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Mit der AR-Brille durch den Archäologiepark

Ein Verein will das vergessene älteste archäologische Freilichtmuseum Sachsens wieder zu einer Attraktion machen.

Der künftige Archäologiepark liegt verkehrsgünstig an der B 101 zwischen Großenhain und Meißen.
Der künftige Archäologiepark liegt verkehrsgünstig an der B 101 zwischen Großenhain und Meißen. © privat

Gävernitz. Sogar der angrenzende Bauer ist dabei. Volkmar Zietzschmann, Geschäftsführer der Kmehlener Agrarprodukte, ist Mitglied im neuen Verein Archäologiepark Gävernitz geworden. „Als Gävernitzer und Nachbar will ich doch wissen, was hier passiert“, so der Landwirt. Zietzschmann kennt die Hügelgräber von vor 3000 Jahren von seinem Vater. Der ist in den 1930er Jahren als Schulkind auf Ausflügen im damals ältesten archäologischen Freilichtmuseum Sachsens gewesen. Alte Fotos zeigen viel Prominenz, sogar den Innenminister, während der Ausgrabungen der Fürstengräber – zwei runde Grabanlagen aus der Bronzezeit. Heute ist dieses wichtige Denkmal höchstens noch Kennern bekannt.

Der neue Verein - mit Grundstücksbesitzer Norbert Sauer als Vorsitzendem - will den Archäologiepark wiederbeleben, will hier eine nicht kommerzielle Bildungsstätte einrichten. Und zwar ganz modern. Mit Brillen der Erweiterten Realität (AR) könnten Besucher künftig über die freigelegten Hügelgräber schauen und dabei das Leben der Menschen vor Augen haben. Auch ein bronzezeitliches Dorf könnte hier wieder aufgebaut werden. Der Park soll zudem einen Picknickplatz und einen Aussichtsturm erhalten. Und Parkplätze natürlich.

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Mit solchen AP-Brillen könnten Besucher künftig übers Gelände streifen und dabei dem Leben der Menschen in der Bronzezeit vor 3000 Jahren zuschauen.
Mit solchen AP-Brillen könnten Besucher künftig übers Gelände streifen und dabei dem Leben der Menschen in der Bronzezeit vor 3000 Jahren zuschauen. © dpa-Zentralbild

Unter den Gründungsmitgliedern sind Experten verschiedenster Bereiche. Dr. Thomas Westphalen kommt vom Landesamt für Archäologie, Dr. Jens Schulze-Forster ist Leiter der Großenhainer Museen. Hubertus Nelleßen vom Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt ist Jurist, Matthias Dues Betriebsleiter der Firma Boge in Großenhain. Die Bildungsschiene vertreten die Lehrerinnen Gerlinde Lehmann und Henriette Marquart sowie Dr. Erik Panzig. Die ehemalige Großenhainerin Katja Naumann ist Büroleiterin von Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch.

Norbert Sauer ist überzeugt, dass der Verein schnell wachsen wird. Und finanziell gut gestellt. Dazu baut der umtriebige Kaufmann ein Netz an Unterstützern und offiziellen Geldgebern auf. Bis nach Amerika will Sauer den Archäologiepark bekanntmachen. „Immerhin hat der Ausgräber Dr. Gotthard Neumann in den 1930er Jahren die Fürstengräber mit den ägyptischen Pyramiden verglichen“, weiß Norbert Sauer. Zwar sind in den Gräbern außer den mächtigen Steinkreisen von 14 Metern Durchmesser keine wertvollen Grabbeigaben gefunden worden. Doch steht im Museum Alte Lateinschule immerhin ein Modell, und es gibt eine Bronzegussform.

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Als Erstes wird das Gelände der wieder freigelegten Hügelgräber nun mit einer Vogelschutzhecke eingezäunt. Den ersten Strauch wollen die Gründungsmitglieder gemeinsam pflanzen. Der Nabu fördert das. Dann werden Infotafeln aufgestellt und das Freilichtmuseum rekonstruiert. Das 90 Jahre alte Fundament davon ist noch im Boden.

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