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Quersaer stellen Viertelmeilenstein auf

Das historische Zeugnis bekam seinen Platz neben einer Nachbildung am Dorfgemeinschaftshaus.

Quersas Ortsvorsteher Marcel Nicke platziert den kursächsischen Viertelmeilenstein auf einem Metallrahmen vorm Dorfgemeinschaftshaus.
Quersas Ortsvorsteher Marcel Nicke platziert den kursächsischen Viertelmeilenstein auf einem Metallrahmen vorm Dorfgemeinschaftshaus. © Manfred Müller

Quersa. Eigentlich sollten das Original und die Kopie zur 800-Jahrfeier des Dörfchens Quersa feierlich aufgestellt werden. Aber daraus wurde wegen der Corona-Epidemie nichts. Nun sind die beiden Steine mit weniger Pomp an ihren Bestimmungsort gekommen. Dieser Tage setzte Ortsvorsteher Marcel Nicke das historische Teil auf einen Metallrahmen vorm Dorfgemeinschaftshaus.

Der kursächsische Viertelmeilenstein - datiert aus dem Jahr 1722 - stand ursprünglich etwa dort, wo sich heute der „Mühlbacher Kreisel“ befindet. Im stark befahrenen Kreisverkehr wäre er nicht wirklich zur Geltung gekommen, weshalb ihn die Quersaer lieber gut sichtbar im Dorfzentrum platzierten. 

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In das Postmeilensystem waren während der Regierungszeit Augusts des Starken und seines Nachfolgers alle wichtigen Straßen und fast alle Städte des Kurfürstentums Sachsen zur Angabe der amtlichen Entfernungen einbezogen worden. Es entstand auf der Grundlage der kartografischen Arbeiten des Pfarrers Adam Friedrich Zürner aus Skassa. Bestandteile waren – je nach Entfernung – verschiedene Säulen, Stelen oder eben Viertelmeilensteine.

Wechselvolle Geschichte

Der Quersaer Stein hat eine recht wechselvolle Geschichte. Bis in die 1950er Jahr stand er an seinem angestammten Platz an der Mühlbacher Kreuzung. Dann verschwand er für 20 Jahre und tauchte erst wieder auf, als in Quersa die Dorfbeschleusung gebaut wurde. Offenbar hatte ihn jemand zum Verfüllen einer Klärgrube benutzt. 

Eigentlich wollte die Gemeinde das historische Zeugnis schon zu DDR-Zeiten wiederherrichten oder erneuern lassen. Er wurde in Brockwitz eingelagert, geriet aber in Vergessenheit. Anfang 2014 überließ die Gemeinde Lampertswalde, zu der Quersa mittlerweile gehörte, den Viertelmeilenstein den Großenhainern für ihre Ausstellung anlässlich des Tages der Sachsen. Danach wurde er beim Steinmetz Andreas Witschel eingelagert und erneut vergessen. 

Erst, als die 800-Jahrfeier spruchreif wurde, erinnerten sich die Quersaer wieder an das Kleinod. Zunächst hatten sie den falschen Stein zurückgeschickt bekommen, was erst bei einem Fototermin für die SZ auffiel. Das wurde zwar korrigiert, aber der Viertelmeilenstein erwies sich als nicht restaurierbar. Deshalb gaben die Dorfleute bei Steinbildhauer Hartmut Witschel eine Kopie in Auftrag. Vom Original wollten sie sich jedoch auch nicht trennen. Nun stehen alt und neu einträchtig nebeneinander.

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Finanziert wurde die Aktion, die insgesamt 3.600 Euro kostete, zur Hälfte von der Gemeinde. Den Rest steuerten Sponsoren und der Dorfklub aus Eigenmitteln bei. „Mit dem Meilenstein haben sich schon Generationen von Gemeinde- und Ortschaftsräten beschäftigt“, sagt Marcel Nicke. „Jetzt findet die Sache endlich ein gutes Ende.“

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