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Mit kleinen Schritten aus der Krise

Seit einem Jahr ist René Venus im Amt als Lampertswalder Bürgermeister – und muss erst einmal den Mangel verwalten.

Bürgermeister René Venus im neuen Feuerwehrgerätehaus von Niegeroda.
Bürgermeister René Venus im neuen Feuerwehrgerätehaus von Niegeroda. © Klaus-Dieter Brühl

Lampertswalde. Im Ortsteil Brößnitz ist ein behindertengerechter Eingang zum Dorfgemeinschaftshaus gebaut worden. In Blochwitz erfolgte der Abriss einer Ruine in der Ortsmitte. Für den Kernort Lampertswalde gab es einen Treppenaufgang zum Parkplatz vor der Kita und in Adelsdorf eine neue Dacheindeckung für den Dorftreff. Die Gemeinde Lampertswalde muss sichtlich kleine Brötchen backen. Lediglich in Niegeroda wurde dieses Jahr in größerem Maßstab investiert.

Hier ist ein neues Feuerwehr-Gerätehaus aus dem Boden gestampft worden. „Oelsnitz-Niegeroda hat die personell stärkste Ortsfeuerwehr im gesamten Gemeindegebiet“, erklärt Bürgermeister René Venus. „Deshalb liegt uns die Fertigstellung sehr am Herzen.“ Ursprünglich hatte die Kommune für den Gerätehausbau eine halbe Million Euro veranschlagt. Die Frage ist, ob es dabei bleiben wird. Schon bei der Grundsteinlegung im September vorigen Jahres musste sich die Gemeinde eingestehen, dass die Kosten für die Erdarbeiten weit über den Planungen liegen.

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Zu diesem Zeitpunkt war René Venus gerade frisch ins Bürgermeisteramt gewählt – seinen Dienst trat er am 3. November 2019 an. Mitten hinein in die größte finanzielle Notlage, die die Gemeinde je durchzustehen hatte. Ursache für die dramatische Situation sind weggebrochene Gewerbesteuereinnahmen. Im vorigen Jahr hatte Lampertswalde mit 1,6 Euro Millionen gerechnet. Herein kam gerade einmal die Hälfte. Und nicht nur das. Es wurden auch Rückzahlungen fällig, beispielsweise an Kronospan. So dass gegenüber dem Planansatz plötzlich mehr als eine Million Euro fehlte. Die finanziellen Reserven schmolzen dahin, obwohl sich die Gemeinde schon im März 2019 eine Haushaltsperre auferlegt hatte.

Kaum im Amt, musste der neuen Bürgermeister zusammen mit dem Gemeinderat die Ausgaben drastisch herunterfahren. Dem Sparkurs fiel letztlich der geplante Erweiterungsbau für die Lampertswalder Grundschule zum Opfer - zwei bis drei zusätzliche Klassenräume an der Südseite des Schulgebäudes. Die sollten eigentlich schon 2019 angebaut werden, aber dann wurde die Kalkulation wegen der explodierenden Baupreise teurer und teurer. Zu Jahresbeginn 2020 stand sie bei 526.000 Euro. In ihrer prekären Einnahmesituation hätte die Kommune den notwendigen Eigenanteil niemals zusammenbekommen.

Natürlich habe die Schule für die Gemeinde nach wie vor Priorität, sagt René Venus. Aber ernsthaft angepackt werden könne die Sache erst, wenn wieder Geld in der Kasse ist. Bis dahin muss sich Lampertswalde mit kleinen Schritten aus der Krise herausarbeiten. Eine Hilfe sind die 70.000 Euro, die der Freistaat den ländlichen Kommunen in den vergangenen drei Jahren pauschal zugewiesen hat. Mit den Geldern werden – siehe oben – die dringlichsten Wünsche in den einzelnen Ortsteilen erfüllt. Auch im nächsten Jahr wird Lampertswalde auf kleiner Flamme kochen. In der Kita muss der Sanitärraum erneuert werden, der Hort benötigt ein zusätzliches Gruppenzimmer. „Wir werden einen langen Atem brauchen“, ahnt René Venus.

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Der 39-jährige Schönborner sitzt seit 2009 im Lampertswalder Gemeinderat. Wegen des großen Gewerbegebietes und der daraus resultierenden Steuereinnahmen war es der Kommune seit Mitte der 1990er Jahre finanziell eigentlich immer gut gegangen. Nach dem Rückzug des langjährigen Bürgermeisters Wolfgang Hoffmann wurde das Amt vakant. „Es ist eine ehrenamtliche Stelle – wahrscheinlich gab es deshalb nur zwei Bewerber“, sagt René Venus. Aber er habe etwas bewirken wollen und den Stress dafür in Kauf genommen. Der gelernte Metallbauer arbeitet im väterlichen Schmiedebetrieb mit und kann deshalb Beruf und Ehrenamt zeitlich einigermaßen managen. Dennoch verschiebt sich vieles bis in die Abende hinein. So auch der Gemeinderundgang mit der Sächsischen Zeitung. Als Bürgermeister und SZ die letzte Station – den Adelsdorfer Dorftreff – ansteuern, ist es bereits dunkel.

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