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Lesestoff im Wartehäuschen

Bücherschränke in alten Telefonzellen kennt man schon. So ein öffentlicher Tausch in der Buswartehalle ist neu: Dank einiger Kleinnaundorferinnen.

Anke Schütt (li.) und Daniela Schurig sind neben Anke Hofmann (nicht im Bild) die Initiatorinnen des öffentlichen Bücherschranks im Buswartehäuschen an der Haltestelle Gaststätte Kleinnaundorf.
Anke Schütt (li.) und Daniela Schurig sind neben Anke Hofmann (nicht im Bild) die Initiatorinnen des öffentlichen Bücherschranks im Buswartehäuschen an der Haltestelle Gaststätte Kleinnaundorf. © KDB

Kleinnaundorf. Gegenüber dem Gasthof gibt es eine Bushaltestelle mit Wartehäuschen aus DDR-Zeiten. Darin sitzt man wettergeschützt, es steht sogar eine Holzbank darin. Und neuerdings auch ein Schrank, der sich als Bücherschrank erweist. Anke Schütt hatte die zündende Idee, ihn in Corona-Zeiten aufzustellen und damit das Lesen zu befördern - wenn man schon zu Hause bleiben soll.

"Einen Ansatz dazu hatten wir Kleinnaundorfer Frauen schon länger, wir suchten eine Form, die ohne Kosten für die Gemeinde ist", sagt Anke Schütt. Gemeinsam mit Daniela Schurig und Anke Hofmann gilt sie als Initiatorin des öffentlichen Büchertausches in dem Dörfchen bei Radeburg. Als Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst konnte sie einen Schrank organisieren, der von ihrem Amt den Gemeinden angeboten wurde.

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Doch einfach aufstellen und fertig geht nicht. Zuerst musste die Kommune natürlich um Erlaubnis gefragt werden. "Der Bauhof hat die Buswartehalle extra innen nochmal gestrichen", sagt Anke Schütt. Zudem musste der Schrank sicher befestigt werden. Dann konnten die ersten Bücher hinein. Die Frauen haben eine Benutzerordnung aufgestellt, die öffentlich einsehbar ist. Darin ist vermerkt, dass keine Werbung und auch keine religiösen Werbeschriften erlaubt sind. Auch Pornos oder Horrorbücher will man hier nicht haben. "Dann lieber Fach- und Sachbücher, also alles, was zum guten Geschmack gehört", umreist Anke Schütt die Lektüre.

Schnell habe sich nach Bekanntwerden der Schrank gefüllt. Und damit die Leseecke nicht vermüllt, erklärten sich die Frauen als Ansprechpartnerinnen bereit. Regelmäßig kontrollieren sie die Bestände. Und das Bücherwürmchenzeichen, das am Wartehaus den Weg weist. "Wir freuen uns, dass der Schrank offenkundig gut angekommen wird", sagt Anke Schütt zufrieden.

Große Themenbreite

Sie sorgt sogar dafür, dass sich "Ladenhüter" nicht lange darin aufhalten. Mit solchen Exemplaren, die offenbar in Kleinnaundorf nicht gehen, macht die engagierte Bücherfreundin eine kleine Ausfahrt. Schütt kennt die Bücherzelle in Weixdorf und eine am Mehrgenerationenplatz in Moritzburg. Mit denen sorgt sie für Austausch und frisches Material.

So ist der Bücherschrank in der Wartehalle für die Leseratten des Ortes und umliegender Dörfer eine schöne Alternative zum Buchkauf oder der nächsten größeren Bibliothek geworden - ganz ohne Mitgliedschaft und Leihgebühr. Für jedes Buch, das man hier aus dem Schrank nimmt, sollte man mindestens ein anderes hineinstellen. In gutem Zustand - versteht sich.

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Anke Schütt verweist auf die große Themenbreite, die sich aktuell im Bücherschrank befindet: "Romane, Krimis, Thriller, Science Fiction und Klassiker, auch Ratgeber und Reiseführer gibt es", sagt sie. Auch Kinderbücher sind möglich. Sie sind alle in gutem Zustand, und das sollte auch so bleiben.

Weiterer öffentlicher Büchertausch in der Region: Bücherecke im Kaufland Großenhain sowie im Bauernladen Großenhain-Kleinraschütz, Wildenhainer Straße.

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