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Kulturelles Gedächtnis der Stadt wird digital

Eine Urkunde mit der eigenhändigen Unterschrift des letzten sächsischen Königs war in einem Zschieschener Nachlass. Das Museum arbeitet sie auf .

Auf dieser Großenhainer Urkunde hat Friedrich August III. persönlich unterschrieben.
Auf dieser Großenhainer Urkunde hat Friedrich August III. persönlich unterschrieben. © Museum Alte Lateinschule/JSF

Großenhain. Das neue Leitbild für die Stadt hat sich im Bereich Bildung und Kultur zum Ziel gesetzt, die Verknüpfung mit der Historie zu stärken und historische Kulturgüter wie die Preusker-Nachlässe digital zugänglich zu machen. Die digitale Erschließung seiner Bestände ist ein Langzeitprojekt des Museums, das derzeit besonders intensiv verfolgt wird. Der Corona-Lockdown machte es möglich, mehrere Kisten mit schriftlichen Nachlässen aufzuarbeiten. Alle sind eng mit Großenhain verbunden und enthalten Schriftstücke, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen.

Im Nachlass des Zschieschener Heimatforschers Werner Bleyl (1912-1996) sind zahlreiche Zeugnisse zur Großenhainer Kirchengeschichte überliefert, darunter die Ernennungsurkunde des Superintendenten Anacker mit der eigenhändigen Unterschrift des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. (Foto).

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Welche Parteien traten im Wahlkreis Dresden-Bautzen im November 1932 zur Reichstagswahl an? Ein von Bleyl aufbewahrter Wahlzettel gibt uns schwarz auf weiß einen Einblick in die Parteienlandschaft am Ende der Weimarer Republik. Mit 20 Jahren gehörte Bleyl zu den Erstwählern – vielleicht war das der Grund, einen Wahlzettel aufzuheben. Im Sommer 1949 leitete der Großenhainer, der zuletzt als Buchhalter in der LPG Zschauitz tätig war, das Kinderferienlager auf dem Kupferberg. Die sauber geschriebenen Tagesprogramme überliefern den dicht getakteten Tagesablauf und die erzieherischen Selbstverpflichtungen der Kinder: „Wir sind einander Freund“, „wir helfen überall mit“ und „lieben unsere Heimat“.

Ebenso fleißig archivierte der fast gleichaltrige Horst Kunze (1910-1994) seine Tätigkeit als Pfarrer zunächst im Feld und nach dem Krieg in Großenhain. Bemerkenswert sind die Dankesbriefe von Kindereinrichtungen aus Hamburg, Köln, Bethel oder vom Evangelischen Verein für das syrische Waisenhaus in Jerusalem. Trotz der Not der Nachkriegszeit teilte Großenhain seine Kollekte mit Bedürftigen in anderen Teilen Deutschlands.

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Eine der Quittungen zeigt, dass auch das Großenhainer Waisenhaus dabei nicht vergessen wurde. Diese und rund 200 weitere Dokumente aus dem Nachlass können jetzt digital im Museum recherchiert werden. Ein Schwerpunktprojekt wird sich 2021 mit Karl Benjamin Preusker (1786-1871) beschäftigen. Zum 150. Todestag plant das Museum, seine Handschriften und die mit seinem Wirken verbundenen Objekte im Museum zu digitalisieren und zu veröffentlichen. (SZ)

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