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Nabu will Corona-Bremse lösen

Im Sommer wird es publikumsoffene Naturschutz-Exkursionen geben – auch die beliebte Fledermausnacht im August soll stattfinden.

Naturschutztreffen noch ohne Sicherheitsabstand und Maske: Organisations-Chef Thomas Kramp (l.) mit Teilnehmern der 47. Feldstation, die vor genau zehn Jahren in Tiefenau stattfand.
Naturschutztreffen noch ohne Sicherheitsabstand und Maske: Organisations-Chef Thomas Kramp (l.) mit Teilnehmern der 47. Feldstation, die vor genau zehn Jahren in Tiefenau stattfand. © Manfred Müller

Region. Bis zum 6. Juli müssen sich die Naturfreunde in der Elbe-Röder-Region noch gedulden. Dann startet nach langer Coronapause die erste Veranstaltung des Nabu-Regionalverbandes im laufenden Jahr. Geplant ist eine Exkursion zu den Elligast-Wiesen bei Nasseböhla – dem jüngsten Naturschutzgebiet der Großenhainer Pflege. „Wir hätten gern schon früher angefangen“, erklärt Regionalchef Volker Wilhelms, „aber die Hygienebestimmungen geben es einfach nicht her.“

Momentan dürften sich maximal zehn Personen treffen, und das sei einfach zu wenig für so eine Veranstaltung. Ganz abgesehen davon, dass die Naturschützer keine eigenen Testmöglichkeiten anbieten können. Aber der Rückgang der Infiziertenzahlen und die dadurch zu erwartenden Lockerungen machten Planungen wieder möglich. Auch für den August ist Wilhelms durchaus optimistisch. Da könne der Nabu im Rahmen der Europäischen Fledermausnacht wieder eine eigene Veranstaltung im Seußlitzer Grund anbieten. Letztes Jahr musste die Fledermaus-Beobachtung, die besonders bei Familien mit kleineren Kindern beliebt ist, noch coronabedingt gecancelt werden.

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Im Mai war eigentlich ein weiteres Highlight geplant – die traditionelle Feldstation. Das ist ein Zeltlager für naturbegeisterte Familien, von dem die Eltern mit ihren Sprösslingen zu verschiedenen Wanderungen aufbrechen können. Ziel sind meist ökologische Hotspots in der Röderaue. Mit bis zu 90 Teilnehmern ist die Feldstation eine der beliebtesten Nabu-Veranstaltungen. Aber auch sie fiel im vorigen Jahr, wie auch diesmal, den Corona-Beschränkungen zum Opfer. „Das Camp wird seit 1965 jedes Jahr aufgebaut und ist bis 2019 noch nie abgesagt worden“, erklärt Volker Wilhelms. Kein Dauerregen, kein Unwetter habe das geschafft. Die Pandemie aber leider gleich zweimal hintereinander.

Initiatoren der Feldstation waren in den 1960er Jahren die Zabeltitzer Konrad Eichhorn und Werner Hanisch. Die beiden Naturschutz-Pioniere wollten etwas von ihrem Enthusiasmus an die Schüler im Ort weitergeben. Sie gründeten deshalb eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Naturforscher“, die sich vor allem dem Aufbau von Nistkastenrevieren im Röderauwald verschrieb. Irgendwann genügten den jungen Leuten die zwei bis drei Wochenstunden in der Natur nicht mehr. Sie wollten ein bisschen mehr Abenteuer, auch mal bei Nacht draußen bleiben, und so entstand der Gedanke, einmal im Jahr ein gemeinsames Zeltlager zu veranstalten.

Zu Pfingsten 1965 wurde zum ersten Mal im Wald übernachtet. Das Grundanliegen der Feldstation ist über die Jahrzehnte gleichgeblieben – junge Menschen für den Naturschutz zu begeistern. Aber mit den Jahren kam auch eine fachliche Komponente hinzu. Es wurden viele Daten erhoben, die der Ausweisung von kleinen Schutzgebieten, so genannten Flächennaturdenkmalen, dienten. Die Initiatoren gewannen für die Exkursionen viele Fachleute, die ihr Wissen über die gefundenen Pflanzen und Tiere an die Teilnehmer weitergaben. Ob Schmetterlinge, Vögel, Fische, Lurche, Fledermäuse oder Biber – immer findet sich ein Experte, der Interessantes und Wissenswertes über die Art zu berichten weiß.

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Auch die besucherstarke Fledermausnacht im August soll stattfinden – mit Kontaktliste und Sicherheitsabstand.

Tagsüber geht es vom Zeltlager aus in mehreren Gruppen zu Fuß in ausgewählte Zielgebiete. Die Beobachtungen werden festgehalten und später ausgewertet. Wenn die Witterung günstig, gibt es abends so genannte Nachtfänge, so etwa zur Bestimmung von Faltern oder zur Beringung von Fledermäusen. „Ich weiß noch, wie wir einmal in einer stillgelegten Kiesgrube bei Raden einen ganzen Schwarm Bienenfresser antrafen,“ erinnert sich Volker Wilhelms. „Unsere ornithologisch versierten Leute hatten sie schon von Weitem an ihrem charakteristischen Flöten erkannt.“ Die farbenfrohen Rackenvögel sind eigentlich eher in Südeuropa heimisch und waren damals in Sachsen noch eine absolute Rarität. Solche Erlebnisse will der Nabu auch künftigen Generationen nicht vorenthalten. Ab nächstes Jahr soll die Feldstation für junge Naturschützer deshalb unbedingt wieder stattfinden.

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