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Reinersdorf: Kelterei sucht neue Annahmestelle

Zwölf Jahre lang führten Regina und Helfried Beylich in Reinersdorf die Obst-Sammelstelle. Nun hören sie auf. Und die Safthersteller suchen Ersatz.

Von Kathrin Krüger
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Regina und Helfried Beylich betreuen in Reinersdorf den Obstlohntausch für die Max Wustlich Fruchtsaftkelterei Niederau. Doch zum Jahresende hören sie auf.
Regina und Helfried Beylich betreuen in Reinersdorf den Obstlohntausch für die Max Wustlich Fruchtsaftkelterei Niederau. Doch zum Jahresende hören sie auf. © Kristin Richter

Reinersdorf. Wieder sind sechs große Container mit Äpfeln voll und werden zum Vermosten von der Kelterei Max Wustlich abgeholt. Helfried Beylich und seine Frau räumen die große Waage vom Hof und sperren vorerst die Scheune zu. Mitte Oktober war Schluss mit der Annahme von reifen Früchten im Lohntausch in Reinersdorf. Jetzt werden bis Jahresende nur noch Saft- und Weinflaschen als Altguthaben ausgegeben. Nach zwölf Jahren verabschieden sich die Beylichs als beliebte Annahmestelle.

Jeden Spätsommer haben sie das große Hinweisschild, das Ortsunkundige zu ihrem Dreiseitenhof führt, blitzblank geputzt an den Gartenzaun gehängt. Die Lohnmostannahme war für sie ein dankbarer Zusatzverdienst geworden, aus finanziellen Gründen hatten sie 2009 angefangen. Und weil es die Wustlich-Annahme in Welxande dann nicht mehr gab. Beziehungsweise "Äppel-Richter" in Ebersbach. Äpfel, Birnen, Quitten und Pflaumen wurden aufgekauft, und im Lohnmosttausch bekamen die Lieferanten vergünstigt zig verschiedene Säfte, Glühwein und Obstwein aus der Niederauer Kelterei, die die Früchte verarbeitet.

Annahmestellen in Strehla, Leckwitz und Königsbrück

"Gute und weniger gute Erntejahre haben wir erlebt", erinnern sich die Reinersdorfer. 2009 zum Beispiel war ein prächtiges Obstjahr. "17 Tonnen haben wir entgegen genommen", so die Beylichs. Das Jahr darauf kam der Tornado, auch viele Obstbäume wurden entwurzelt oder anderweitig beschädigt. Entsprechend mager fiel die Obstmenge aus. Auch 2020 waren es nur etwa zwölf Tonnen Früchte, dieses Jahr wieder 17 Tonnen.

Dennoch lockten die Reinersdorfer - wie auch die anderen Annahmestellen der Wustlichs in Strehla, Leckwitz und Königsbrück - immer mit 20 verschiedene Sorten im Lohntausch: neben den Klassikern wie Apfel- und Sauerkirschsaft auch Quittenwein oder Joghurtdrink. Wer mit zehn Kilo Äpfeln kam, konnte immerhin mit sechs Flaschen Saft nach Hause gehen. Bei Pflaumen und Quitten waren es sogar acht Flaschen. "In den letzten Jahren waren aber auch viele exotische Fruchtsäfte der Renner. Guavensaft wurde genauso gern gekauft wie Aroniasaft oder ein Mix aus Apfel, Orangen, Kürbis und Melonen", sagt Helfried Beylich.

Nicht nur Bewohner aus der Gemeinde Ebersbach nutzten die Lohnmostannahmestelle, sondern auch Großenhainer oder sogar Leute aus Südbrandenburg. Helfried Beylich: "Vor allem junge Familien nehmen sich die Zeit und pflückten Äpfel oder Birnen, damit sie im Austausch den begehrten Saft vergünstigt kaufen können." In seinem Geschmack sei der reine Apfelsaft aufgrund der Verwendung verschiedener Sorten einzigartig und natürlich vitaminreicher als all jene Säfte, die anderswo im Tetrapack angeboten werden. "Wir hatten hier oft Leute, die Besuch von Familienangehörigen bekamen, die in den Westen gezogen sind. Die ordern dann immer gleich mehrere Flaschen. Den Geschmack von daheme findet man eben nicht woanders", weiß Helfried Beylich.

Ab nächster Woche bis zum 21. Dezember sind Beylichs noch dienstags von 17 bis 18 Uhr für das Einlösen der Guthaben auf ihrem Hof in Reinersdorf erreichbar. Dann müssen Restansprüche in Niederau abgeholt werden, heißt es. Dort sucht man mittlerweile eine neue Annahmestelle in der Region. Bewerber mit ausreichend Platz für einen Lkw mit Hubbordwand können sich melden.