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Stress für den zweiten Impftermin

Eine junge Mutter aus dem Großenhainer Land lässt sich gegen Corona immunisieren. Aber ihr werden Steine in den Weg gelegt.

In Riesa wird im "AufLaden Weida" gegen Corona geimpft.
In Riesa wird im "AufLaden Weida" gegen Corona geimpft. © Sebastian Schultz

Region. Eine junge Mutter aus dem Großenhainer Raum - ihr Name ist der Redaktion bekannt - schilderte der SZ ihre negativen Erfahrungen zur Corona-Impfung. Aufgrund der aktuellen Situation und den sich dadurch ergebenen Einschränkungen im öffentlichen Raum, etwa bei Restaurantbesuchen, Hotelübernachtungen und in Schwimmbädern, hatte sie sich entschlossen, sich in einem Impfzentrum noch im September mit Biontech impfen zu lassen. Den ersten Termin habe sie noch geduldig wahrgenommen, sagt die Frau aus der Gemeinde Lampertswalde.

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Eine Folgeimpfung könnte frühestens am 1. Oktober stattfinden, hatte man ihr gesagt. Doch da sind bereits sämtliche Impfzentren geschlossen. Die Frau sollte sich an ihren Hausarzt wenden. "Natürlich rief ich ihn unmittelbar an. Dieser teilte mir aber mit, dass er keine Corona-Impfungen anbietet und ich es bei anderen Ärzten in der Umgebung versuchen solle", erzählt die Frau weiter.

Bei fünf Versuchen bei impfenden, praktizierenden Ärzten in der Region sei sie abgewiesen worden, da diese vorerst nur "eigene" Patienten impfen würden. Der Versuch, online über mobile Impfaktionen Termine in Erfahrung zu bringen, sei "an der Aktualität sämtlicher, öffentlicher Seiten ebenfalls gescheitert", berichtet die Frau.

Mittlerweile war sie bereits so weit, längere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, um an die Spritze zu kommen. Aber selbst Telefonate mit Kliniken seien erfolglos gewesen. Die offizielle Corona-Hotline Sachsens hätte sie an den ärztlichen Notdienst unter 116117 verwiesen. "Die unfreundliche Person legte nach meiner Schilderung einfach auf, obwohl ich sachlich und freundlich war. Also wieder erfolglos", schildert unsere Gesprächspartnerin.

Verzweiflung kam in ihr auf, und Wut gesellte sich nach den Medienberichten zu Corona hinzu. "Es wird doch geworben, sich impfen zu lassen. Die geringen Impfquoten, die geltenden Einschränkungen, Lohnfortzahlung bei Quarantäne et cetera."

Nach weiteren zwei Stunden intensiven Herumtelefonierens fand die Frau dann doch noch eine Praxis, bei der sie einen Impftermin erhalten hat. "Ich hoffe inständig, dass hier nichts dazwischenkommt", sagt sie. Sie könne nur hoffen, dass ihre Erlebnisse ein Einzelfall sind, gibt sie zu. "Ich denke, so hartnäckig einen Termin zu ergattern, sind die wenigsten", sagt sie.

Die SZ konfrontierte das Gesundheitsamt des Landkreises Meißen mit den Schilderungen. Von dort kam die Antwort, dass man zunächst die Umstände bedauere, die die Frau zur Erlangung eines zweiten Impftermins erfuhr. Man hofft im Amt ebenfalls, dass der nun vereinbarte Termin ohne Probleme stattfinden kann. Das Landratsamt Meißen habe allerdings keinen Einfluss auf die Arbeit der Hausarztpraxen. Die Entscheidung, Corona-Schutzimpfungen anzubieten oder nicht, könne jeder Hausarzt nach eigenem Ermessen fällen. Auch die Entscheidung, nur eigene oder auch praxisfremde Patienten zu impfen, liegt bei den Ärzten selbst. Das Impfzentrum Riesa oblag dem DRK. Zur Freundlichkeit der Mitarbeiter könne das Landratsamt keine Aussage treffen. Dass die Impfzentren in Sachsen spätestens zum 30. September und Riesa zum 13. September schließen, war hingegen bereits lange Zeit vor den genannten Terminen bekannt, so die Behörde.

Öffentliche Impfpunkte geplant

Weiter heißt es: "Seit circa Mitte des Jahres war eine Terminvereinbarung für die Impfzentren auch ohne Zugehörigkeit zu einer Priorisierungsgruppe möglich. Spätestens im August war es unproblematisch möglich, einen Termin zu erhalten bzw. sogar ohne Terminvereinbarung zur Impfung zu gehen. Unter Beachtung dieser Zeitschiene hatten alle Einwohner die Chance, auch vor der angekündigten Schließung der Impfzentren ihre Erst- und Zweitimpfung zu erhalten. Viele haben diese Gelegenheit genutzt."

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Nun werde es voraussichtlich ab Anfang Oktober öffentliche Impfpunkte an unterschiedlichen Orten im Landkreis geben, schreibt Kreissprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch weiter. "Die Planungen und Vorbereitungen zur Inbetriebnahme der Impfpunkte laufen aktuell. Es ist zudem geplant, dass auch die Elblandkliniken Angebote zur Corona-Schutzimpfung unterbreiten werden. Das Landratsamt informiert auf seiner Website www.kreis-meissen.de – Gesundheitsamt – Coronavirus auch zu den Impfmöglichkeiten im Landkreis und wird diese Informationen ständig den Entwicklungen entsprechend weiter aktualisieren."

Auch unter https://www.coronavirus.sachsen.de/coronaschutzimpfung.html (Stichwort Impfen in Sachsen) finden sich Informationen zu Impfangeboten. Termine auch unter https://drksachsen.de/impfaktionen.html

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