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Otto-Shop wird schließen

Nach fast 18 Jahren am Großenhainer Kirchplatz muss Michael Weigel eine Alternative suchen. Als Hermes-Paketshop bleibt sein Laden bestehen.

Michael Weigel im Otto-Shop am Kirchplatz ist künftig nur noch Hermes-Paketshop.
Michael Weigel im Otto-Shop am Kirchplatz ist künftig nur noch Hermes-Paketshop. © Kristin Richter

Großenhain. Der Versandhändler Otto steht vor großen Veränderungen, die mit hohen Investitionen verbunden sind. Ladeninhaber Michael Weigel vom Kirchplatz weiß es schon länger. Doch erst jetzt kann er es öffentlich sagen: die Otto-Shops werden bundesweit nicht weiter betrieben. "Zum 3. Juli werde ich somit Otto das letzte Mal vertreten", informiert Weigel. Bis dahin stehe er noch unverändert für alle Angelegenheiten des Versandhändlers zur Verfügung. Die saisonalen Dekoartikel werden bis dahin stark preisreduziert abverkauft. Michael Weigel: "Ich bedanke mich bei all meinen Kunden, die mir fast 18 Jahre die Treue gehalten haben und wünsche alles Gute." Der Hermes-Paketshop ist vorerst weiter geöffnet.

Damit verliert Großenhain auch das letzte Kataloghandel-Geschäft. Eine Neckermann-Vertretung gab es bei Familie Schünemann auf der Amalienstraße. Einen Quelle-Shop betrieb Familie Haupt. Und Anita Huhle hatte eine Schwaab-Bestellannahme in der Schloßstraße. Doch all diese Läden gibt es nicht mehr. Und Michael Weigel weiß auch noch nicht so richtig, wie weiter. Von Vorteil ist nur, dass er keine Miete zahlen muss, sondern im eigenen Objekt tätig ist.

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Dabei war der heute 52-Jährige im September 2003 noch optimistisch. Die SZ begleitete den Großenhainer damals mit mehreren Beiträgen bei der Geschäftseröffnung und der Gründung einer Ich-AG. Der Familienvater war zu der Zeit arbeitslos. Er hatte den Beruf eines Maurers erlernt. "Als mir betriebsbedingt gekündigt wurde, nahm ich das Angebot des Arbeitsamtes für eine Umschulung zum IT-Systemkaufmann gern an“, erinnert sich Michael Weigel. Ab Februar 2001 habe er sich deshalb richtig in die Umschulung reingekniet und sie letztlich auch erfolgreich abschließen können. Mit einem Job ist es allerdings nichts geworden.

Erfolgreich auch wegen Schuhkartons

Dann kam ihm der Zufall zu Hilfe. Im Familienhaus am Kirchplatz sind plötzlich die vermieteten Gewerberäume frei geworden. Die Frau, die bisher den Ottoversand-Shop betrieben hatte, konnte ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen. „Da habe ich mir gedacht, dann soll es eben so sein. Ich mache mich in meinem eigenen Haus mit dem Otto-Shop selbständig“, erzählt Weigel. Der Vater eines damals dreijährigen Sohnes vereinbarte einen Termin beim Arbeitsamt. Er wurde in Großenhain "wirklich sehr gut beraten". Der Vorteil der Ich-AG war für ihn die finanzielle Förderung innerhalb der ersten drei Jahre und die soziale Absicherung.

Er bekam einen Existenzgründungszuschuss von 600 Euro monatlich. Doch der Weg zum Arbeitsamt war für den Großenhainer nicht der Einzige. Er musste im Rathaus ein Gewerbe anmelden - 20 Euro -, der Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel Bescheid geben, sich um Versicherungen und Telefon kümmern, ein Formular fürs Finanzamt ausfüllen. Er schaffte einen Fahrradständer an und ließ Eröffnungsfaltblätter zum Verteilen drucken. "Ich habe mir jeden Tag eine Liste, einen genauen Ablaufplan gemacht, damit ich nichts vergesse", beschreibt Michael Weigel die damalige Prozedur.

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Der Großenhainer hatte Erfolg, die Kunden haben das Geschäft gut angenommen. Viele freuten sich, dass Otto weiter in der Stadt vertreten ist. Durch die jährliche Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" sicherte sich der Geschäftsinhaber zusätzliche Akzeptanz. Doch jetzt ist es durch die Corona-Maßnahmen wieder sehr schwierig geworden. "Ich habe monatliche hohe Kosten", erklärt Weigel. Bis Juli muss er sich also überlegen, wie es weitergehen soll.

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