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Großenhain

Radfahrer wollen mehr Radwegbau

Laut einer Studie des Fahrradclubs Sachsen wünschen sich viele Radler direktere Wege durch Öffnung von Einbahnstraßen.

Mehr Radwege auf dem Land und Öffnung der Einbahnstraßen in der Innenstadt, das wünschen sich Großenhains Radfahrer.
Mehr Radwege auf dem Land und Öffnung der Einbahnstraßen in der Innenstadt, das wünschen sich Großenhains Radfahrer. © Brühl/Archiv

Großenhain. 58 Prozent der Einwohner, die an einer Umfrage teilgenommen haben, fühlen sich auf ihren Wegen mit dem Rad gefährdet. 73 Prozent von ihnen sagen, sie werden beim Fahren auf der Fahrbahn von Autos bedrängt und behindert. Ebenfalls 73 Prozent wünschen sich mehr Engagement von Kommunalpolitikern und Stadtverwaltung beim Ausbau des Radwegenetzes. Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wird. 78 Großenhainer machten mit.

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Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, betont den Handlungsbedarf in Großenhain: „Beim Fahrradboom der letzten Jahre handelt es sich um einen anhaltenden Trend, den die Pandemie im vergangenen Jahr noch einmal deutlich verstärkt hat." Die Kommunalpolitik dürfe diese Entwicklung nicht verschlafen. Großenhain hätte beim Fahrradklima-Test eigentlich immer gut abgeschnitten, droht jetzt aber abzurutschen, weil die Stadtverwaltung zu wenig tut, so Krause. "Die Menschen wollen mehr Wege mit dem Rad zurücklegen. Doch damit sie das wirklich tun, brauchen sie ein durchgehendes, sicheres Radnetz und angstfreie Wege."

In Großenhain zeigt der Fahrradklima-Test im sachsenweiten Vergleich aber auch eine überdurchschnittliche Unzufriedenheit mit der Anzahl an geöffneten Einbahnstraßen für Radfahrende. „Die Öffnung von Einbahnstraßen ist einfach machbar und kostengünstig. Hier sollte die Stadt Großenhain schnell für Verbesserungen sorgen“, so Krause. 60 Prozent der Großenhainer wünschen sich, dass in mehr Einbahnstraßen das Radfahren in beide Richtungen zugelassen wird. Auch wenn die Polizei das für gefährlich hält.

Der Fahrradklima-Test zeigt aber auch, dass Verbesserungen anerkannt werden. 67 Prozent derer, die im Vorjahr an dem Test teilnahmen, geben an, dass sie in ihrer Stadt entspannt mit dem Rad unterwegs sind. Das ist ein deutlich besserer Wert als der sächsische Durchschnitt. Auch der Fahrraddiebstahl ist in Großenhain der ADFC-Umfrage zufolge kein so großes Problem wie im Rest des Freistaats.

Bessere Werte als Sachsendurchschnitt

Natürlich müsse auch der Freistaat die sächsischen Kommunen unterstützen. "Dass Verkehrsminister Martin Dulig jetzt den Städten und Gemeinden den Geldhahn zudrehen will, besorgt mich sehr“, sagt Konrad Krause. Der Haushaltsentwurf der sächsischen Staatsregierung sieht eine Reduzierung von Mitteln zum Ausbau kommunaler Radwegenetze von 11,7 Millionen Euro im Jahr 2020 auf rund 2,4 Millionen Euro ab 2021 vor. Der ADFC setzt große Hoffnungen darauf, dass die Landtagsabgeordneten von CDU, Grünen und SPD dies in letzter Sekunde noch korrigieren.

Der Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zum Fahrradklima weltweit und wird seit 2012 alle zwei Jahre vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) durchgeführt. Er umfasst 27 Fragen. Zwischen September und November 2020 konnten Radfahrende deutschlandweit ihre Meinung zu den Radverkehrsbedingungen in ihrer Stadt äußern. 94 Prozent der Befragten verfügen über einen Führerschein und 76 besitzen ein Auto. 85 Prozent sind nicht Mitglied im ADFC.

Bei der aktuellen Befragung wurden außerdem fünf Zusatzfragen zur Entwicklung des Radverkehrs während der Corona-Pandemie erhoben. Das Fahrradklima, also die Wahrnehmung der Radverkehrsbedingungen, hat sich bundesweit weiterhin verschlechtert. 2014 wurde es noch mit der Schulnote 3,7 bewertet, 2016 mit 3,8. Im Jahr 2018 mit 3,9 und nun mit 3,93.

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2020 bewerteten in Großenhain 78 Personen ihre Stadt nach Fahrradkriterien. Mit einer Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 3,82 liegt Großenhain etwas besser als der bundesweite Durchschnitt und auf Rang fünf von 25 der sächsischen Städte mit weniger als 20.000 Einwohnern. Das Fahrrad hat mit der Corona-Pandemie als Verkehrsmittel an Bedeutung gewonnen. 50 Prozent der Großenhainer bestätigten diese Tendenz. 47 Prozent der Befragten in Großenhain gaben an, während der Corona-Pandemie mit dem Rad neue Ziele in der Umgebung entdeckt zu haben. (SZ/krü)

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