kontakt mit der Feuerwehr unter Telefon 112 oder der Leitstelle Dresden unter der Nummer 0351 501210 aufgenommen werden. Außerdem ist auf nachfolgende Entwarnungen zu achten.

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