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Wollten echte oder falsche Malteser um Spenden bitten?

Kürzlich verunsicherten Spendensammler für den Malteser Hilfsdienst viele Großenhainer. Wie reagieren bei solchen Haustüraktionen?

Von Kathrin Krüger
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Der Maltester Hilfsdienst, den es auch in Großenhain gibt, sammelt gelegentlich Spenden, aber niemals in bar. Auch Fördermitgliedschaften werden erbeten.
Der Maltester Hilfsdienst, den es auch in Großenhain gibt, sammelt gelegentlich Spenden, aber niemals in bar. Auch Fördermitgliedschaften werden erbeten. © Stephanie Hänsch

Großenhain. Bei Facebook kam eine Diskussion auf, und auch das Polizeirevier erhielt einen Anruf: Malteser-Spendensammler seien im Stadtgebiet unterwegs. Sie fragen vor allem bei älteren Menschen, die gerade zu Hause sind, Bankdaten ab. Ist das seriös oder sind das Betrüger? "Bitte achtet auf eure Angehörigen!!!", hieß es bei Facebook.

Solche Fragen tauchen immer wieder mal auf. Denn der Malteser-Hilfsdienst, der zum Beispiel in Großenhain den Rettungsdienst betreut, bittet tatsächlich gelegentlich an der Haustür um Unterstützung. Das bestätigt Daniela Sasu vom Malteser-Servicecenter. Die Spender werden um Erteilung einer Einzugsermächtigung gebeten, es werden also tatsächlich Bankdaten abgefragt. Doch wie die Sprecherin mitteilt, werde niemals Bargeld gesammelt. Und man könne die rechtmäßigen Mitarbeiter im Auftrag der Malteser schnell erkennen: Sie tragen die typisch-rote Kleidung und haben einen Ausweis. "Leider kommt es vor, dass Betrüger falsche Angaben nutzen, um unrechtmäßig Spenden an Haustüren zu sammeln", weiß auch Daniela Sasu.

Doch Malteser sammeln eben kein Bargeld und nehmen keine Überweisungsträger an. Sollte das der Fall sein, sind Betrüger unterwegs, und man muss umgehend die Polizei anrufen. Die Recherche der Großenhainer Beamten nach der Anzeige vor etwa 14 Tagen ergab, dass hier tatsächlich echte Spendensammler für die gemeinnützigen und mildtätigen Aufgaben der Malteser unterwegs waren. "Wir sind auf die dauerhafte Unterstützung vieler Bürger angewiesen, die uns durch ihre Förderbeiträge und Spenden helfen", heißt es bei der Hilfsorganisation. Erteilte Einzugsermächtigungen könnten aber jederzeit widerrufen werden. Dazu kann man die Hotline 0351 435550 verwenden. Auf dem Aufnahmeschein für eine Mitgliedschaft ist die kostenfreie Nummer 08005470470 aufgedruckt, bei der man sich über alle Fragen zur Mitgliedschaft informieren kann.

Auf dem Legitimationsdokument, das jedem Werbebeauftragten ausgestellt wird, sei ausdrücklich erwähnt, dass es sich um einen Mitarbeiter einer Werbeagentur handelt. Denn die Malteser geben diese Spendenwerbung an Fremdfirmen. "Beim Einsatz von Werbebeauftragten achten wir darauf, dass das Qualitätsmanagement eingehalten wird und dass bei der Mitgliedergewinnung kein Druck auf den Bürger zum Beitritt ausgeübt wird. Eine Nicht-Beachtung dieses Verhaltenskodex dulden wir nicht", so die Organisation.

Zusätzlich informiert auch die Polizei über Spendensammler, die man vor der eigenen Haustür, auf der Straße und bei Supermärkten trifft. Und dass darunter Betrüger sein können. 2019 gab es in diesem Zusammenhang in Sachsen 63 erfasste Betrugsfälle mit 41 festgestellten Tatverdächtigen. Betrüger verschicken ebenso Briefe und Postkarten mit Spendenaufrufen, erstellen Websites von angeblichen Spendenorganisationen oder rufen in sozialen Medien zu Spenden auf, so die Polizei. Die Masche falscher Spendensammler erkenne man an Fotos von Folteropfern, hungernden Kindern oder gequälten Tieren. "Sie sprechen Personen auf der Straße an und zeigen angebliche Spendenlisten, auf denen sich zuvor schon andere, erfundene Spender eingetragen haben, inklusive gespendetem Geldbetrag", so die Polizei. "Vor allem ältere Personen werden durch Schüren von Ängsten zu Dauerspenden und Fördermitgliedschaften überredet."

Für Großenhain und auch die übrigen Gemeinden ist das Thema auch deshalb aktuell brisant, denn ab Mai laufen die Haushaltsbefragungen zum Zensus 2022 und zum Mikrozensus. "Die Interviewer stellen dabei Fragen zur Person, deren (Aus-)Bildungsstand und Erwerbsstatus", erklärt Stadtsprecherin Diana Schulze. Die Fragebögen könnten einige Wochen vor Start der Befragungen auf der Website www.zensus2022.de eingesehen werden. Beim Zensus haben die freiwilligen Erhebungsbeauftragten einen entsprechenden Ausweis. Dieser ist zusammen mit einem amtlichen Lichtbildausweis gültig. Die Befragten werden vorher per Post kontaktiert, niemals per E-Mail.

Sollten Interviewer Folgendes von den Befragten verlangen, ist Vorsicht geboten und besser die Polizei zu informieren: Sozialversicherungsausweisnummer, Sozialversicherungsnummer, Personalausweis oder Reisepass, Unterschrift, Bargeld, persönliche Benutzerkennungen oder Passwörter, Bank- oder Kreditkarten, Kontoinformationen, E-Mail-Adresse, geplante Urlaube, Teilnahme an einer Verlosung oder einem Gewinnspiel, Annahme einer Belohnung, zum Beispiel Geschenke oder Reisen. Diana Schulze: "Keiner der genannten Punkte wird von den Interviewern des Zensus 2022 erfragt."

Weitere Infos unter https://www.zensus2022.de/DE/Was-ist-der-Zensus/Faktencheck/faktencheck.html.

Wie man richtig spendet, steht auf der Website der Polizeilichen Kriminalprävention: www.polizei-beratung.de.