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Lernen bei der Bullen-Onlinevermarktung

Nach zweijähriger Fortbildung wurden 14 geprüfte Wirtschafter für Landbau in Großenhain verabschiedet. Wegen Corona gab es hauptsächlich Fernunterricht.

Die beiden Absolventen der Fachschule für Landwirtschaft Großenhain, Jessica Kutzner und Falk Lohmann, gehören zu den Besten. Jessica ist aus Schönborn, Falk aus Volkersdorf.
Die beiden Absolventen der Fachschule für Landwirtschaft Großenhain, Jessica Kutzner und Falk Lohmann, gehören zu den Besten. Jessica ist aus Schönborn, Falk aus Volkersdorf. © Norbert Millauer

Großenhain. Sie waren mal 16, nun haben es 13 Männer und eine Frau geschafft: aus ganz Sachsen ließen sich junge Landwirte an der Großenhainer Fachschule zwei Jahre für Führungsaufgaben qualifizieren. Dass der Bauernberuf nach wie vor attraktiv ist, dafür steht zum Beispiel Jessica Kutzner aus Schönborn. Sie wurde in der Landwirtschaft groß, Tante und Onkel konnte sie schon als kleine Göre auf dem Hof zusehen. "Das hat mir Spaß gemacht, da wollte ich auch hin", sagt die 25-Jährige.

Sie lernte Tierwirtin in der Agrargenossenschaft Skäßchen bei Manfred Engelmann. Und es stellte sich heraus: Jessica Kutzner kann mehr. Die Wirtschafter-Fortbildung schloss sie mit dem Notendurchschnitt von 1,18 ab. Damit behauptete sie sich in der Männerriege. "Nun soll sie auch noch ihren Meister machen", ist sich ihr Chef Engelmann sicher. Noch besser packte es Falk Lohmann aus Volkersdorf. Der 44-Jährige, und damit Älteste der Runde, war Quereinsteiger. Als Kfz-Mechaniker entschied er sich, den elterlichen Rinderzuchtbetrieb als Nebenerwerb zu übernehmen. Mit einem enormen Arbeitspensum in der Ausbildung und dem stundenweisen Arbeiten in einem anderen Betrieb schaffte er die Traum-Abschlussnote von 1,06. "Das ist sehr selten", lobt Klassenlehrerin Dr. Gerda Strehle. "Für mich ist Landwirtschaft mein Leben", setzt Falk Lohmann hinzu.

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Die Meisten machen jetzt den Meisterkurs

Die frischgebackenen staatlich geprüften Wirtschafter haben zwei turbulente Jahre hinter sich. Fast die ganze Zeit war Corona-Pandemie. "Sie sind nicht geschont worden", betont Dr. Ulrike Dornwell vom Ministerium bei der Zeugnisübergabe im SkZ Alberttreff. Es gab nur wenige Exkursionen, durch die Lockdowns mussten sich Schüler wie Lehrer dem digitalen Unterricht unterwerfen. Dass die jungen Landwirte den Lehrkräften bei den Online-Methoden über Lernsax teilweise auf die Sprünge helfen konnten, spricht für sie: Sie scheinen dem massiven Wandel in der Landwirtschaft gewachsen. Elf Absolventen wollen jetzt noch den Meisterkurs machen, drei den elterlichen Betrieb übernehmen.

Ein besonderes Ereignis war das gemeinsame Erleben einer Bullen-Onlinevermarktung. Ohne Corona hätte es diese Chance für die Schüler vermutlich gar nicht gegeben. So erfuhren die jungen Leute, dass nicht nur die Erzeugung, sondern auch der Verkauf von Nahrungsmitteln zeitgemäß gelernt sein will. Bei Sommerschultagen konnten die Betriebe der Schüler besucht werden. Ganz praxisorientiert begannen die Landwirtschaftler ihre Qualifizierung auch mit einer teambildenden Maßnahme: sie kochten gemeinsam.

"Alle Tische stehen leer, schafft die Bauernfaust nichts her", zitiert Landrat Ralf Hensel als Vertreter des Landkreises als Schulträger einen Spruch aus Hungerzeiten. Heute gibt es in Deutschland eine funktionierende Landwirtschaft, aber es mangelt an Wertschätzung für die Bauern. Hinzu kommt körperlich harte Arbeit, teilweise familienunfreundliche Arbeitszeiten und nicht immer gute Bezahlung. Dass Jessica Kutzner, Falk Lohmann und die anderen ihren Beruf dennoch lieben, hängt mit ihrer Naturverbundenheit und Tierliebe zusammen.

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