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Spielplatz Zschieschen an Dorfclub übergeben

Die Freifläche der abgerissenen Bergbrauerei Zschieschen ist ein schmucker Ruheplatz geworden. Altgeräte gibt es nicht, dafür eine schöne Infotafel.

Einweihung eines Spielplatzes am ehemaligen Standort Bergbrauerei in Großenhain-Zschieschen.
Einweihung eines Spielplatzes am ehemaligen Standort Bergbrauerei in Großenhain-Zschieschen. © Norbert Millauer

Großenhain. Es ist offenbar eine Seltenheit: dass eine Stadt Eigentümer einer privaten Industriebrache geworden ist und einen so genannten dauerhaften "lost place" verhindert. Das jedenfalls sagt Bürgermeister Tilo Hönicke über die ehemalige Bergbrauerei Zschieschen. Viele Jahre stand sie nach der Wende leer und rottete vor sich hin. Dann konnte die Stadt sie mit einem "juristisch absoluten Hochseilakt", so Hönicke, von der Eigentümergemeinschaft erwerben und zum geförderten Abbruch ausschreiben. "Es wäre sonst ein Objekt für Vandalismus geworden", sagt der Bürgermeister.

Nun ist das Gelände rekultiviert und wird an die IG Dorfklub Zschieschen zur Nutzung übergeben. Denn der Stadtteil hatte bislang keinen eigenen Spielplatz. Der Dorfklub Zschieschen freut sich über die jetzt freigegebene Grünfläche und will am Freitagnachmittag gleich ein kleines Anwohnerfest mit Hüpfburg und Bratwurst veranstalten. Denn ein Zschieschener Straßen- und Kinderfest wird dieses Jahr wegen Corona noch nicht stattfinden.

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Auf einer Infotafel ist die Geschichte der Bergbrauerei dargestellt. Auf der Rückseite wird gezeigt, wie die Stadt den Artenreichtum fördert.
Auf einer Infotafel ist die Geschichte der Bergbrauerei dargestellt. Auf der Rückseite wird gezeigt, wie die Stadt den Artenreichtum fördert. © Kathrin Krüger

Tatsächlich hätten sich Anwohner wie Andreas Kornmann gewünscht, dass die Fläche rasch für neue Eigenheime freigegeben wird. Doch die hohe Förderung der Rekultivierung hat die Stadt gebraucht und muss dies nun einhalten. Für knapp 400.000 Euro war der Abbruch an die Firma Bothur vergeben worden. Der Komplettrückbau hat letztlich mehr als doppelt soviel gekostet. Doch der Fördersatz des Freistaates lag bei 90 Prozent. Am Ende sei es finanziell eine Punktladung geworden, so Tilo Hönicke. Die "Übergangsfläche" kann später immer noch Wohngebiet werden.

Für die Stadt war erstmal wichtiger, die Versicherungspflicht für die Brauereiruine loszukriegen. Schon 2013 hatte Großenhain das rund 6.000 Quadratmeter große Areal zum symbolischen Kaufpreis von einem Euro erworben. Der Abbruch lief von 2019 bis 2020. "Das war einigermaßen spektakulär, wenn ich an den Fund der alten Bierflasche denke", erinnert Oberbürgermeister Sven Mißbach. Für deren umsichtige Bergung war der Baggerfahrer geehrt worden. Das gute Stück liegt heute im Museum.

Nicht gelungen ist es allerdings, ein Industriedenkmal aus der bekannten Brauerei für die Freifläche zu retten. Die Transmission ist beim Ausbau zerbrochen. Die Abfüllanlage steht jetzt an der Schmiede im Schrott. Auch die Schrotmühle konnte leider nicht gerettet werden. Statt dessen macht jetzt eine Infotafel mit der wechselvollen Geschichte der Zschieschener Bergbrauerei bekannt. Auf der Rückseite der Tafel wird erklärt, wie Großenhain den Artenreichtum fördert - auch auf dieser Freifläche.

Anwohner der neuen Freifläche wollen auf sie ein Auge haben und Ordnung und Sicherheit mit im Blick.
Anwohner der neuen Freifläche wollen auf sie ein Auge haben und Ordnung und Sicherheit mit im Blick. © Norbert Millauer

Deren Kosten der Gestaltung lagen immerhin bei 117.500 Euro. Gemeinsam mit den Zschieschenern wurde die Neubegrünung geplant. Anwohner werden es auch sein, die hier ein Auge auf den guten Zustand der Fläche haben. Aufgeforstet wurde auf der Bahnseite mit heimischen Gehölzen. Die Wiesenansaat enthielt gebietsheimische Blumen und Gräser. Auch zusätzliche Parkflächen wurden an diesem neuen Treffpunkt und Ortsmittelpunkt geschaffen.

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Die Stadt allein hätte dieses Vorhaben nicht stemmen können, begründet Tilo Hönicke seinen Dank an den Freistaat. Für nachfolgende Generationen - und es gibt etliche junge Familien in Zschieschen - wurde hier eine sinnvolle Nutzung etabliert. Dank sagt Hönicke auch an die IG Dorfklub, die trotz anfänglicher Bedenken das Vorhaben mittrug und einen ersten Entwurf für die Infotafel beisteuerte. Noch bis 2023 sind hier Fertigstellungs- und Entwicklungspflege beauftragt. Die Zschieschener Kinder wollen schon bald Fußball spielen. Und der Bergkeller wird auch von dem Angebot profitieren.

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